Nahrungsergänzung: Jedes zweite Heidelbeer-Produkt ist Etikettenschwindel
20.06.2026 - 11:54:56 | boerse-global.de
Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel wächst rasant – doch Qualitätsprobleme und neue Studienergebnisse werfen Fragen auf. Von Vitaminpräparaten bis zu hochspezialisierten Extrakten: Antioxidantien und sekundäre Pflanzenstoffe wie Polyphenole sind gefragter denn je. Aktuelle Untersuchungen zeigen sowohl das therapeutische Potenzial als auch die Herausforderungen bei der Rohstoffsicherung.
Beeren, Blutzucker und Herzgesundheit
Im Fokus der Forschung stehen Anthocyane und Polyphenole aus dunklen Beeren wie Aronia, Holunder oder Wildheidelbeeren. Fachleute untersuchen die Substanzen im Kontext der Herz-Kreislauf-Gesundheit und des Schutzes vor oxidativem Stress. Acerola-Präparate positionieren sich am Markt wegen ihres hohen natürlichen Vitamin-C-Gehalts.
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Ein wesentliches Anwendungsgebiet: die Regulierung des Blutzuckerspiegels. Untersuchungen zu Berberin deuten darauf hin, dass eine zwölfwöchige Einnahme den HbA1c-Wert signifikant senken kann. Chrom unterstützt die Insulinwirkung, Inhaltsstoffe aus Bittermelone oder Rotem Ginseng sollen den Glukosestoffwechsel positiv beeinflussen. Anbieter wie BIOGENA führen spezialisierte Präparate – Preise zwischen 60 und knapp 100 Euro.
Kaffee: Mehr als nur Koffein
Auch Kaffee wird neu bewertet. Laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung (DGE) liefert er neben Magnesium und Kalium wertvolle Antioxidantien. Eine Studie der Tufts University legt nahe: Ein bis drei Tassen täglich senken das Sterberisiko. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hält bis zu 400 mg Koffein täglich für unbedenklich.
Qualitätsprobleme: Jedes zweite Produkt fällt durch
Trotz des Booms warnen Verbraucherschützer vor Qualitätsmängeln. Die Verbraucherzentrale NRW und das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) deckten 2024 eine hohe Fehlerquote bei Heidelbeer-Produkten auf. Rund 50 Prozent der Proben entsprachen nicht den Angaben zu echten Waldheidelbeeren. Häufig stammten Anthocyane aus schwarzem Reis oder wurden Farbstoffe an Bananenschalen-Pulver gebunden.
Neue Sicherheitsrisiken
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) veröffentlichte gestern eine Warnung vor Blausäure in geschroteten Leinsamen. Empfohlen wird: Nicht mehr als 15 bis 20 Gramm täglich für Erwachsene. Auch Cadmium-Belastung bleibt ein kritisches Thema bei der Rohstoffauswahl.
Eine internationale Studie vom heutigen Samstag liefert Diskussionsstoff zu Glucosamin. Die Untersuchung von Daten über 50.000 Personen ergab statistische Hinweise auf ungünstigere Verläufe bei Alzheimer-Erkrankungen unter Glucosamin-Einnahme. Die Autoren mahnen zur Vorsicht – eine direkte Kausalität sei nicht nachgewiesen.
Von der Kuh bis zum Herzen
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Die Anwendung von Polyphenolen dehnt sich aus. Eine Studie im Fachjournal npj Biofilms and Microbiomes vom 19. Juni belegt: Traubenkern-Proanthocyanidine (GSP) reduzieren den Methanausstoß bei Milchkühen um rund 16,5 Prozent. Die Pflanzenstoffe beeinflussen das Mikrobiom im Verdauungstrakt – ein potenzieller Hebel zur Emissionsminderung in der Landwirtschaft.
Parallel treibt die medizinische Forschung spezialisierte Peptide voran. Forscher des Universitätsklinikums Essen stellten Mitte Juni das Peptid B-017 vor, das auf einem mitochondrialen Protein basiert. In Tiermodellen reduzierte es die Infarktgröße bei Herzinfarkten und Schlaganfällen erheblich. Die Ausgründung Bimyo GmbH will die Erkenntnisse für die klinische Anwendung nutzbar machen.
Der Markt für Antioxidantien bleibt dynamisch – zwischen wissenschaftlicher Neuentdeckung und der Notwendigkeit strengerer Qualitätskontrollen. Die Preisspanne für gängige Präparate wie OPC, Quercetin oder Alpha-Liponsäure reicht von etwa 10 Euro für einfache Pulver bis über 80 Euro für Premium-Kombinationen.
