Multiple, Sklerose

Multiple Sklerose: Bluttest erkennt Krankheit 10 Jahre früher

30.05.2026 - 15:48:15 | boerse-global.de

Forscher identifizieren Blutproteine, die Multiple Sklerose über ein Jahrzehnt vor Ausbruch anzeigen. Neue McDonald-Kriterien als Diagnosestandard etabliert.

Multiple Sklerose: Bluttest erkennt Krankheit 10 Jahre früher - Foto: über boerse-global.de
Multiple Sklerose: Bluttest erkennt Krankheit 10 Jahre früher - Foto: über boerse-global.de

Gleichzeitig wurden die Diagnosekriterien grundlegend überarbeitet.

Protein-Panels als Frühwarnsystem

Die Forschung hat einen entscheidenden Durchbruch erzielt: Ein 22-Protein-Panel kann MS von anderen neurologischen Erkrankungen mit einer Genauigkeit von 94 Prozent unterscheiden. Die am 28. Mai 2026 vorgestellte Methode erreicht einen AUC-Wert von 0,94 – ein statistisches Maß, das nahe an der Perfektion liegt.

Noch vielversprechender: Ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung der Max-Planck-Gesellschaft hat acht spezifische Blutproteine identifiziert, die als frühe Indikatoren dienen. Diese molekularen Tests könnten die bisher übliche, invasive Liquorpunktion ersetzen.

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Die wohl spektakulärste Erkenntnis lieferte eine Studie unter Leitung von Dr. Adil Harroud von der McGill-Universität. Die Forscher analysierten Daten der UK Biobank mit einer halben Million Teilnehmern. Ihr Ergebnis: Acht Proteine – darunter DKKL1 – zeigten bei späteren MS-Patienten bereits mehr als zehn Jahre vor der Diagnose Auffälligkeiten. Das eröffnet die Möglichkeit, Risikopersonen wie Angehörige von Betroffenen frühzeitig zu screenen.

Neue McDonald-Kriterien als Standard

Die klinische Diagnostik wurde ebenfalls auf den neuesten Stand gebracht. Ende Mai 2026 wurden die aktualisierten McDonald-Kriterien offiziell in die deutschen S2k-Leitlinien aufgenommen. Sie gelten nun als verbindlicher Standard für alle Mediziner.

Parallel dazu erforschen Wissenschaftler der Universität Uppsala den Biomarker sCD27 – ein Marker für T-Zell-Aktivierung. In einer aktuellen Kohortenstudie war sCD27 bei 88 Prozent der MS-Patienten im Liquor nachweisbar. In Kombination mit Blutproben zeigte der Marker eine starke Verbindung zu begleitenden Autoimmunerkrankungen. Zudem ließ sich sCD27 mit erhöhten Werten von Neurofilament-Leichtketten und Tau-Proteinen in Verbindung bringen – beides Indikatoren für Nervenschäden.

2,9 Millionen Betroffene weltweit

Die Dimension der Erkrankung bleibt gewaltig. Aktuelle Zahlen zum Welt-MS-Tag am 30. Mai 2026 zeigen: Rund 2,9 Millionen Menschen leben weltweit mit MS. In Deutschland sind es etwa 280.000 Patienten, jährlich kommen rund 15.000 Neudiagnosen hinzu. Italien verzeichnet 140.000 Fälle mit 3.400 bis 3.600 Neuerkrankungen pro Jahr, Österreich zählt 13.500 Betroffene.

Die Therapie hat sich zwar verbessert – rund 20 zugelassene Medikamente können Schübe und Hirnläsionen um etwa 90 Prozent reduzieren. Doch für die progressive Form der Krankheit fehlen weiterhin wirksame Behandlungen. Genau hier setzt die aktuelle Forschung an. Die Universität Münster und das Universitätsklinikum Münster (UKM) führen rund 25 klinische Studien durch. Im Fokus stehen BTK-Inhibitoren (Bruton-Tyrosinkinase-Hemmer), die erstmals auch die fortschreitende Nervenschädigung stoppen könnten.

Lebensstil und seelische Belastung

Eine Metaanalyse von 132 Studien mit 109.000 Patienten belegt: Rauchen erhöht das MS-Risiko um fast 50 Prozent. Das ist ein vermeidbarer Risikofaktor, den Betroffene und Gesunde gleichermaßen ernst nehmen sollten.

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Die kognitive Belastung ist enorm. Forscher berichteten auf der CMSC-Konferenz 2026, dass 40 Prozent der Patienten mit schubförmiger MS unter kognitiven Einschränkungen leiden. Bei progressiven Verlaufsformen steigt dieser Anteil auf 70 bis 90 Prozent. Das Lebenszeitrisiko für schwere Depressionen liegt bei MS-Patienten bei erschreckenden 50 Prozent.

Besonders betroffen sind junge Frauen in der Familienplanung. Eine Studie mit 200 Frauen zwischen 18 und 45 Jahren ergab: Mehr als die Hälfte gab an, dass die Diagnose ihre Entscheidung für oder gegen Kinder beeinflusst habe. Doch weniger als 25 Prozent erhielten eine spezialisierte Beratung zu diesem Thema.

Ein weiteres Frühwarnsignal: Langzeitbeobachtungen der Johns-Hopkins-Universität zeigen, dass ein jährlicher Rückgang der körperlichen Aktivität um 2,0 Prozent auf ein Fortschreiten der Erkrankung hindeuten kann.

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