Neobank-Betrüger: Verdachtsmeldungen explodieren um 214 Prozent
Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 15:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das zeigt der aktuelle Jahresbericht der Financial Intelligence Unit (FIU). Demnach gingen 2025 insgesamt 108.158 Meldungen zu digitalen Bankdienstleistern ein – mehr als dreimal so viele wie im Vorjahr mit 34.357.
Jede dritte Meldung betrifft Neobanken
Der Anteil der Neobanken am gesamten Meldeaufkommen stieg rasant: von 13 auf 29 Prozent. Insgesamt registrierte die FIU rund 374.700 Verdachtsmeldungen – ein Plus von 41 Prozent. Die Zahl der untersuchten Transaktionen schnellte um 88 Prozent auf 3,2 Millionen hoch.
Um diese Datenflut zu bewältigen, wertete die Behörde mit ihren 587 Mitarbeitern insgesamt 14 Millionen Transaktionsdatensätze aus.
„Operation Chargeback“: Millionen geschädigt
Ein besonders krasses Beispiel für die Dimension digitaler Finanzkriminalität: die „Operation Chargeback“. Zwischen 2016 und 2021 erstellten Betrüger rund 19 Millionen fingierte Abonnements. In 193 Ländern wurden etwa 4,3 Millionen Menschen geschädigt. Der Gesamtschaden: über 300 Millionen Euro.
Im November vergangenen Jahres schlugen die Ermittler zu. Koordinierte Razzien in zehn Ländern, 21 Haftbefehle wurden vollstreckt.
Phishing-Baukasten „Kratos“ zerschlagen
Neben diesen Großbetrugsmaschen bleibt Phishing die zentrale Gefahr für Verbraucher. Das BKA und die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt gelang ein wichtiger Schlag: Sie zerschlugen die Infrastruktur des Dienstes „Kratos“.
Hinter dem Namen verbirgt sich ein technischer Baukasten für Kriminelle. Damit erstellten sie täuschend echte Kopien von Webseiten namhafter Softwareunternehmen. Über 1.800 Täter sollen den Dienst genutzt haben, um monatlich etwa 15.000 Phishing-Kampagnen zu starten. Sogar die Zwei-Faktor-Authentifizierung wurde umgangen.
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Die Ermittler machten mehr als 200 Server unschädlich. Ein mutmaßlicher Entwickler wurde in Indonesien festgenommen.
Prozess in Münster: 180.000 Euro erbeutet
Auch die Justiz arbeitet die Folgen solcher Angriffe auf. Vor dem Landgericht Münster begann ein Prozess gegen sechs Männer aus dem Ruhrgebiet. Die Angeklagten zwischen 19 und 61 Jahren sollen über eine gefälschte Bankseite Kontodaten von Opfern aus ganz Deutschland erbeutet haben.
Die Staatsanwaltschaft wirft der Gruppe vor, so mehr als 180.000 Euro erlangt zu haben. Bei Hausdurchsuchungen fanden Ermittler Bargeld – versteckt unter Betten und Küchengeräten. Drei der Angeklagten sitzen in Untersuchungshaft.
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Sparkassen starten Gegenoffensive
Während die Sicherheitsbehörden gegen Betrug vorgehen, verschärft sich auch der regulatorische Rahmen. Seit Jahresbeginn sind Kryptoanbieter durch die EU-Richtlinie DAC8 verpflichtet, Transaktions- und Nutzerdaten an die Steuerbehörden zu melden.
Gleichzeitig versuchen etablierte Institute, verlorene Marktanteile zurückzugewinnen. Ein Sparkassen-Verbund startete die App „S-Neo“ für den Wertpapierhandel. Das Angebot punktet mit niedrigen Transaktionskosten und kostenloser Depotführung – eine direkte Antwort auf Neobanken und Neobroker. Über 20 Millionen bestehende App-Nutzer können bereits zugreifen. Im kommenden Jahr soll die App auch für Nicht-Kunden geöffnet werden.
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