Muskeltraining, SchlĂŒssel

Muskeltraining als SchlĂŒssel gegen chronische Schmerzen

15.05.2026 - 12:05:01 | boerse-global.de

Experten betonen die Wirksamkeit von Bewegung gegen chronische Schmerzen. Viele Knie-OPs wÀren durch konservative Therapie vermeidbar.

Muskeltraining als SchlĂŒssel gegen chronische Schmerzen - Foto: ĂŒber boerse-global.de
Muskeltraining als SchlĂŒssel gegen chronische Schmerzen - Foto: ĂŒber boerse-global.de

Das betonen Experten anlĂ€sslich des bevorstehenden 15. Aktionstag gegen den Schmerz am 2. Juni 2026. Millionen Menschen in Deutschland leiden unter chronischen Beschwerden – und viele Operationen wĂ€ren vermeidbar.

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Kniearthrose: Jede vierte OP ist unnötig

JĂ€hrlich werden in Deutschland rund 230.000 kĂŒnstliche Kniegelenke eingesetzt. Die Tendenz ist steigend. Doch fast ein Viertel dieser Eingriffe wĂ€re durch rechtzeitige konservative Therapie vermeidbar, warnen FachĂ€rzte.

Besonders die Kniescheiben-Arthrose trifft Patienten ab etwa 50 Jahren. Symptome wie Knirschen, Schmerzen beim Treppensteigen oder Aufstehen sind typisch. Professor Sven Ostermeier von der Gelenk-Klinik Gundelfingen setzt auf gezielte KrĂ€ftigung der Oberschenkelmuskulatur. „Eine starke Muskulatur reduziert die Belastung auf das Gelenk“, erklĂ€rt er. Empfohlen werden Übungen wie Beinheben im Sitzen oder Liegen, Kniebeugen und DehnĂŒbungen.

Die S3-Leitlinie zur Gonarthrose empfiehlt regelmĂ€ĂŸige, sanfte Bewegung. Sie fördert die Versorgung des Gelenkknorpels und kann Schmerzen lindern.

Osteoporose: Jeder fĂŒnfte Deutsche ĂŒber 50 betroffen

Neben der Gelenkgesundheit spielt die Knochendichte eine entscheidende Rolle. In Deutschland leiden ĂŒber 20 Prozent der Frauen und etwa 7 Prozent der MĂ€nner ĂŒber 50 an Osteoporose. Die Erkrankung verlĂ€uft oft unbemerkt – bis der erste Bruch passiert.

Zur Vorbeugung empfehlen Ärzte einen Mix aus Kraft-, Ausdauer- und BalanceĂŒbungen. Zusammen mit ausreichend Kalzium und Vitamin D regt Bewegung den Knochenstoffwechsel an und beugt StĂŒrzen vor.

Die perfekte Pause: Drei Minuten fĂŒr maximalen Muskelzuwachs

Die Sportwissenschaft liefert laufend neue Erkenntnisse zum optimalen Krafttraining. Eine vielbeachtete Studie aus dem Jahr 2016 untersuchte die ideale Pausendauer zwischen den TrainingssĂ€tzen. Das Ergebnis: Drei Minuten Pause sind einer Minute deutlich ĂŒberlegen.

Die Probanden mit lĂ€ngeren Pausen erzielten ein Muskelwachstum am Oberschenkel von 13,3 Prozent. Die Gruppe mit kurzen Pausen kam nur auf 6,9 Prozent. Auch bei BankdrĂŒcken und Kniebeugen war der Kraftzuwachs bei lĂ€ngerer Erholung ausgeprĂ€gter.

Forscher der UniversitĂ€t Göteborg entdeckten zudem einen interessanten Effekt: Intensives Intervalltraining auf dem Fahrrad unmittelbar vor dem Krafttraining aktiviert systemische Signale, die das Muskelwachstum begĂŒnstigen. Dieser Effekt zeigte sich sogar in Muskelgruppen, die nicht direkt belastet wurden – etwa der Armmuskulatur.

Vorsicht vor Übertraining

Sportwissenschaftler Nima Mashagh warnt jedoch vor dem Irrglauben „Viel hilft viel“. FĂŒr Hobbysportler seien optimale UmfĂ€nge und ausreichende Regeneration entscheidend. Überlastungen gefĂ€hrden langfristige Fortschritte.

Anbieter wie Healthengineers setzen daher auf strukturierte TrainingsplĂ€ne fĂŒr zuhause. Ihr Fokus: Beschwerden an der WirbelsĂ€ule und den Gelenken entgegenwirken.

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Chronische Schmerzen brauchen interdisziplinÀre Hilfe

Definiert als Schmerzen, die lÀnger als drei Monate anhalten, betreffen sie Millionen Deutsche. Doch nur etwa jeder elfte Betroffene erhÀlt eine spezialisierte Versorgung, so die Deutsche Schmerzgesellschaft.

Eine moderne, multimodale Therapie kombiniert medizinische, psychologische und physiotherapeutische Maßnahmen. Professorin Christiane Hermann von der UniversitĂ€t Gießen betont: „Psychische Faktoren beeinflussen das Schmerzempfinden maßgeblich.“ Schmerzphysiotherapeut Patrick Przybysz sieht seine Rolle zunehmend als Coach, der Patienten die Angst vor Bewegung nimmt.

Bewegung gilt als neurobiologischer SchlĂŒssel, um SchmerzkreislĂ€ufe zu durchbrechen. Das gilt nicht nur fĂŒr orthopĂ€dische Probleme. Die psychosoziale Krebsberatungsstelle in Ingolstadt bietet beispielsweise Gruppenangebote in der Natur an. Ziel: chronischer Erschöpfung entgegenwirken und Muskelmasse stĂ€rken.

Bewegung hilft auch bei Asthma

Eine brasilianische Studie zeigte: Online-Coaching kann die tĂ€gliche Schrittzahl von Asthmapatienten kurzfristig steigern. Die Folge: eine bessere Asthmakontrolle. Auch wenn Langzeiteffekte noch nicht gesichert sind, bleibt regelmĂ€ĂŸige Bewegung ein zentraler Bestandteil der nicht-medikamentösen Behandlung.

PrÀvention beginnt in der Kindheit

Modellprojekte wie an der Gustav-Heinemann-Gesamtschule in Essen setzen frĂŒh an. SchĂŒler werden automatisch Mitglied im Schulsportverein. Wissenschaftlich begleitet von der UniversitĂ€t Duisburg-Essen, soll das Projekt Kindern unabhĂ€ngig von ihrem sozialen Hintergrund den Zugang zu sportlicher BetĂ€tigung ermöglichen.

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt fĂŒr Menschen ĂŒber 65 ein wöchentliches Pensum von 150 bis 300 Minuten moderater AusdaueraktivitĂ€t. ErgĂ€nzt durch Krafttraining an zwei Tagen und GleichgewichtsĂŒbungen an drei Tagen pro Woche. Nachweislich senkt dies das Risiko fĂŒr Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, bestimmte Krebsarten sowie Demenz und Depressionen.

Jo-Jo-Effekt: Weniger schÀdlich als gedacht

Eine aktuelle Analyse der UniversitĂ€t Kopenhagen und des Deutschen Zentrums fĂŒr Diabetesforschung stellt die Annahme in Frage, der Jo-Jo-Effekt sei langfristig schĂ€dlich fĂŒr den Stoffwechsel oder die Muskelmasse. Die Vorteile einer Gewichtsabnahme ĂŒberwiegen demnach die potenziellen Risiken einer erneuten Gewichtszunahme. Letztere fĂŒhre den Patienten lediglich auf sein Ausgangsrisiko zurĂŒck – nicht darĂŒber hinaus.

Der Ausblick: Eigeninitiative bleibt entscheidend

Technologische Hilfsmittel und spezialisierte Physiotherapie-Apps erleichtern den Zugang zu individuellem Training. Doch der entscheidende Faktor bleibt die Eigeninitiative. Fachleute sind sich einig: Eine frĂŒhzeitige Sensibilisierung fĂŒr muskulĂ€re Gesundheit – weg von einer rein kurativen, hin zu einer prĂ€ventiven Medizin – könnte die Zahl operativer Eingriffe signifikant senken.

Der Erhalt der Muskulatur dient nicht nur der SchmerzprĂ€vention. Er ist ein zentraler Baustein fĂŒr Autonomie und VitalitĂ€t in einer alternden Gesellschaft.

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