Nahrungsergänzungsmittel, Gericht

Nahrungsergänzungsmittel: Gericht verbietet Konzentrations-Werbeversprechen

Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 01:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Stiftung Warentest sieht Discounter-Cremes vorn, während Studien und Gerichte Nutzen, Sicherheit und Werbung von Supplementen prüfen.

Nuss-Nougat-Cremes im Test, Supplemente unter regulatorischem Druck
Nahaufnahme von Haselnüssen auf einem rustikalen Holztisch bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Untersuchungen unabhängiger Prüfinstanzen und wissenschaftliche Analysen geben derzeit detaillierte Einblicke in die Qualität und Sicherheit von Produkten im Lebensmittel- und Gesundheitssegment. Im Fokus stehen dabei sowohl klassische Brotaufstriche als auch der stark wachsende Markt der Nahrungsergänzungsmittel, bei denen Experten zunehmend regulatorische und gesundheitliche Bedenken äußern.

Discounter-Produkte überzeugen im Test von Nuss-Nougat-Cremes

In einer Untersuchung von 18 Nuss-Nougat-Cremes hat die Stiftung Warentest die sensorische Qualität, die Nährwerte und mögliche Schadstoffbelastungen bewertet. Dabei konnten zwei Drittel der getesteten Produkte ein gutes Ergebnis erzielen, während drei Cremes mit der Note „sehr gut“ bewertet wurden.

Den ersten Platz teilen sich die „Nusskati“ von Aldi sowie die „dunkle Haselnuss-Creme“ der Marke Kräm. Der Testsieger von Aldi erreichte eine Gesamtnote von 2,0, wobei die sensorische Qualität mit 1,5 hervorgehoben wurde. Mit einem Preis von 50 Cent pro 100 Gramm zählt das Produkt zudem zu den günstigsten im Testfeld.

Das Markenprodukt Nutella belegte mit einer Note von 2,2 den dritten Platz. Die Prüfer stellten hier mit 57 Prozent den höchsten Zuckeranteil im gesamten Vergleich fest. Preislich liegt Nutella mit 84 Cent pro 100 Gramm deutlich über dem Discounter-Testsieger.

Kritik äußerten die Tester generell an den Nährwerten der Warengruppe, die zumeist nur als „ausreichend“ eingestuft wurden. Eine Portion von 20 Gramm liefert rund 111 Kilokalorien und kann bei Kindern bereits bis zu einem Drittel der von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlenen Tagesmenge an Zucker decken.

Ein Produkt fiel im Test mit der Note 4,0 durch: „Ahead No Added Sugar Spread Crazy Hazelnut“. In dieser Creme wurden Rückstände von Mineralölkohlenwasserstoffen (MOAH) sowie ein Anteil von 42 Prozent des Süßungsmittels Maltit festgestellt. Hinsichtlich der Nachhaltigkeit zeigt die Analyse, dass die Hälfte der getesteten Produkte Palmöl enthält, wobei die Hersteller überwiegend auf den RSPO-Mindeststandard setzen.

Regulatorische Hürden und Werbeverbote bei Supplementen

Parallel zu Lebensmitteltests rücken Nahrungsergänzungsmittel (NEM) verstärkt in den Fokus der Rechtsprechung und Marktüberwachung. Laut Daten von Statista nutzen etwa drei von vier Deutschen regelmäßig Vitamine oder Mineralstoffe. Dies spiegelt sich auch in den Produktionszahlen wider: Im Jahr 2024 wurden in Deutschland Nahrungsergänzungsmittel im Wert von 1,9 Milliarden Euro hergestellt, was einer Steigerung von fast 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

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Die Organisation Foodwatch kritisiert in diesem Zusammenhang eine Zunahme wissenschaftlich nicht belegter Werbeversprechen in sozialen Medien. Rechtlich sind solche Gesundheitsversprechen durch die EU-Health-Claims-Verordnung streng reglementiert. Das Kammergericht Berlin bestätigte diese Linie in einem Urteil vom 25. August 2026 (Az. 5 U 90/23).

Die Richter untersagten die Werbung für sogenannte „Focus Kapseln“, die mit einer Steigerung der Konzentrations- und Leistungsfähigkeit warben. Das Gericht entschied, dass bereits die Produktbezeichnung eine unzulässige gesundheitsbezogene Angabe darstellen kann, selbst wenn zugelassene Inhaltsstoffe wie B-Vitamine enthalten sind.

Sicherheitsrisiken und mangelnder klinischer Nutzen

Wissenschaftliche Untersuchungen stellen zudem die Wirksamkeit und Sicherheit bestimmter Präparate infrage. Eine im Fachmagazin The BMJ veröffentlichte Auswertung von 69 Studien mit 154.000 Teilnehmern ergab, dass die Kombination aus Calcium und Vitamin D zur Vorbeugung von Knochenbrüchen keinen klinisch bedeutsamen Nutzen bietet.

Die absolute Risikoreduktion für Hüftfrakturen lag bei lediglich 0,3 Prozentpunkten. Dem widersprechen jedoch Mediziner wie Dr. Friederike Thomasius, die auf die aktuelle Osteoporose-Leitlinie verweisen, welche die Supplementierung bei Risikogruppen weiterhin empfiehlt.

Besonders kritisch wird das Produkt „ASEA Redox“ bewertet, ein im Direktvertrieb angebotenes Gemisch aus demineralisiertem Wasser und Kochsalz zu Preisen von bis zu 185 Euro für vier Liter. Eine Studie der Utah State University aus dem Jahr 2019 konnte keine Leistungssteigerung durch das Produkt nachweisen.

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Zudem warnten Behörden aufgrund von Laborbefunden vor gesundheitsschädlichen Konzentrationen von Chlorat und Perchlorat, die den tolerierbaren Tageswert bei Verzehrempfehlung um das bis zu Elffache überschritten.

Trends und technologische Überwachung

In der Branche wird zudem die wachsende Bedeutung von Proteinen als Vermarktungsstrategie diskutiert. Der Ernährungsforscher Richard Mackenzie weist in aktuellen Publikationen darauf hin, dass die isolierte Aufnahme von Proteinen über Shakes oft weniger effizient sei als natürliche Quellen wie Eier. Er warnt vor einer übermäßigen Zufuhr, da ein Überschuss nicht gespeichert, sondern in Zucker oder Fett umgewandelt wird.

Zur Sicherung der Produktqualität setzen Behörden und Unternehmen verstärkt auf digitale Lösungen. Das europäische Schnellwarnsystem RASFF verzeichnete für das Jahr 2025 über 5.300 Originalmeldungen zu belasteten Lebensmitteln. Deutschland war dabei für rund 13 Prozent der Meldungen verantwortlich.

Zur Bekämpfung von Arzneimittelfälschungen hat Arvato Systems zudem nationale Verifizierungssysteme für 15 europäische Länder in eine gesicherte Cloud-Infrastruktur verlagert, um jährlich mehrere hundert Millionen Anfragen effizient zu bearbeiten.

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