Nahrungsergänzung, Studie

Nahrungsergänzung ab 65: Neue Studie warnt vor Überdosierung

Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 06:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studie: 54% der Frauen und 34% der Männer ab 65 nehmen regelmäßig Supplemente. Experten warnen vor Überdosierung und Wechselwirkungen mit Medikamenten.

Nahrungsergänzung im Alter: KORA-Age-Studie zeigt hohe Einnahmequoten und Risiken
Eine ältere Person betrachtet kritisch eine Dose mit Nahrungsergänzungsmitteln neben einer Schale mit frischem Gemüse. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Versorgung mit essenziellen Nährstoffen gewinnt mit zunehmendem Lebensalter an Bedeutung, führt jedoch in der Praxis häufig zu einer unkontrollierten Einnahme von Präparaten. Wie die KORA-Age-Studie Anfang August 2026 aufzeigte, greifen 54 Prozent der Frauen und 34 Prozent der Männer im Alter zwischen 65 und 80 Jahren regelmäßig zu Nahrungsergänzungsmitteln. Experten warnen jedoch vor den gesundheitlichen Risiken, die mit einer eigenmächtigen Dosierung einhergehen können.

Risiken einer unkontrollierten Supplementierung

Die Verbraucherzentrale NRW wies in einer aktuellen Analyse darauf hin, dass Nahrungsergänzungsmittel keine universellen Wundermittel seien. Angela Clausen, Teamleiterin für Lebensmittel am Gesundheitsmarkt bei der Verbraucherzentrale NRW, betonte die Gefahren einer Überdosierung. Insbesondere eine zu hohe Zufuhr von Vitamin D könne die Bildung von Nierensteinen begünstigen. Zudem bergen Brausetabletten oft unterschätzte Risiken, da sie nennenswerte Mengen an verstecktem Natrium enthalten können.

Ein weiteres kritisches Feld sind die Wechselwirkungen zwischen Supplementen und verschreibungspflichtigen Medikamenten. Viele Senioren nehmen dauerhaft Arzneien ein, deren Wirkung durch die zusätzliche Zufuhr von Vitaminen oder Mineralstoffen beeinflusst werden kann. Die Verbraucherzentrale hält daher viele im Handel erhältliche Produkte für unnötig, in Einzelfällen sogar für gesundheitsschädlich, wenn diese ohne medizinische Notwendigkeit konsumiert werden.

Empfehlungen für eine gezielte Nährstoffzufuhr

Statt auf Selbstmedikation zu setzen, raten Experten zu einer gezielten Strategie. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) konstatierte in Berichten vom August 2026, dass die Aufnahme von Vitamin B12 im Alter häufig reduziert sei. Eine Supplementierung sei hier vor allem bei einer veganen Ernährung angezeigt. Beim Vitamin D wird bei einer reduzierten körpereigenen Bildung eine Supplementierung empfohlen, wobei eine Höchstmenge von 20 Mikrogramm pro Tag nicht überschritten werden sollte. Für Vitamin K gebe es hingegen keine Hinweise auf einen verbreiteten Mangel.

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Auch der Bedarf an Omega-3-Fettsäuren lässt sich laut BfR meist ohne Kapseln decken; hierfür seien ein bis zwei Portionen fettreicher Fisch pro Woche ausreichend. Ein besonderes Augenmerk sollte zudem auf die Proteinzufuhr gelegt werden. Den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zufolge steigt der Eiweißbedarf ab einem Alter von 65 Jahren auf 1 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht an.

Aktuelle Studienlage zu Multivitaminpräparaten

Wissenschaftliche Untersuchungen liefern ein differenziertes Bild zum Nutzen von Kombinationspräparaten. Die groß angelegte COSMOS-Studie, deren Ergebnisse Ende Juli 2026 veröffentlicht wurden und an der mehr als 16.000 Probanden über 60 Jahren teilnahmen, untersuchte die Auswirkungen einer dreijährigen täglichen Einnahme von Multivitaminpräparaten. Die Daten deuten darauf hin, dass sich die funktionelle Gesundheit sowie der klinische Score und die allgemeine Symptomlast signifikant verbesserten.

Gleichzeitig zeigten die Ergebnisse der Studie, dass spezifische Zusätze wie Kakaoextrakt lediglich bei Patienten mit Herzinsuffizienz einen messbaren Vorteil boten. Die Forscher stuften diese Ergebnisse jedoch als vorläufig ein, was die Notwendigkeit weiterer Untersuchungen unterstreicht.

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Lebensstil als primäre Gesundheitsvorsorge

Trotz der potenziellen Vorteile einzelner Präparate halten Experten den Lebensstil für den entscheidenden Faktor. Angela Clausen und die Verbraucherzentrale NRW empfehlen als Primärmaßnahmen eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf sowie gezieltes Krafttraining. Zur Deckung des Vitamin-D-Bedarfs wird zudem die natürliche Synthese durch Sonnenlicht als bevorzugte Quelle genannt. Eine Supplementierung von Vitamin D sollte idealerweise nur unter ärztlicher Kontrolle erfolgen, um die Balance zwischen Nutzen und Risiko zu wahren.

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