Multiple, Sklerose

Multiple Sklerose: Blut zeigt mögliche Schub-Signale bis zu 90 Tage vorher

Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 19:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Beobachtungsstudie fand Immunveränderungen und EBV-Hinweise bis zu 90 Tage vor MS-Schüben; ein ursächlicher Zusammenhang ist nicht belegt.

Multiple Sklerose: Blutmarker könnten Schübe Monate vorher anzeigen
Ein steriler Laborarbeitsplatz mit medizinischen Analysegeräten und Zentrifugen zur Untersuchung von Blutproben. Illustration mit AI erstellt.

Bei schubförmig verlaufender Multipler Sklerose treten neurologische Verschlechterungen für Betroffene oft unvorhersehbar auf. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse deuten nun darauf hin, dass sich solche Krankheitsschübe bereits Monate im Voraus im Blutbild ankündigen könnten.

Eine am 16. September 2026 im Fachjournal Nature Medicine veröffentlichte Beobachtungsstudie zeigt auf, welche biologischen Signaturen vor einem akuten Ereignis messbar werden und welches Potenzial sich daraus für die klinische Überwachung ergibt.

Frühe Signale im Immunsystem und virale Spuren

Die Wissenschaftler untersuchten im Rahmen der Beobachtungsstudie insgesamt 240 Blutproben. Diese stammten von 114 Personen mit Multipler Sklerose sowie von 21 gesunden Kontrollpersonen. Bei einem Teil der Teilnehmenden mit schubförmiger MS lagen Blutproben vor, die bis zu 90 Tage – also rund drei Monate – vor einem tatsächlichen Schub entnommen worden waren.

Die Auswertungen ergaben eine reproduzierbare Immun-Signatur in Monozyten und B-Zellen, die sich bereits bis zu 90 Tage vor einem Schub nachweisen ließ. Zudem zeigten sich Hinweise auf eine Reaktivierung des Epstein-Barr-Virus (EBV) im Vorfeld eines Schubs. Die festgestellten Veränderungen in den B-Zellen sowie aktivierte MS-Risikogene traten gemeinsam mit Entzündungssignalen auf.

Grenzen der Aussagekraft und nächste Schritte

Trotz der vielversprechenden Befunde weisen die Autoren auf methodische Einschränkungen hin. Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen den beobachteten Prozessen und den späteren Schüben ist bislang nicht bewiesen; Ursache und Wirkung lassen sich aus den Daten nicht zweifelsfrei ableiten. Zudem war die Anzahl der verfügbaren prärelapsalen Proben in der Untersuchung gering.

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Bevor mögliche Bluttests zur verlässlichen Schubvorhersage im Versorgungsalltag eingesetzt werden können, müssen die Mechanismen in größeren Studien bestätigt werden.

Nach Einschätzung der Studienleitung könnten EBV-Signale künftig eine ergänzende Rolle neben Magnetresonanztomografien (MRT) und bereits etablierten Blutmarkern einnehmen, um das individuelle Schubrisiko präziser zu beurteilen. Ein entsprechender klinischer Biomarker sei möglicherweise in ein bis zwei Jahren verfügbar.

Relevanz für die Erforschung neuroinflammatorischer Prozesse

Die Suche nach präzisen Markern fügt sich in ein breites wissenschaftliches Bestreben ein, entzündliche Schübe und chronische Verläufe frühzeitiger abzufangen. Dieser Bereich bleibt auch strukturell Gegenstand universitärer Schwerpunktbildung: Zum 1. Oktober 2026 tritt Francesca Gilli an der Universität des Saarlandes die Professur für Neuroinflammation an.

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Ihre wissenschaftliche Arbeit widmet sich den Themenfeldern der Neuroinflammation und Neurodegeneration bei Multipler Sklerose, der Erforschung von Biomarkern sowie der Entwicklung möglicher gezielter Therapiestrategien. Die jüngsten Analysen verdeutlichen, wie eng die Identifikation molekularer Marker im Blut mit der künftigen Steuerung von MS-Therapien verknüpft ist.

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