Neuseeland Vogel des Jahres: Extrem seltener Karure wird zum Artenschutz-Symbol
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 06:17 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDer extrem seltene Karure, auch Black Robin genannt, ist in Neuseeland zum Vogel des Jahres gekürt worden und hat dabei eine lange Liste prominenter Konkurrenten hinter sich gelassen.
Karure setzt sich bei Online-Abstimmung durch
Der federleichte, kugelrunde Vogel aus der Gruppe der Chathamschnäpper gewann eine internationale Online-Abstimmung, die in Neuseeland jährlich den „Bird of the Year“ kürt. Bei der diesjährigen Wahl, organisiert von der Naturschutzorganisation Forest and Bird, beteiligten sich nach Angaben der Veranstalter rund 105.000 Menschen aus aller Welt – so viele wie nie zuvor. Der Karure erhielt etwa 25.000 Stimmen und setzte sich damit gegen mehr als 70 andere Vogelarten durch.
Erfolg gegen bekannte Konkurrenten
Im Wettbewerb verwies der schwarze Singvogel den populären Kakapo, einen flugunfähigen Papagei, sowie den Karearea, den Neuseeländischen Falken, auf die Plätze. Die Wahl ist in Neuseeland zu einem viel beachteten Ereignis geworden, bei dem Unterstützerinnen und Unterstützer ihrer Lieblingsarten mit Memes, Kostümen und Online-Kampagnen Aufmerksamkeit verschaffen. Trotz humorvoller Elemente verfolgt Forest and Bird mit dem Wettbewerb ein ernstes Ziel: Es soll jährlich auf die Bedrohung ikonischer Vogelarten des Pazifikstaates hinweisen.
Von fünf Vögeln zu stabiler Population
Der Sieg des Karure steht dabei für eine besondere Erfolgsgeschichte des Artenschutzes. 1980 existierten weltweit nur noch fünf Exemplare dieses Vogels, darunter lediglich ein fruchtbares Weibchen. Ausgehend von einem einzigen Zuchtpaar mit den Namen Old Blue und Old Yellow gelang es Naturschützern, die Bestände Schritt für Schritt wieder aufzubauen. Heute leben rund 350 erwachsene Karure auf zwei kleinen, vor eingeschleppten Fressfeinden geschützten Inseln, die zu den abgelegenen Chathaminseln vor der neuseeländischen Küste gehören.
Kampagne mit ernster Botschaft
Die aufwendig inszenierte „Wahlkampagne“ für den Vogel des Jahres verbindet Spaß und Engagement. In sozialen Netzwerken sorgen kreative Aktionen und Bilder für zusätzliche Aufmerksamkeit. Zugleich betont Forest-and-Bird-Sprecherin Rebecca Hatch die ernste Lage vieler Arten: Nach ihren Angaben sind rund 80 Prozent der neuseeländischen Vogelarten gefährdet oder stark bedroht. Dies spiegele sich auch im Wettbewerb wider, in dem acht der zehn bestplatzierten Arten als besonders bedroht gelten.
Symbol für erfolgreiche Artenschutz-Projekte
Die Kür des Karure zum Vogel des Jahres in Neuseeland steht exemplarisch für eine Entwicklung, die Artenschützer weltweit beschäftigt: Wie lassen sich stark bedrohte, oft nur noch in Restpopulationen vorkommende Arten stabilisieren und politisch sichtbar machen. Der Black Robin zeigt, dass gezielte Zuchtprogramme und konsequente Schutzgebiete selbst in extremen Lagen wirken können, wenn sie langfristig angelegt und ausreichend finanziert sind. Parallel zu ähnlichen Projekten, etwa bei neuseeländischen Papageien oder auf anderen Inseln des Pazifiks, wird deutlich, welche Rolle räuberfreie Schutzinseln und strikte Kontrolle eingeschleppter Fressfeinde spielen.
Bedrohungslage für Neuseelands Vogelwelt
Der Wettbewerb selbst verdeutlicht die Dimension des Problems: Wenn ein Großteil der zur Wahl stehenden Arten als gefährdet gilt, verweist das auf grundlegende ökologische Risiken. Dazu gehören Lebensraumverlust durch Rodungen, die Ausbreitung invasiver Arten wie Ratten, Katzen oder Marderartige sowie die Folgen des Klimawandels für empfindliche Inselökosysteme. Die Abstimmung macht diese komplexe Lage für ein breites Publikum greifbar, indem sie populäre Arten in den Mittelpunkt stellt und spielerische Elemente nutzt. Für Leserinnen und Leser zeigt sich daran, wie eng Unterhaltung im Netz und ernsthafte Umweltpolitik inzwischen verknüpft sein können.
Bedeutung über Neuseeland hinaus
Über Neuseeland hinaus ist die Aufmerksamkeit für den Karure auch ein Hinweis darauf, wie sehr globale Öffentlichkeit heute auf Insel-Biodiversität blickt. Viele der dort vorkommenden Arten sind endemisch, kommen also ausschließlich in einem kleinen Gebiet vor, und gelten deshalb als besonders schützenswert. Kampagnen wie „Bird of the Year“ tragen dazu bei, diese Spezies zu Marken eines nationalen Selbstverständnisses zu machen – und damit politischen Druck für ihren Schutz aufzubauen. Für europäische Debatten um Renaturierung, Schutzgebiete und den Umgang mit invasiven Arten liefern diese Beispiele praktische Anknüpfungspunkte.
