Müllabfuhr, Millionen

Müllabfuhr: 216 Millionen Euro aus Kunststofffonds für Kommunen

Veröffentlicht: 14.07.2026 um 17:03 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Deutsche Entsorgungsbetriebe kämpfen mit Sommerhitze, Personalknappheit und einem laufenden Streik. Logistik wird angepasst.

Müllabfuhr in Not: Streik, Hitze und Personalmangel belasten
Ein moderner Müllwagen auf einer sonnigen Stadtstraße mit einem Mitarbeiter, der eine Mülltonne leert, während die Sonne aufgeht. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Entsorgungsbetriebe müssen ihre Logistik umkrempeln.

Früher Start gegen die Mittagshitze

Der Arbeitsschutz steht bei hohen Temperaturen ganz oben. Mehrere Regionen haben ihre Einsatzzeiten angepasst. In Arnsberg und im Landkreis Südliche Weinstraße beginnt die Abfallsammlung nun um 5 Uhr morgens. Die Technischen Dienste Arnsberg greifen ab einer prognostizierten Temperatur von 30 Grad Celsius zu dieser Maßnahme. Ziel: Die körperliche Belastung der Mitarbeiter in der Mittagshitze reduzieren.

Personelle Ausfälle sorgen parallel für Verzögerungen. In Mainz meldet der Entsorgungsbetrieb KAW Probleme bei der Altkleiderabholung – es fehlen Fahrer. Auch in Winnenden beschweren sich Anwohner über ausbleibende Leerungen. Die Abfallwirtschaftsbetriebe geben deshalb verstärkt Tipps zur Handhabung von Biotonnen bei Sommerhitze. Feuchtigkeitsregulierung soll Geruchsbelästigung und Madenbildung verhindern.

Wartungsstopp und Streik belasten die Branche

Die technische Infrastruktur fordert zudem regelmäßige Großinvestitionen. Die Müllverbrennungsanlage in Bielefeld steht im Juli für drei Wochen still. Grund ist eine geplante Wartungsphase, die alle zehn Jahre ansteht. Gleichzeitig wird eine neue Klärschlammverbrennungsanlage angebunden, deren Fertigstellung für Ende 2027 geplant ist. Während des Stillstands gibt es keine Energie- oder Fernwärmeerzeugung. Der Restmüll muss in benachbarte Anlagen transportiert werden.

Ein weiterer Belastungsfaktor: der Tarifkonflikt in Stuttgart. Seit Anfang Februar streikt dort die Müllabfuhr. Die Gewerkschaft ver.di fordert acht Prozent mehr Lohn. Aktuell verdienen Mülllader zwischen 2.800 und 3.400 Euro brutto, Fahrer zwischen 3.000 und 3.700 Euro. Mitte Juli sollen die Verhandlungen weitergehen.

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216 Millionen Euro aus dem Einwegkunststofffonds

Seit 2024 gibt es den Einwegkunststofffonds. Hersteller von Einwegplastik – vor allem aus der Tabakindustrie – zahlten für 2024 insgesamt 216 Millionen Euro ein. Schätzungen zufolge entfallen bis zu 55 Prozent auf die Tabakbranche. Der Grund: Zigarettenkippen machen einen erheblichen Teil des kommunalen Reinigungsaufwands aus.

In Schleswig-Holstein liegen die Kosten für die Kippen-Entsorgung bei rund sechs Millionen Euro pro Jahr. Die Auszahlungen aus dem Fonds an die Kommunen sind für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant. Bisher haben Städte wie Kiel, Flensburg oder Norderstedt noch kein Geld gesehen.

Mehr Reinigung und Hilfe von Schulkindern

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Gegen Vermüllung im öffentlichen Raum setzen Gemeinden verstärkt auf Prävention. In Rheinfelden, Kaiseraugst, Laufenburg und Stein wurden die Reinigungsintervalle erhöht. Patrouillen sollen die Bevölkerung sensibilisieren. In Stein gibt es seit April sogar eine zusätzliche Müllsammlung an Samstagen.

Die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH startete eine Kampagne mit spielerischen Elementen. Gleichzeitig halfen im Juli zahlreiche Bildungseinrichtungen bei Reinigungsaktionen. In Neumarkt sammelten über 1.000 Schulkinder Abfälle im Stadtgebiet. In Spelle waren es rund 250 Kinder. Für Aufsehen sorgte eine Müllsammelaktion auf der Ilmenau – das Technische Hilfswerk erhielt dafür einen Umweltpreis.

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