Muskelschmerz: Wasserstoffionen, nicht Laktat, verursachen Brennen
Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 19:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der Trainingslehre und im Breitensport hĂ€lt sich seit Jahrzehnten eine feste Annahme: Wenn die Muskulatur bei intensiver Belastung brennt und am Folgetag schmerzt, sei eine ĂbersĂ€uerung durch MilchsĂ€ure verantwortlich.
Erkenntnisse der modernen Sportwissenschaft zeichnen jedoch ein grundlegend anderes Bild dieser physiologischen Prozesse. Die verbreitete These, dass Laktat der primÀre Verursacher des muskulÀren Brennens sei, gilt in der Fachwelt als widerlegt.
Wasserstoffionen statt MilchsÀure als Auslöser
Das akute Brennen in den Beinen wĂ€hrend hochintensiver Belastungsphasen entsteht nicht durch Laktat. Wie sportwissenschaftliche Analysen zeigen, sind stattdessen Wasserstoffionen fĂŒr dieses PhĂ€nomen verantwortlich. Bei intensiver körperlicher AktivitĂ€t steigt der SĂ€uregrad innerhalb der Muskelzellen messbar an. Diese Zunahme freier Wasserstoffionen fĂŒhrt zur ĂbersĂ€uerung des Zellmilieus, was letztlich den typischen Belastungsschmerz auslöst.
Laktat hingegen erfĂŒllt eine vollkommen andere Funktion im Stoffwechsel. Der Körper nutzt die Substanz keineswegs als schĂ€dliches Abfallprodukt, sondern recycelt sie aktiv als wertvollen Brennstoff zur weiteren Energiegewinnung. Zudem verweilt der Stoff nicht langfristig im Organismus. Berichten zufolge ist das Blut bereits binnen einer Stunde nach dem Ende einer Ausfahrt oder Trainingseinheit wieder vollstĂ€ndig frei von Laktat.
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Auch das PhĂ€nomen schwerer oder schmerzender Beine am Tag nach dem Training lĂ€sst sich physiologisch nicht auf MilchsĂ€ure zurĂŒckfĂŒhren. Klinische Studien verdeutlichen, dass dieser Zustand auf eine Erschöpfung des zentralen Nervensystems sowie auf mikroskopisch kleine GewebeschĂ€den in den beanspruchten Muskelfasern zurĂŒckgeht.
Die richtige Dosierung im Trainingsalltag
Um die physiologischen Anpassungsprozesse optimal zu steuern, kommt der Wahl der richtigen IntensitÀtsbereiche eine zentrale Rolle zu. Dies betrifft unter anderem den sogenannten mittleren Dauerlauf, der im Trainingsspektrum exakt zwischen einer lockeren Grundlageneinheit und einem fordernden Tempotraining angesiedelt ist.
In diesem mittleren Bereich ist die Atmung bereits deutlich hörbar und GesprĂ€che sind fĂŒr Trainierende nur noch abgehackt möglich. Dennoch findet in dieser Belastungszone noch keine ĂbersĂ€uerung der Muskulatur statt. Experten raten fĂŒr die Mehrheit der LĂ€uferinnen und LĂ€ufer dazu, einen solchen mittleren Dauerlauf lediglich einmal pro Woche in den Trainingsplan zu integrieren.
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Der ĂŒberwiegende GroĂteil der Gesamtkilometer sollte stattdessen im betont lockeren Grundlagenbereich absolviert werden. Wird der mittlere Dauerlauf hingegen zu hĂ€ufig oder falsch dosiert eingesetzt, entwickelt er sich schnell zu einer Trainingsfalle, die den Organismus ĂŒberlastet, ohne die spezifischen VorzĂŒge gezielter Spitzenbelastungen zu liefern.
