Entfernung, Horns

Entfernung des Horns reduziert Nashorn-Wilderei

05.06.2025 - 20:00:36

Nashörner sind hĂ€ufig Ziel von Wilderern, weil sich ihr Horn in Asien teuer verkaufen lĂ€sst. Bringt es fĂŒr den Schutz der Tiere etwas, das Horn vorsorglich zu entfernen?

  • Einem Nashorn wird vorsorglich das Horn abgesĂ€gt. (Handout) - Foto: ---/Greater Kruger Environmental Protection Foundation/dpa

    ---/Greater Kruger Environmental Protection Foundation/dpa

  • Hörner von Nashörnern sind wegen des hohen Preises ein begehrtes Schmuggelgut. (Handout) - Foto: Tim Kuiper/Greater Kruger Environmental Protection Foundation/dpa

    Tim Kuiper/Greater Kruger Environmental Protection Foundation/dpa

Einem Nashorn wird vorsorglich das Horn abgesÀgt. (Handout) - Foto: ---/Greater Kruger Environmental Protection Foundation/dpaHörner von Nashörnern sind wegen des hohen Preises ein begehrtes Schmuggelgut. (Handout) - Foto: Tim Kuiper/Greater Kruger Environmental Protection Foundation/dpa

Die Entfernung der Hörner bei Nashörnern kann einer Analyse zufolge zu einem drastischen RĂŒckgang der Wilderei bei den gefĂ€hrdeten Tieren fĂŒhren. Zugleich handle es sich um eine vergleichsweise gĂŒnstige Maßnahme, erlĂ€utert ein Forschungsteam im Fachjournal «Science». Zu den Nachteilen zĂ€hlt demnach, dass das Horn nachwĂ€chst und dann wieder attraktiv fĂŒr Wilderer wird. Zudem wichen Wilderer womöglich in Gebiete aus, in denen die Hörner nicht vorsorglich abgesĂ€gt werden.

Die Wilderei wegen ihres Horns stellt eine große Bedrohung fĂŒr die fĂŒnf Nashornarten in Afrika und Asien dar. Beim Enthornen zu Schutzzwecken werden die Tiere sediert, anschließend wird das Horn mit einer KettensĂ€ge entfernt. Die Prozedur muss regelmĂ€ĂŸig wiederholt werden, da die Hörner nachwachsen: Sie bestehen wie Haare und FingernĂ€gel aus Keratin und wachsen mehrere Zentimeter jĂ€hrlich.

Die Wissenschaftler um Tim Kuiper von der Nelson-Mandela-UniversitĂ€t in George hatten Daten aus elf Reservaten in der Region des berĂŒhmten KrĂŒger-Nationalparks analysiert, die zwischen 2017 und 2023 gesammelt wurden. In dem Gebiet leben viele der geschĂ€tzt rund 24.000 afrikanischen Nashörner. Verglichen wurden Standorte mit und ohne Enthornung. 

Wilderer töteten merklich weniger Tiere

Insgesamt wurden demnach 1.985 Spitzmaulnashörner (Diceros bicornis) und Breitmaulnashörner (Ceratotherium simum) getötet, jĂ€hrlich knapp sieben Prozent der Nashorn-Population im berĂŒcksichtigten Gebiet, wie es in der Studie heißt. Im Durchschnitt reduzierte das AbsĂ€gen der Hörner bei allen in einem Reservat vorkommenden Nashörner die Wilderei um etwa drei Viertel gegenĂŒber dem Niveau vor der Entfernung. «Anhand von Daten aus allen Reservaten und Jahren schĂ€tzten wir das Wilderei-Risiko fĂŒr ein einzelnes Nashorn mit Horn in einem bestimmten Jahr auf 13 Prozent, verglichen mit einem Wilderei-Risiko fĂŒr ein enthorntes Nashorn von 0,6 Prozent.» 

FĂŒr das Entfernen der Hörner bei 2.284 Tieren seien dabei nur 1,2 Prozent des Gesamtbudgets aufgewendet worden. Insgesamt hĂ€tten die elf Reservate in fĂŒnf Jahren 74 Millionen Dollar (65 Millionen Euro, 2017–2021) zur BekĂ€mpfung der Wilderei ausgegeben - vor allem fĂŒr WildhĂŒter, SpĂŒrhunde, Hubschrauber, Zugangskontrollen und Kameras. «Dies entspricht geschĂ€tzten 3.120 US-Dollar Ausgaben pro ansĂ€ssigem Nashorn und Jahr.»

Wilderer nehmen auch mit HornstĂŒmpfen Vorlieb

Neuere Erkenntnisse nach Abschluss der Studie wiesen allerdings darauf hin, dass die Wilderei wegen der - medizinisch notwendigen - verbleibenden HornstĂŒmpfe und des nachwachsenden Horns weiterhin anhalte, schrĂ€nken die Forschenden das Ergebnis ein. Zudem könne sich der Fokus der Wilderer auf gehörnte Populationen anderswo verlagern. Auch seien die Auswirkungen der Horn-Entfernung auf die Biologie der Nashörner noch nicht ausreichend geklĂ€rt.

«Die Tatsache, dass die Wilderei enthornter Nashörner im KrĂŒger-Nationalpark weiterhin in relativ hohem Maße erfolgt, lĂ€sst darauf schließen, dass HornstĂŒmpfe und nachwachsende Hörner fĂŒr Verbrechersyndikate weiterhin attraktiv sind», erlĂ€utert das Team. Mehr als 700 Wilderer seien in der berĂŒcksichtigten Zeit verhaftet worden. 

Die Statistik weise nicht darauf hin, dass diese Verhaftungen zu einem merklichen RĂŒckgang der Wilderei fĂŒhrten. Einen Grund sieht das Team unter anderem darin, dass ineffektive Strafjustizsysteme dazu fĂŒhren, dass TĂ€ter einer Strafe hĂ€ufig entgehen. «Obwohl die Erkennung und Festnahme von Wilderern unerlĂ€sslich ist, könnten Strategien, die sich auf die Reduzierung von Möglichkeiten und ErtrĂ€gen aus Wilderei konzentrieren, effektiver sein», nehmen die Forschenden an.

Schmuggel nach Asien blĂŒht nach wie vor

Die Nashörner Afrikas sind durch illegale Wilderei stark gefĂ€hrdet. Allein in SĂŒdafrika wurden im vergangenen Jahr Regierungsangaben zufolge 420 Breitmaul- und Spitzmaulnashörner illegal getötet. Obwohl der internationale Handel mit Nashorn-Hörnern verboten ist, findet der Schmuggel nach Asien, vor allem nach Vietnam und China, weiter statt. 

Das Horn wird in SĂŒdostasien aus kulturellen und vermeintlichen medizinischen GrĂŒnden nachgefragt, der Wert kann zehntausende US-Dollar pro Kilogramm betragen. Um zu verhindern, dass Nashörner wegen ihrer Hörner getötet werden, wurde in vielen sĂŒdafrikanischen Wildreservaten damit begonnen, die Hörner vorsorglich zu stutzen.

Seit Jahren herrscht unter TierschĂŒtzern eine rege Debatte darĂŒber. Zu den Gegenargumenten gehören BefĂŒrchtungen, dass die Nashörner ein verĂ€ndertes Revierverhalten zeigen, mit langfristigen Auswirkungen auf ihre Fortpflanzung als Folge. Zudem wird befĂŒrchtet, dass die Lager fĂŒr die abgesĂ€gten Hörner Kriminelle anziehen.

@ dpa.de