Mutterkraut, Parthenolid

Mutterkraut: Parthenolid hemmt Entzündungen effektiv

Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 11:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Wildkräuter erleben ein Comeback: Forschung bestätigt entzündungshemmende Wirkstoffe, während Bräuche wie der Würzwisch neu belebt werden.

Heilkräuter im Aufwind: Entzündungshemmung und Tradition
Frische Heilkräuter und Wildblumen auf einem rustikalen Holztisch in natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Heimische Wildkräuter erleben eine Renaissance – zwischen Brauchtumspflege und pharmakologischer Forschung rücken vor allem ihre entzündungshemmenden Potenziale in den Fokus.

Der Würzwisch kehrt zurück

In der Pfalz besinnt man sich verstärkt auf den sogenannten Würzwisch-Brauch. Am 15. August, zu Mariä Himmelfahrt, werden traditionell Kräuterbündel gebunden. Die Ursprünge reichen bis zu den Kelten und deren Fest Lughnasadh zurück, erklärt Eva Müller, Dozentin an der Pamina-VHS.

Die Sträuße folgen festen Regeln: Die Zahl der verwendeten Pflanzen variiert zwischen 7, 9, 12, 24 oder sogar 99. Diese Bündel waren einst mehr als nur Symbolik – sie bildeten den Grundstock für die häusliche Heilversorgung. Auch andernorts lebt die Tradition wieder auf, etwa bei Workshops in Marienmünster Mitte August.

Mutterkraut: Kleine Pflanze, große Wirkung?

Ein zentraler Akteur der traditionellen Kräuterkunde ist das Mutterkraut (Tanacetum parthenium). Ursprünglich aus Südosteuropa und Westasien stammend, enthalten seine Blätter 0,1 bis 0,2 Prozent Parthenolid. Genau dieser Inhaltsstoff interessiert die Forschung wegen seiner entzündungshemmenden Eigenschaften.

Botanisch beschrieb Carl von Linné die Pflanze bereits 1753, 1844 ordnete man sie der Gattung Tanacetum zu. Bei der Anwendung ist jedoch Vorsicht geboten: Mundgeschwüre zählen zu den Nebenwirkungen, während der Schwangerschaft ist das Kraut kontraindiziert. Die Pflanze wird bis zu 80 Zentimeter hoch und blüht zwischen Juni und September.

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Kaugummi-Effekt: Wie der Mund die Wirkung steigert

Die Wirksamkeit pflanzlicher Substanzen hängt stark von der Einnahme ab. Eine Studie des King's College London, veröffentlicht am 18. Juni 2026 im British Journal of Clinical Pharmacology, zeigt das am Beispiel von Rote-Bete-Saft.

Das Kauen von zuckerhaltigem Kaugummi nach dem Trinken steigerte die Nitritkonzentration im Mund um 45 Prozent, im Körper um 25 Prozent. Der Blutdruck sank dadurch um fast 0,5 mmHg stärker als mit zuckerfreiem Kaugummi. Wegen der dentalen Risiken raten die Forscher zwar nicht generell zum zuckerhaltigen Kaugummi – die Studie unterstreicht aber, wie wichtig biochemische Prozesse im Mundraum für pflanzliche Wirkstoffe sind.

Vom Ölauszug bis zur Klimafrage

Praktisches Wissen wird derzeit in verschiedenen Formaten vermittelt. Anfang August stand in Michelbach die Herstellung von Ölauszügen, Tinkturen und Oxymel im Mittelpunkt. Letzteres, eine Mischung aus Honig und Essig, dient traditionell als Auszugsmittel bei entzündlichen Prozessen.

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Auch die moderne Dermatologie greift auf Pflanzenstoffe zurück: Klinische Tests mit maskenbasierten Behandlungen zeigen, dass die Hautfeuchtigkeit signifikant steigt und Falten bereits nach einer Woche reduziert werden können.

Derweil verändert das Klima die Rohstoffbasis der Naturheilkunde. Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut (DWI) beobachtet: Steigende Temperaturen begünstigen zwar Reifegrad und Qualität von Rotweinen, gefährden jedoch die Frische von Rebsorten wie Riesling. Auch die Kräuterkunde muss sich auf veränderte Vegetationsbedingungen einstellen.

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