MyChart-Phishing: 15 Gesundheitssysteme in großer Angriffswelle
Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 01:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In den Vereinigten Staaten haben zahlreiche Gesundheitsdienstleister am 6. und 7. September 2026 Warnmeldungen vor einer großangelegten Phishing-Kampagne herausgegeben. Ziel der Angriffe sind Nutzer der weit verbreiteten Patientenplattform MyChart, wobei die Täter gezielt die Identität medizinischer Einrichtungen vortäuschen, um sensible Daten zu entwenden.
Täuschend echte Imitationen und gefälschte Medicare-Angebote
Nach Berichten betroffener Gesundheitssysteme nutzen die Angreifer eine Kombination aus technischer Täuschung und psychologischer Manipulation. Im Zentrum der Kampagne steht die Verwendung von sogenannten Lookalike-Domains. Dabei handelt es sich um Webadressen, die den offiziellen Portalen der Krankenhäuser und Kliniken zum Verwechseln ähnlich sehen.
Ein markantes Merkmal der aktuellen Angriffswelle ist die Bewerbung von gefälschten „Medicare Kits“. Die Betrüger versuchen, Patienten unter dem Vorwand offizieller Gesundheitsleistungen oder Versicherungsinformationen dazu zu verleiten, ihre Zugangsdaten auf den manipulierten Seiten einzugeben. Bislang wurden bereits über 15 verschiedene Gesundheitssysteme identifiziert, in deren Namen die gefälschten Nachrichten versendet wurden.
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Infrastruktur des Herstellers Epic bleibt sicher
Trotz der Tragweite der Kampagne weisen die Verantwortlichen darauf hin, dass es sich nicht um eine technische Sicherheitslücke in der Software selbst handelt. Die Server des Herstellers Epic, der die MyChart-Plattform betreibt, wurden nach vorliegenden Informationen nicht kompromittiert. Es liegt demnach keine direkte Datenpanne bei Epic vor.
Vielmehr handele es sich um einen klassischen Fall von Social Engineering, bei dem die Patienten als Endnutzer direkt adressiert werden. Mit weltweit rund 160 Millionen Patienten, die MyChart für den Zugriff auf ihre Krankenakten, Testergebnisse und zur Kommunikation mit medizinischem Personal nutzen, bietet die Plattform eine entsprechend große Angriffsfläche für Identitätsdiebstahl.
Sicherheitsbehörden warnen vor Eskalation im Gesundheitssektor
Die aktuelle Warnwelle erfolgt vor dem Hintergrund einer generellen Verschärfung der Bedrohungslage für medizinische Einrichtungen. Sowohl das Federal Bureau of Investigation (FBI) als auch die Cybersecurity and Infrastructure Security Agency (CISA) have bereits vor einer Zunahme von Cyberangriffen gewarnt, die speziell auf das Gesundheitswesen abzielen. Die Branche gilt aufgrund der hohen Sensibilität der verarbeiteten Daten als besonders lukratives Ziel für kriminelle Akteure.
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Sicherheitsexperten empfehlen Patienten, beim Zugriff auf digitale Gesundheitsdienste besonders wachsam zu sein. Es solle stets darauf geachtet werden, dass man sich auf der legitimen Webseite des jeweiligen Anbieters befinde.
Links aus E-Mails oder Kurznachrichten, die unaufgefordert zugestellt werden und Angebote wie kostenlose Test-Kits oder administrative Hilfe versprechen, sollten grundsätzlich nicht angeklickt werden. Die betroffenen Organisationen arbeiten derzeit mit Hochdruck daran, die betrügerischen Webseiten abzuschalten und ihre Patienten über die Risiken aufzuklären.
