Musiktherapie, Demenz

Musiktherapie bei Demenz: Singen senkt Schmerzen nachweislich

18.06.2026 - 21:34:31 | boerse-global.de

Nicht-medikamentöse Methoden wie Singen und Fotografie gewinnen in der Demenzbehandlung an Bedeutung und verbessern nachweislich die LebensqualitÀt.

Demenz-Therapie: Musik und Fotos als neue HoffnungstrÀger
Musiktherapie - Ältere Menschen singen gemeinsam in einer Gruppe, NotenblĂ€tter vor sich, warme, einladende AtmosphĂ€re. 18.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Musik, Gesang und kreative Methoden zeigen großes Potenzial, die LebensqualitĂ€t der Betroffenen zu steigern und soziale Isolation zu verringern.

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Singen verbindet – auch bei Alzheimer

Ein Paradebeispiel ist die Singegruppe Rostock. Die Initiative entstand in Zusammenarbeit mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft und geht auf Antje Schröder zurĂŒck. Ihre Mutter erhielt vor sechs Jahren die Diagnose Alzheimer.

Die Gruppe trifft sich wöchentlich fĂŒr 90 Minuten. Gemeinsam singen die Teilnehmer bekannte Volkslieder. Ziel: einen Raum schaffen, in dem die Krankheit in den Hintergrund tritt. Der Chor tritt auch bei Konzerten in der Region auf.

Ähnliche Projekte gibt es anderswo. „Singen macht stark“ etwa entsendet seit Mai 2025 MusikpĂ€dagogen in KindertagesstĂ€tten und fördert generationsĂŒbergreifende AnsĂ€tze.

Was die Forschung zur Musiktherapie sagt

Die Wirksamkeit ist wissenschaftlich belegt. Die Deutsche Musiktherapeutische Gesellschaft verwies im Juni auf eine US-Studie mit 1203 Patienten und 2039 Sitzungen. Ergebnis: Aktives Musizieren oder Singen senkte die SchmerzintensitÀt um mindestens zwei Punkte auf einer entsprechenden Skala.

Prof. Dr. Alexander F. Wormit von der SRH Heidelberg empfiehlt das Hören von Lieblingsmusik in Kombination mit positiven Visualisierungen. In der stationĂ€ren Pflege setzen Einrichtungen vermehrt auf Live-Musik. Die Stadtmusik Rorschach gab im Juni ein einstĂŒndiges Konzert in einem Altersheim.

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Fotografie als GedĂ€chtnisstĂŒtze

Auch visuelle Methoden gewinnen an Bedeutung. An der Bergischen UniversitÀt Wuppertal startete die Fotohistorikerin Carmen Pérez Gonzålez ein Forschungsprojekt zum GedÀchtnistraining mit historischen Fotografien. Ein Handbuch zur Reminiszenztherapie erschien im Juli 2025, praktische Workshops laufen seit MÀrz 2026.

Dr. Doris Maria Wartmann entwickelte im Rahmen ihrer Promotion einen standardisierten Bildertest. Bildkarten mit Alltagsmotiven wie einem Haus oder Auto regen das autobiografische ErzÀhlen an. Eine Feldstudie mit 20 Probanden zeigte positive Effekte auf die Kommunikation.

Radio aus dem Altersheim

In der Schweiz startete das Projekt „Radio ĂŒ65“. Seit Mai sendet es live aus Altersheimen. Die Bewohner gestalten das Programm aktiv mit.

Solche AnsĂ€tze ergĂ€nzen etablierte Methoden wie die Selbsterhaltungstherapie (SET) nach Dr. Barbara Romero. Dieses Konzept wird seit ĂŒber einem Jahrzehnt erfolgreich angewendet. Es fokussiert konsequent auf die noch vorhandenen FĂ€higkeiten der Patienten – statt auf Defizite.

Die Kombination aus kognitiven Anreizen, sozialen Medienprojekten und musikalischer Aktivierung zeigt in der klinischen Praxis: Sie kann wesentlich zur Stabilisierung der Patienten beitragen.

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