Multiple Sklerose: Remibrutinib senkt Schubrate um bis zu 35 Prozent
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 13:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deModerne pharmakologische Behandlungsansätze setzen zunehmend direkt an den molekularen Mechanismen entzündlicher und neurologischer Erkrankungen an. Wie Fachberichte des Unternehmens Sanofi-Aventis Deutschland hervorheben, ermöglichen insbesondere Biologika gezielte Eingriffe in das Krankheitsgeschehen, indem sie spezifische Entzündungsbotenstoffe, Rezeptoren oder Immunzellen modulieren.
Die Entwicklung präziser Immuntherapien gewinnt vor dem Hintergrund hoher Patientenzahlen und komplexer Krankheitsverläufe kontinuierlich an Bedeutung.
Systemische Entzündungsmuster bei chronischen Leiden
Chronische Entzündungen betreffen Millionen Menschen. Nach Angaben von Sanofi-Aventis Deutschland leiden in der Bundesrepublik rund vier Millionen Menschen an Asthma und circa 3,8 Millionen an Neurodermitis. Beiden Krankheitsbildern liegt eine Typ-2-Entzündung zugrunde, die durch ein fehlgeleitetes Immunsystem hervorgerufen wird.
Auch bei der rheumatoiden Arthritis richtet sich die Immunabwehr gegen körpereigenes Gewebe und greift die Gelenke an, wobei Zytokine wie Interleukin-6 maßgeblich Entzündungsprozesse und Gelenkschäden antreiben. Bei seltenen Blutkrebsformen wie dem Multiplen Myelom befinden sich entartete Plasmazellen im Knochenmark.
Biologika setzen an diesen Prozessen an: Sie blockieren oder aktivieren gezielt Zytokine, Rezeptoren oder Immunzellen beziehungsweise markieren Tumorzellen für die körpereigene Abwehr. Fachleute weisen darauf hin, dass Betroffene für den Einsatz solcher spezialisierten Therapien entsprechende Fachärzte aufsuchen sollten.
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Ergänzend dazu beschrieb ein Dermatologe des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf jüngst, dass in Deutschland rund 3,5 Millionen Menschen an Neurodermitis erkrankt sind, darunter circa 1,5 Millionen Kinder und Jugendliche.
Während fast 90 Prozent der äußerlich Behandelten Kortison erhalten, eröffnen neue Wirkstoffe wie Nemolizumab, systemische Januskinase-Inhibitoren und ein neuartiger Januskinase-Hemmer zum Auftragen auf die Haut erweiterte Behandlungsmöglichkeiten.
Differenzierte Studienergebnisse bei Darmerkrankungen
Auch bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen stehen zielgerichtete Substanzen im Fokus klinischer Untersuchungen. Daten aus Bern zeigen, dass unter Inhibitoren des Tumornekrosefaktors alpha wie Infliximab pro Behandlungsjahr bis zu 10 bis 15 Prozent der Behandelten Antikörper entwickeln, wobei eine Kombination mit Azathioprin dieses Risiko verringert.
In der Phase-IIb-Studie RELIEVE UCCD mit dem Wirkstoff Duvakitug bei 137 Personen mit Colitis ulcerosa erreichten in Woche 14 36 Prozent (450 mg) beziehungsweise 48 Prozent (900 mg) eine klinische Remission, verglichen mit 20 Prozent unter Placebo. Unerwünschte Ereignisse traten bei 49 Prozent beziehungsweise 43 Prozent der Behandelten auf (Placebo: 52 Prozent).
Weitere klinische Daten belegen für die Erhaltungstherapie mit täglich 50 mg Obefazimod nach 48 Wochen eine Remissionsrate von circa 68 Prozent und nach 96 Wochen von rund 64 Prozent bei biologika-naiven Patienten, während der Wert bei vorbehandelten Personen bei etwa 39 Prozent lag.
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In der Phase-IIa-Studie VEGA mit 214 Teilnehmenden erzielte die Kombination aus Guselkumab und Golimumab nach 12 Wochen bei 83 Prozent ein klinisches Ansprechen, gegenüber 61 Prozent unter Golimumab allein und 75 Prozent unter Guselkumab allein. Eine Remission in Woche 38 verzeichneten 44 Prozent unter der Kombination, verglichen mit 22 Prozent und 31 Prozent in den Monotherapiegruppen.
Zudem verweisen Experten auf die Bedeutung eines frühen Therapiebeginns bei Morbus Crohn: Bei Krankheitsbeginn vor weniger als zwei Jahren zeigte sich unter Vedolizumab eine klinische Remissionsrate von 38 Prozent gegenüber 23 Prozent bei längerer Krankheitsdauer.
Entwicklungen in der Neurologie
Im Bereich der Multiplen Sklerose liegen aktuelle Phase-III-Ergebnisse vor. Wie das Universitätsklinikum Freiburg mitteilte, senkte der Wirkstoff Remibrutinib in den Studien REMODEL-1 und REMODEL-2 mit insgesamt 2.007 Patienten die jährliche Schubrate um 31 bis 35 Prozent gegenüber Teriflunomid.
Neue oder vergrößerte Entzündungsherde im Gehirn traten um 65 bis 70 Prozent seltener auf. Keine messbare Krankheitsaktivität wiesen 50 Prozent der Patienten unter Remibrutinib auf, verglichen mit 32 Prozent unter Teriflunomid.
Eine Zunahme der Behinderung über mindestens sechs Monate hinweg trat bei 7,7 Prozent gegenüber 10,5 Prozent auf, während erhöhte Leberenzymwerte bei 2,0 Prozent gegenüber 7,4 Prozent erfasst wurden. Novartis plant auf Basis der am 23. Oktober 2026 im Fachjournal The Lancet veröffentlichten Ergebnisse einen Zulassungsantrag.
