Nachwuchsforscher in der Krise: 30% kämpfen mit psychischen Problemen
30.06.2026 - 03:09:32 | boerse-global.de
Eine aktuelle Meta-Analyse zeigt: Fast ein Drittel aller Nachwuchsforscher kämpft mit psychischen Problemen. Die Belastung ist systemisch – und bleibt auf hohem Niveau.
138.000 Forscher – 30 Prozent betroffen
Aljoscha Dreisörner von der Universität Wien wertete 148 Studien aus dem Zeitraum 2018 bis 2024 aus. Die Stichprobe umfasst 138.446 Early-Career Researchers (ECRs) – überwiegend Doktoranden mit einem Durchschnittsalter von 30,5 Jahren. Das Ergebnis, veröffentlicht am 29. Juni 2026 im Fachblatt Nature Human Behaviour, ist alarmierend.
29,9 Prozent der Nachwuchsforscher zeigen eine erhöhte psychische Belastung. Besonders häufig treten depressive Symptome auf: 29,8 Prozent der Befragten sind betroffen. Angstzustände plagen 29,7 Prozent, Essstörungen 28,3 Prozent. Alkoholmissbrauch dokumentierten die Forscher bei 22,9 Prozent, Suizidgedanken bei 18,8 Prozent.
Im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung treten Depressionen zwei- bis dreimal häufiger auf. Das Risiko für Angststörungen ist sogar drei- bis fünffach erhöht. Die Symptome liegen im Mittel im leichten bis moderaten Bereich – aber sie sind chronisch.
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Systemproblem statt Einzelfall
Die Analyse zeigt: Geschlecht, Fachrichtung oder Karrierestufe spielen keine Rolle. Die Belastung trifft alle gleichermaßen. Das deutet auf ein systemisches Problem hin.
Die psychische Krise verschärfte sich während der Corona-Pandemie – und blieb seither auf hohem Niveau. Die Ursachen liegen in den Strukturen des Wissenschaftsbetriebs: befristete Verträge, enormer Publikationsdruck, gnadenloser Wettbewerb um Stellen und Drittmittel. Ein Umfeld, das psychische Erkrankungen geradezu fördert.
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Junge Erwachsene in der Krise – ein globaler Trend
Die Zahlen aus der Wissenschaft passen in ein größeres Bild. Berichte aus der Schweiz vom Juni 2026 zeigen: Die Zahl neuer Invaliditätsrenten wegen psychischer Erkrankungen hat sich bei den 18- bis 24-Jährigen im Jahr 2024 auf rund 2.000 Fälle verdoppelt.
Auch international zeichnet sich eine dramatische Entwicklung ab. In Kolumbien ergab eine Erhebung aus dem Jahr 2025 eine Verdreifachung von Depressionen und eine Vervierfachung von Angststörungen im Vergleich zum vorangegangenen Jahrzehnt.
Experten fordern daher: Die Unterstützungssysteme für junge Menschen und Forschende müssen massiv ausgebaut werden. Sonst drohen langfristige gesellschaftliche Folgen.
