Muskelschwund ab 40: Muskelmasse sinkt laut Expertin um 8 Prozent pro Dekade
Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 05:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deMedizinische Fachleute weisen verstĂ€rkt darauf hin, dass Muskelschwund keineswegs nur ein PhĂ€nomen des hohen Alters darstellt. Ein schleichender Verlust von Muskulatur und funktioneller LeistungsfĂ€higkeit kann bereits in frĂŒheren Lebensphasen beginnen. Daher sind die frĂŒhzeitige Erkennung von Warnsignalen sowie gezielte GegenmaĂnahmen entscheidend, um MobilitĂ€t, SelbststĂ€ndigkeit und die allgemeine Gesundheit langfristig zu sichern.
Altersverlauf und typische Warnzeichen fĂŒr Muskelabbau
Die Skelettmuskulatur unterliegt ĂŒber die Lebensspanne deutlichen VerĂ€nderungen. Wie Dr. Li Chaoyang, Leitender Arzt fĂŒr Ultraschall an der Uniklinik Hunan, darlegt, erreicht die Muskelmasse mit etwa 40 Jahren ihren Höchststand und nimmt anschlieĂend kontinuierlich ab.
Als deutliche Warnzeichen gelten ein unbeabsichtigter Gewichtsverlust von mindestens 5 Prozent innerhalb von sechs Monaten â bei einem Körpergewicht von 70 Kilogramm entspricht dies 3,5 Kilogramm oder mehr â, ein langsameres Gehtempo, eine abnehmende Griffkraft, schwere Beine beim Treppensteigen sowie zwei oder mehr StĂŒrze pro Jahr auf ebener FlĂ€che.
Zu den Risikogruppen fĂŒr eine krankhafte Form des Muskelabbaus, die sogenannte Sarkopenie, zĂ€hlt Li Chaoyang unter anderem Arbeiter mit Staubexposition, Personen mit ausgeprĂ€gtem Bewegungsmangel, Menschen mit chronischem Schlafmangel oder proteinarmer ErnĂ€hrung sowie Personen, die einen schnellen Gewichtsverlust oder chronische EntzĂŒndungen durchlaufen.
Zur FrĂŒherkennung kann Ultraschall als Screening-Methode dienen, da sich darĂŒber VerĂ€nderungen der Muskeldicke, der Faserstruktur und der ElastizitĂ€t darstellen lassen. Die klinische Diagnose wird durch Messungen der Griffkraft und des Gehtempos ergĂ€nzt.
ErgĂ€nzend dazu berichtet die Rheumatologin Laura Berbel vom Hospital Universitari de Bellvitge, dass die Muskelmasse ab dem 40. Lebensjahr im Schnitt um rund 8 Prozent pro Dekade zurĂŒckgeht.
Ein RĂŒckgang an Masse bedeute jedoch nicht automatisch eine Sarkopenie. Die Kraft gelte als besserer PrĂ€diktor fĂŒr das Sarkopenie-Risiko als die reine Muskelmasse, weshalb in der Diagnostik unter anderem die Handdynamometrie eingesetzt wird.
Als Warnzeichen nennt Berbel Schwierigkeiten beim Aufstehen von einem Stuhl, Probleme beim Treppensteigen oder beim Tragen von Lasten, gehĂ€ufte StĂŒrze, BrĂŒche nach leichten StĂŒrzen sowie RĂŒckenschmerzen, die auf Wirbelfrakturen hindeuten können.
FragilitĂ€tsfrakturen treten typischerweise ab einem Alter von 50 Jahren auf; zwischen 50 und 65 Jahren betreffen sie ĂŒberwiegend das Handgelenk, spĂ€ter zunehmend die HĂŒfte. Zudem verlĂ€uft eine Osteoporose hĂ€ufig symptomlos bis zum ersten Knochenbruch. Als Risikofaktoren hierfĂŒr gelten eine frĂŒhe Menopause, eine langfristige Therapie mit Glukokortikoiden und HĂŒftfrakturen in der Familie.
Bedeutung von Bewegungspausen und differenziertes Training
Der Verlust von Muskulatur schreitet im Alter meist allmÀhlich voran, kann aber durch akute Phasen der InaktivitÀt drastisch beschleunigt werden. Der Mediziner Peter Attia betont auf Basis von Longevity-Forschung, dass ab einem Alter von 50 Jahren die Vermeidung von Verletzungen oberste PrioritÀt haben sollte, um erzwungene Trainingspausen zu verhindern.
Eine im Jahr 2013 in der Fachzeitschrift âAgeing Research Reviewsâ von Luc van Loon mitveröffentlichte Ăbersichtsarbeit deutet darauf hin, dass sich wiederholte kurze Phasen der Muskel-Nichtnutzung durch Krankheiten oder Verletzungen ĂŒber die Lebensspanne hinweg summieren.
Ab dem 50. Lebensjahr verliert der Körper kontinuierlich an Muskelmasse, was weitreichende Folgen fĂŒr die Gesundheit haben kann. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt, wie Sie mit nur 6 einfachen Ăbungen effektiv gegensteuern und Volkskrankheiten vorbeugen können. Alle Ăbungen kostenlos als PDF herunterladen
Attia selbst passte seine Trainingsroutine an und verzichtet infolge von RĂŒckenschmerzen auf Kreuzheben; stattdessen steigert er die TrainingsintensitĂ€t ĂŒber höhere Wiederholungszahlen, zusĂ€tzliche SĂ€tze oder eine verlĂ€ngerte Zeit unter Spannung.
Nach lÀngeren Unterbrechungen sei es ratsam, wie ein Einsteiger mit gradueller Progression zu beginnen und grundlegende Bewegungsmuster neu zu verinnerlichen.
FĂŒr die praktische Umsetzung im Lebensverlauf strukturiert Martin Halle, Professor an der Technischen UniversitĂ€t MĂŒnchen, die sportliche Entwicklung in fĂŒnf Altersstufen. Bis zum Alter von 20 Jahren sollte der Muskelaufbau mit Blick auf die Wachstumsfugen nicht zu frĂŒh forciert werden, wĂ€hrend die Phase von 20 bis 35 Jahren den Leistungshöchststand markiert.
Im Alter zwischen 35 und 55 Jahren setzt der natĂŒrliche Muskelabbau ein, der primĂ€r die Typ-II-Fasern betrifft. Halle rĂ€t hier zu kurzen, intensiven Trainingseinheiten mit Ăbungen wie Kniebeugen, LiegestĂŒtzen oder Planks, wobei die IntensitĂ€t durch mehr Gewicht bei weniger Wiederholungen im Vordergrund stehe.
Zwischen 55 und 75 Jahren gilt es vorrangig, die vorhandene Muskelmasse zu erhalten, wĂ€hrend ab 75 Jahren spezifische Angebote sinnvoll sind. ErgĂ€nzend dazu empfiehlt Christine Joisten von der Sporthochschule Köln fĂŒr Menschen ĂŒber 75 Jahren Tanzen. Halle rĂ€t zudem selbst nach einem ĂŒberstandenen Herzinfarkt zu einem maĂvollen, fordernden Kraft- und Intervalltraining.
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Dass körperliche AktivitĂ€t ĂŒber den reinen Kraftaufbau hinaus gedacht werden muss, unterstreicht Nora Wieloch, Leitende Ărztin fĂŒr Sportmedizin am UniversitĂ€tsspital Balgrist: Krafttraining allein reiche fĂŒr den Aufbau nicht aus, da ein weiterer entscheidender factor im Alltag hĂ€ufig vergessen werde.
Auch bei Gelenkerkrankungen spielt die Muskulatur eine tragende Rolle: Der OrthopĂ€de Babak Moradi hob in einem Interview hervor, dass Betroffene von Arthrose allein durch ein gesundes Körpergewicht, eine angepasste ErnĂ€hrung, Sport und einen hohen Muskelanteil sehr viel erreichen könnten, wenngleich in Zukunft voraussichtlich auch spezifisch zugelassene Medikamente zur VerfĂŒgung stehen dĂŒrften.
