Musik, Schmerz

Musik und Schmerz: 122 Probanden zeigen erhöhte Toleranz nach Wacken

Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 21:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Studie des Max-Planck-Instituts zeigt: Festivalbesucher hielten KÀlteschmerz lÀnger aus, obwohl sie ihn unverÀndert intensiv wahrnahmen.

Wacken-Studie: Heavy Metal steigert offenbar die Schmerztoleranz
Eine leere KonzertbĂŒhne auf einem verregneten FestivalgelĂ€nde in der AbenddĂ€mmerung. Illustration mit AI erstellt.

Wissenschaftliche Untersuchungen im Rahmen des Wacken Open Air deuten darauf hin, dass der Besuch eines Heavy-Metal-Festivals die Schmerztoleranz von Teilnehmern signifikant erhöhen kann.

Wie aus einer in der Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlichten Studie des Max-Planck-Instituts fĂŒr Kognitions- und Neurowissenschaften hervorgeht, wirkt sich die spezifische Umgebung und die Musik zwar nicht auf das grundsĂ€tzliche Schmerzempfinden aus, verbessert jedoch die FĂ€higkeit, unangenehme Reize ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum auszuhalten.

Methodik und Versuchsaufbau beim Wacken Open Air 2023

Die Datenerhebung fĂŒr die Untersuchung fand im Rahmen des Wacken Open Air 2023 statt. Insgesamt nahmen 122 Probanden an der Studie teil, die mittels des sogenannten Cold-Pressor-Tests untersucht wurden. Dabei mussten die Teilnehmer ihre HĂ€nde in zwei Grad Celsius kaltes Wasser tauchen.

Die Forscher teilten die Probanden in zwei Gruppen auf: Eine Kontrollgruppe von 60 Personen wurde vor Beginn des Festivals getestet, wÀhrend eine zweite Gruppe von 62 Teilnehmern den Test erst nach drei bis vier Tagen auf dem FestivalgelÀnde absolvierte.

Um die ValiditÀt der Ergebnisse sicherzustellen, wurde der Einfluss von Alkohol explizit ausgeschlossen. Die Forscher untersuchten zwei zentrale Dimensionen des Schmerzes: die Schmerzwahrnehmung, also die IntensitÀt, mit der ein Reiz empfunden wird, und die Schmerztoleranz, die angibt, wie lange ein Individuum den Reiz ertragen kann.

Steigerung der Toleranz ohne VerÀnderung der Wahrnehmung

Die Ergebnisse der Versuchsreihe zeigen eine deutliche Differenzierung zwischen der WahrnehmungsintensitÀt und der Belastbarkeit. Die Gruppe, die bereits drei bis vier Tage auf dem Festival verbracht hatte, hielt ihre HÀnde signifikant lÀnger im Eiswasser als die Vergleichsgruppe zu Beginn der Veranstaltung.

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Interessanterweise Ă€nderte sich die subjektiv empfundene IntensitĂ€t des Schmerzes durch den Festivalbesuch nicht – die Probanden nahmen die KĂ€lte weiterhin als ebenso schmerzhaft wahr, konnten ihr jedoch lĂ€nger standhalten.

Die Studienleitung unter Lydia Schneider fĂŒhrt diesen Effekt unter anderem auf die Akzeptanz unangenehmer Emotionen zurĂŒck. Dieser psychologische Mechanismus könne die Resilienz gegenĂŒber physischen Belastungen fördern.

Zudem wird vermutet, dass die Freisetzung verschiedener Hormone und Neurotransmitter eine zentrale Rolle spielt. Den Erkenntnissen zufolge könnten Endorphine, Oxytocin, Serotonin und Dopamin, die durch das Gemeinschaftserlebnis und die Musik ausgeschĂŒttet werden, die physiologische Basis fĂŒr die erhöhte Toleranz bilden.

Perspektiven fĂŒr die Behandlung chronischer Schmerzen

Die Erkenntnisse des Max-Planck-Instituts liefern neue Impulse fĂŒr die klinische Forschung und die Schmerztherapie. Laut Lydia Schneider könne die Akzeptanz negativer Emotionen als wirksamer Mechanismus zur Förderung der psychischen Widerstandskraft dienen. Dies eröffne potenzielle Möglichkeiten in der PrĂ€vention und Behandlung von chronischen Schmerzen.

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Die Ergebnisse legen nahe, dass Musik und das soziale GefĂŒge eines Festivals als therapeutische Instrumente fungieren können, indem sie Patienten helfen, einen anderen Umgang mit SchmerzzustĂ€nden zu finden.

Die Relevanz dieser Resultate fĂŒr die klinische Praxis besteht vor allem darin, alternative Wege zur Steigerung der LebensqualitĂ€t von Patienten aufzuzeigen, die unter dauerhaften Schmerzbelastungen leiden.

Auch wenn die Umgebung eines Heavy-Metal-Festivals ein extremes Setting darstellt, lassen sich die zugrunde liegenden Mechanismen der emotionalen Akzeptanz und hormonellen Stimulation potenziell auf kontrollierte therapeutische Umgebungen ĂŒbertragen.

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