Nierenerkrankung, Obst

Nierenerkrankung: Obst und Gemüse senken Klinikaufenthalte von 64 auf 14

Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 01:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Zehnjahresuntersuchung verbindet pflanzenreiche Ernährung mit weniger Klinikaufenthalten und Nierenersatztherapien bei CKD im Stadium 3.
Frisches Obst und Gemüse auf einem Holztisch bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Eine basenreiche Ernährung mit reichlich Obst und Gemüse kann den Verlauf einer chronischen Nierenerkrankung verlangsamen und klinische Komplikationen reduzieren. Auf der Fachtagung Kidney Week der American Society of Nephrology in Denver wurden am 22. Oktober 2026 die Ergebnisse einer Zehnjahresuntersuchung vorgestellt, die diesen Ernährungsansatz mit medikamentösen und konventionellen Behandlungsformen vergleicht.

Deutliche Unterschiede bei Hospitalisierungen und Dialysebedarf

Die vorgestellte Untersuchung begleitete über einen Zeitraum von zehn Jahren 108 erwachsene Personen mit einer Nierenerkrankung im Stadium 3 und metabolischer Azidose, die nicht an Diabetes litten.

Die Teilnehmenden wurden in drei Gruppen zu je 36 Personen aufgeteilt: Eine Gruppe erhielt eine obst- und gemüsereiche Basen-Diät, welche die diätetische Säurelast halbierte. Die zweite Gruppe wurde täglich mit oralem Natriumbicarbonat in einer Dosierung von 0,3 mmol pro Kilogramm Körpergewicht behandelt, während die dritte Gruppe eine Standardversorgung erhielt.

Bei den jährlichen Kontrollen zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen den Ansätzen. In der Obst- und Gemüsegruppe traten im Beobachtungszeitraum 14 Krankenhausaufenthalte auf, verglichen mit 64 in der Standardversorgung.

Die Zahl der Notaufnahmebesuche belief sich auf 20 im Vergleich zu 88 unter Standardbedingungen. Zudem benötigten vier Personen aus der Ernährungsgruppe eine Nierenersatztherapie, während dies in der Standardgruppe bei 16 Personen der Fall war.

In der Natriumbicarbonat-Gruppe wurden 37 Krankenhausaufenthalte, 58 Notaufnahmen und 14 Nierenersatztherapien registriert. Damit ergab sich für die Bicarbonat-Gabe kein signifikanter Unterschied gegenüber der Standardversorgung. Insgesamt wurden über alle drei Kohorten hinweg 115 Klinikaufenthalte, 166 Notaufnahmen sowie 34 Einleitungen einer Nierenersatztherapie dokumentiert.

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Modellrechnung zeigt ökonomische Entlastung

Neben den klinischen Parametern erfassten die Forschenden auch ökonomische Faktoren. Einer Modellrechnung zufolge lagen die jährlichen Behandlungskosten im zehnten Studienjahr in der Ernährungsgruppe um rund 19,7 Prozent beziehungsweise rund 20 Prozent unter denen der Standardversorgung sowie etwa 5 Prozent unter den Kosten der Natriumbicarbonat-Gruppe.

Studienleiterin Nimrit Goraya von Baylor Scott and White Health verwies darauf, dass sich diese diätetische Intervention ohne Mehrkosten für das Gesundheitssystem umsetzen lasse. Die Resultate stützen die Annahme, dass gezielte Ernährungstherapien bei chronischen Nierenschäden auch auf Bevölkerungsebene relevant sein können.

Kaliumwerte und methodische Limitationen

Ein wesentlicher Aspekt bei einer pflanzenbetonten Kost bei Niereninsuffizienz ist das Risiko einer Hyperkaliämie, von der rund 10 Prozent der betroffenen Personen betroffen sind.

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Eine weitere am 22. Oktober 2026 auf dem Kongress präsentierte Crossover-Studie aus Winnipeg an 30 Erwachsenen mit eingeschränkter Nierenfunktion verglich eine liberalisierte Obst- und Gemüsekost mit einer Standarddiät.

Beim Serumkalium zeigte sich nach jeweils sechswöchiger Intervention kein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen, während die Kaliumausscheidung im Urin unter der liberalisierten Kost signifikant anstieg.

Fachleute weisen jedoch auf die methodischen Einschränkungen der vorgestellten Zehnjahresdaten hin. Die Stichprobe war mit 36 Personen pro Behandlungsarm klein, die Auswertung erfolgte als Post-hoc- beziehungsweise retrospektive Analyse ohne Verblindung, und die Daten wurden zunächst als Konferenzbeitrag ohne vollständiges Peer-Review präsentiert.

Zudem bezogen sich die Ergebnisse ausschließlich auf Personen im CKD-Stadium 3 ohne Diabetes, weshalb das individuelle Kaliumrisiko stets fachärztlich überwacht werden muss.

Parallel dazu unterstrich eine am 22. Oktober 2026 in JAMA Network Open erschienene Kohortenstudie mit 1861 nicht-dialysierten Nierenpatienten, dass auch eine zu starke Proteinrestriktion unter 0,6 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht mit einem erhöhten Risiko für Nierenersatztherapie und Sterblichkeit einhergehen kann, was eine sorgfältig abgewogene, individuelle Betreuung erforderlich macht.

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