Mundflora, Zahnpasta-Stoff

Mundflora: Zahnpasta-Stoff SLS fördert Entzündungen und Aphthen

22.06.2026 - 22:19:51 | boerse-global.de

Neue Forschung zeigt Zusammenhänge zwischen Mundhygiene, Bakterienübertragung und systemischen Erkrankungen wie Diabetes auf.

Mundflora-Studien: Zahnpasta, Küssen und Krankheitsrisiken
Mundflora - Nahaufnahme eines menschlichen Mundes mit einer angedeuteten Entzündung, umgeben von abstrakten Zahnpasta-Partikeln und Mikroben. 22.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Aktuelle Studien zeigen, wie eng Zahnpasta-Inhaltsstoffe, Küssen und systemische Erkrankungen zusammenhängen.

Wenn die Zahnpasta schmerzt

Natriumlaurylsulfat (SLS) steckt in vielen herkömmlichen Zahnpasten als Schaumbildner. Doch das Tensid gerät zunehmend in die Kritik. Forschungsergebnisse aus dem Juni 2026 deuten darauf hin, dass SLS Entzündungen im Mundraum fördern und die Heilung von Aphthen verzögern kann.

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Bei mehr als sechs Aphthen-Episoden pro Jahr oder einer Heilungsdauer von über zwei Wochen raten Experten zur medizinischen Abklärung. Denn neben äußeren Reizen spielen auch Mangelerscheinungen eine Rolle: Eisen, Zink, Folsäure oder Vitamin B12 gelten als mögliche Mitverursacher.

Besonders spannend: Bei Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) blockieren bei rund 3,5 Prozent der Betroffenen Autoantikörper das Interleukin-10 (IL-10) – und begünstigen so Entzündungsprozesse.

Küssen verbindet – auch bakteriell

Eine Studie der Universität Trient, veröffentlicht im Juni 2026 in Cell Press Blue, zeigt die Dynamik der Keimübertragung innerhalb von Haushalten. Die Untersuchung von 430 Personen belegt: Haushaltsmitglieder teilen im Durchschnitt 26 Prozent ihrer Mundmikroben. Bei Paaren steigt dieser Wert durch das Küssen auf etwa 44 Prozent.

Diese mikrobielle Übereinstimmung hat weitreichende Folgen. Leicht übertragbare Mikrobenstämme werden mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes und kardiometabolische Erkrankungen in Verbindung gebracht. Bestimmte Arten der Mundflora stehen zudem im Verdacht, an der Entstehung von Darmkrebs beteiligt zu sein.

Das Mikrobiom als Frühwarnsystem

Ein österreichisches Forschungsteam der Universität Wien, der MedUni Wien und der FH Oberösterreich veröffentlichte im Juni 2026 in Nature eine großangelegte Untersuchung von über 6.000 Bakteriengenomen. Die Ergebnisse zeigen: Krankheiten wie Reizdarm, Diabetes, Darmkrebs und Morbus Crohn hinterlassen charakteristische bakterielle Profile im Mund.

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Diese krankheitsspezifischen Populationen könnten künftig als biologisches Frühwarnsystem dienen. Auch die Verbindung zwischen Mundflora und Blutdruck regulation wird durch aktuelle Forschung untermauert.

Eine Untersuchung des King's College London vom Juni 2026 zeigt, dass die bakterielle Umwandlung von Nitrat in Nitrit im Mundraum messbare Auswirkungen auf den Blutdruck hat. Die Kombination von nitratreichem Saft mit Maßnahmen zur Beeinflussung des Speichel-pH-Werts führte in Tests zu einer Senkung des systolischen Blutdrucks.

Was die tägliche Zahnpflege bringen sollte

Für die tägliche Mundhygiene empfehlen Fachärzte fluoridhaltige Zahnpasten mit einem Abriebwert (RDA) zwischen 20 und 60. Hochabrasive Pasten mit einem RDA-Wert über 100 sollten nur ein- bis zweimal pro Woche verwendet werden, um den Zahnschmelz zu schonen.

Bei Schmerzempfindlichkeit haben sich Wirkstoffe wie Zinnfluorid, Pro-Argin oder Kaliumnitrat als effektiv erwiesen. Und auch ergänzende Pflege zeigt vielversprechende Ergebnisse: Eine klinische Studie aus dem Journal of Periodontology vom April 2026 belegt das Potenzial von Postbiotika.

Der tägliche Verzehr von hitzeinaktivierten Lactiplantibacillus-Bakterien führte bei Probanden mit leichter Zahnfleischentzündung (Gingivitis) zu einer signifikanten Reduktion von Zahnfleischbluten. Postbiotische Ansätze gelten als stabilere Alternative zu herkömmlichen Probiotika und könnten künftig die präventive Zahnpflege ergänzen.

de | wissenschaft | 69606184 |