Müllgebühren: Dortmund zahlt 535 Euro, Flensburg nur 163 Euro
20.06.2026 - 11:50:34 | boerse-global.de
Während Flensburg mit 162,60 Euro im Jahr die günstigste Kommune ist, zahlen Dortmunder Haushalte mehr als das Dreifache.
Das geht aus dem aktuellen Müllgebührenranking des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln hervor. Im Auftrag von Haus & Grund wurden die 100 größten Städte untersucht. Ergebnis: Die Durchschnittsgebühr für einen Vier-Personen-Haushalt liegt bei 351 Euro – ein Anstieg von 13 Prozent in vier Jahren.
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Flensburg günstig, Dortmund teuer
Die Spannweite ist enorm. In 87 der 100 untersuchten Städte sind die Gebühren zuletzt gestiegen. Flensburg führt die Liste der günstigsten Städte an – bei 14-tägigem Vollservice. Dortmund markiert mit 535,80 Euro das absolute Gegenteil.
Das Mittelfeld zeigt deutliche Unterschiede: Nürnberg verlangt 172,50 Euro, Frankfurt am Main 223,30 Euro. Essen liegt mit 240,60 Euro auf Platz sechs im Ranking. Die Preisunterschiede erklären Experten mit unterschiedlichen Serviceleveln, logistischen Herausforderungen und der Art der Müllverwertung.
Strengere Regeln für die Tonne
Parallel zu den Kosten verschärfen viele Kommunen ihre Kontrollen. In Wassenberg und Halle (Westfalen) achten die Entsorger genau auf die Abfallsatzungen. Wichtigste Regel: Mülltonnen werden nur geleert, wenn der Deckel komplett geschlossen ist. Fehlende Gebührenmarken führen in Wassenberg zur Verweigerung der Leerung.
Für kurzzeitig mehr Müll verweisen Verwaltungen auf offizielle Beistellsäcke. Die gibt es im Handel. In Klagenfurt sorgt eine neue Verordnung für Diskussionen: Seit Anfang 2026 müssen Tonnen zwingend an der Grundstücksgrenze stehen. Wer sie im Innenhof bereitstellt, zahlt drauf. Die Stadt spart dadurch jährlich 600.000 Euro.
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Biomüll wird zur Pflicht
Einige Kommunen setzen auf konsequente Mülltrennung, um Kosten zu senken. In Bergkamen soll bis zum vierten Quartal 2026 die Biotonnenpflicht für alle Haushalte kommen. Der Grund: Eine Tonne Restmüll kostet rund 300 Euro, Biomüll nur 100 Euro. Der Entsorgungsbetrieb erwartet ein Drittel weniger Restmüll und stellt Gebührensenkungen in Aussicht.
Auch organisatorisch tut sich was. Der Kreistag des Landkreises Kassel beschloss im Juni 2026, die Abfuhr von Rest- und Biomüll ab 2028 in Eigenregie zu übernehmen. Zuvor gab es bei privaten Dienstleistern Reklamationen und Kostensteigerungen. In Karlsruhe plant der Gemeinderat eine Neuordnung der Sperrmüllsammlung. Die klassische Straßensammlung soll durch Express-Services und mehr Abholtermine ersetzt werden.
Illegale Müllablagerungen nehmen zu
Ein wachsendes Problem für die Städte: Immer mehr illegal abgelagerter Müll. In Hannover, Braunschweig und Oldenburg steigen die Fallzahlen. Hannover verzeichnete 2023 noch 20.487 gemeldete Müllstellen, 2025 waren es 29.156. In Bad Waldsee reagiert die Stadt mit verstärkten Kontrollen und prüft Videoüberwachung an Wertstoffhöfen.
Auch das Wetter beeinflusst die Müllabfuhr. In Gladbeck, Hilden und Bottrop wurde der Arbeitsbeginn bei Hitze auf 6:00 Uhr vorverlegt – zum Schutz der Beschäftigten bei Temperaturen bis zu 37 Grad. In Augsburg führten personelle Engpässe zu Verzögerungen bei der Gelben Tonne. Die Stadt und der Dienstleister Remondis überprüfen derzeit die Abfuhrpläne.
