Multiple, Sklerose

Multiple Sklerose: 330.000 Deutsche betroffen, 25% Anstieg in 8 Jahren

29.05.2026 - 20:39:49 | boerse-global.de

Die Zahl der MS-Patienten in Deutschland stieg auf 330.000. Forscher entwickelten einen Protein-Test zur präziseren Diagnose.

Multiple Sklerose: 330.000 Deutsche betroffen, 25% Anstieg in 8 Jahren - Foto: ĂĽber boerse-global.de
Multiple Sklerose: 330.000 Deutsche betroffen, 25% Anstieg in 8 Jahren - Foto: ĂĽber boerse-global.de

Rund 330.000 Menschen in Deutschland werden aktuell wegen Multipler Sklerose behandelt – ein Anstieg von fast 25 Prozent innerhalb von acht Jahren.

Die als „Krankheit der tausend Gesichter“ bekannte Autoimmunerkrankung bleibt ein Schwerpunkt der internationalen Forschung. Weltweit leben schätzungsweise 2,9 Millionen Menschen mit MS. Die Erkrankung ist weder ansteckend noch zwangsläufig tödlich, doch ihre Symptome sind vielfältig und oft schwer vorhersehbar.

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Jeden Tag 41 Neudiagnosen in Deutschland

Aktuelle Krankenkassendaten aus dem Jahr 2024 zeigen eine deutliche Zunahme der MS-Fälle in Deutschland. Waren 2016 noch 268.000 Betroffene in Behandlung, stieg die Zahl bis 2024 auf rund 330.000. Das bedeutet: Täglich erhalten etwa 41 Menschen in Deutschland die Diagnose Multiple Sklerose.

Besonders auffällig ist der Anstieg bei älteren Patienten. In der Altersgruppe über 55 Jahre stieg die Prävalenz von 0,33 Prozent (2016) auf 0,49 Prozent (2024). Auch geschlechtsspezifisch zeigen sich deutliche Unterschiede: Mit 0,55 Prozent sind mehr als doppelt so viele Frauen betroffen wie Männer (0,24 Prozent).

In Ă–sterreich leben rund 13.500 Menschen mit MS. Allein die Wiener Kliniken behandelten 2025 ĂĽber 3.000 Patienten. International variieren die Zahlen stark: In Abu Dhabi liegt die Diagnoserate mit etwa 64 pro 100.000 Einwohnern rund doppelt so hoch wie der globale Durchschnitt.

Neue Diagnoseverfahren aus Deutschland

MS ist bislang nicht heilbar, doch eine frĂĽhe Diagnose ist entscheidend fĂĽr den Krankheitsverlauf. Standardverfahren umfassen neurologische Untersuchungen, Magnetresonanztomographie (MRT) und die Analyse des Nervenwassers.

Ein Durchbruch gelang Forschern des Max-Planck-Instituts für Biochemie und der Technischen Universität München: Sie entwickelten einen 22-Protein-Test, der MS mit hoher Präzision von anderen neurologischen Erkrankungen unterscheiden kann. Validiert wurde das Verfahren an 160 externen Proben.

Ein internationales Konsortium mit 118 Forschern aus 89 Institutionen analysierte zudem 78.600 Teilnehmer aus 38 Studien. Die Forscher identifizierten rund 4.000 Genomregionen, die über 1.000 Blutproteine regulieren – ein wichtiger Schritt zum besseren Verständnis der Krankheitsmechanismen.

Therapie: 20 zugelassene Medikamente und vielversprechende Forschung

Rund 20 Medikamente stehen zur Behandlung von MS-Symptomen und zur Verlangsamung des Krankheitsverlaufs zur Verfügung. Akute Schübe werden häufig mit Kortison behandelt, langfristig geht es darum, die Krankheitsaktivität zu reduzieren.

Die Forschung arbeitet an neuen Ansätzen:
- In Finnland wird ein Wirkstoffkandidat untersucht, der das Nachwachsen der Myelinscheide – der schützenden Hülle um Nervenfasern – anregen soll.
- Hamburger Forscher entdeckten einen neuronalen Signalweg, der erklären könnte, warum Entzündungen während der Schwangerschaft natürlicherweise nachlassen.

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Als gesicherte Risikofaktoren gelten genetische Veranlagung (besonders bei Nordeuropäern), Vitamin-D-Mangel, Rauchen sowie eine frühere Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus.

Lebensqualität verbessern: Von individueller Betreuung bis zu Arbeitsplatzanpassungen

Die Behandlung von MS-Patienten wird zunehmend individualisiert. In Österreich setzen spezialisierte Ambulanzen wie jene der Klinik Ottakring auf frühe Krankheitskontrolle. „Das primäre Ziel ist es, die Krankheitsaktivität so früh wie möglich unter Kontrolle zu bringen“, erklärt Peter Thun, Leiter der dortigen MS-Ambulanz.

Anne-Kathrin Klemm vom BKK-Dachverband betont: „Dank moderner Therapiemöglichkeiten haben sich die Aussichten für Patienten, über lange Zeit ohne schwere Beeinträchtigungen zu leben, deutlich verbessert.“ Die Statistik gibt ihr recht: In weniger als fünf Prozent der Fälle führt die Erkrankung in den ersten Jahren zu schwerer Behinderung. Hält die Stabilität über fünf Jahre an, deutet dies meist auf einen milderen Langzeitverlauf hin.

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