Musik, Alzheimer

Musik und Alzheimer: Wiener Studie testet selbst komponierte Lieder bei 100 Personen

Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 09:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein südkoreanisches Angebot schloss ab, während eine Wiener Studie musikalische Ansätze zur Gedächtnisförderung bei leichter Alzheimer-Erkrankung untersucht.
Ein heller, freundlich gestalteter Gemeinschaftsraum in einer Senioreneinrichtung mit natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Die Förderung der kognitiven Fähigkeiten im Alter gewinnt angesichts des demografischen Wandels international an Bedeutung. Am 22. Oktober 2026 fand im Daegu Senior Welfare Center unter Leitung von Direktor Jeon Yong-man die Abschlussfeier des Demenzpräventions- und Kognitionsförderprogramms „Five Senses Recharge Happiness Plus+“ statt.

Die Initiative war Teil des nationalen Ausbauprojekts für kognitive Aktivitätsdienste („2026 Cognitive Activity Service Program National Expansion Project“). Vorausgegangen war am 20. Oktober 2026 eine Kampagne zur Demenzprävention unter dem Leitgedanken „Steps Connecting Health, Hearts Connecting Memories“.

Interdisziplinäre Betreuung und Reminiszenztherapie

Das südkoreanische Programm stützte sich auf Methoden der Reminiszenztherapie, bei der Lebenserfahrungen und persönliche Erinnerungen der Teilnehmenden im Mittelpunkt stehen. Um eine umfassende Betreuung zu gewährleisten, wurden kognitive, körperliche, emotionale, soziale sowie ernährungsbezogene Aspekte miteinander verknüpft. Vor Ort arbeiteten Fachkräfte aus Sozialarbeit, Pflege, Ernährungsberatung und Physiotherapie zusammen.

Ein ähnlicher ganzheitlicher Ansatz kommt auch bei weiteren Trägern zum Tragen. Das Osan City Health Center startet am 28. Oktober 2026 das achtwöchige Projekt „Oson Doson Memory Maru“ für acht registrierte Patienten mit leichter Demenz.

Bis zum 16. Dezember 2026 finden wöchentlich zweistündige Sitzungen statt. Diese umfassen kognitive Rehabilitationsübungen, Hausaufgaben sowie eine Gymnastikeinheit mit dem Übungsprogramm „Sparkling Brain Exercise“ des Demenzzentrums der Provinz Gyeonggi.

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Wie Zentrumsleiter Kim Tae-suk hervorhob, ziele das Angebot auf praktische Unterstützung zum Erhalt kognitiver und körperlicher Funktionen ab. Die Wirksamkeit wird anhand standardisierter Instrumente wie der Geriatric Depression Scale und der Erfassung subjektiver Gedächtnisbeschwerden sowie über Zufriedenheitsbefragungen ermittelt.

Wissenschaftliche Erforschung musiktherapeutischer Ansätze

Dass gezielte Reize über Sinneswahrnehmungen positive Effekte haben, untersucht auch die Wissenschaft. Ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Musikpsychologin Anja-Xiaoxing Ciu an der Universität Wien und der MedUni Wien analysiert in der vierjährigen Studie „M4M – Music for Memory“ die Wirkung von Musik auf das Gedächtnis.

Das Vorhaben wird vom österreichischen Wissenschaftsfonds FWF mit knapp 850.000 Euro gefördert und bindet Partner in Norwegen und Argentinien ein. Rund 100 Personen ab 65 Jahren mit leichter Alzheimer-Erkrankung lernen zu Hause gemeinsam mit Therapeuten eigens komponierte Lieder. Begleitend erfassen Forscher an der MedUni Wien während der Gesangseinheiten Messungen mittels EEG und MRT.

Die Untersuchung nutzt ein Crossover-Design aus fünf Monaten mit zwei Sitzungen pro Woche und fünf Monaten mit monatlichen Einheiten, unterbrochen von zwei Monaten Pause. Der Wiener Psychiater Dietmar Winkler wies darauf hin, dass Betroffene mit leichter Alzheimer-Erkrankung weiterhin lernfähig seien, wenn auch langsamer und auf weniger komplexem Niveau.

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Regionale Angebote und digitale Unterstützung

In der Praxis setzen viele Träger auf die Kombination aus Bewegung, sozialer Teilhabe und kognitiver Aktivierung:
- Im Saarland richtet das Demenznetzwerk Landkreis Sankt Wendel am 16. November 2026 in einer Tanzschule ein Tanzcafé für Betroffene und Angehörige aus, da vertraute Musik Erinnerungen wachrufen kann.
- Der Turnverein Schwetzingen 1864 bietet ab dem 24. und 25. November 2026 Gruppenkurse nach der Link-Move-Methode auf einer Drei-Kilometer-Strecke an.
- Die Dorfgemeinschaft Kiebingen führt ab dem 3. November 2026 eine Reihe geförderter Gedächtnistrainings durch, während der DRK-Kreisverband Hamburg-Harburg seit dem 31. August 2026 den Kurs „MKT Silber“ zur Metakognition bereithält.
- In Spanien brachte das Zentrum für soziale Innovation La Noria digitale Werkzeuge zur Neurorehabilitation in sechs Gemeinden der Region Serranía de Ronda, während die Stiftung Red Araña auf den Kanarischen Inseln Aktivitätskurse von Crossfit bis Yoga organisiert.

Ergänzend halten digitale Technologien Einzug in die Seniorenbetreuung: Anbieter wie Vjourney stellen mit der Plattform Vhealth gerätegestützte Virtual-Reality-Anwendungen für pflegeheime bereit, um Erinnerungen und Wohlbefinden zu fördern. Auch Vitablick aus Österreich und Remmy VR aus Magdeburg nutzen virtuelle Welten für Gedächtnisarbeit und Kulturangebote.

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