Nierentransplantation, OGTT

Nierentransplantation: OGTT deckt 74 Prozent der DiabetesfÀlle allein auf

Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 00:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei norwegischen Transplantationskandidaten deckte der Zwei-Stunden-Test 74 Prozent der DiabetesfÀlle allein auf.
Ein steriler Labortisch mit einem Glasbecher in einer klinischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Eine im Jahr 2026 im Fachjournal Frontiers in Nephrology veröffentlichte retrospektive nationale Analyse verdeutlicht die Relevanz des oralen Glukosetoleranztests (OGTT) bei der AbklÀrung vor einer Organtransplantation.

Untersucht wurden 2.052 norwegische Nierentransplantationskandidaten ohne bekannten Diabetes aus einer Gesamtkohorte von 3.290 EmpfĂ€ngern zwischen 2007 und 2022. Die Kohorte wies einen MĂ€nneranteil von 66 Prozent, ein mittleres Alter von 54 Jahren sowie einen durchschnittlichen Body-Mass-Index von 25,8 auf. Die Resultate unterstreichen, dass herkömmliche Standardtests einen betrĂ€chtlichen Teil der Glukosestoffwechselstörungen ĂŒbersehen.

Hohe Dunkelziffer ohne Zwei-Stunden-Messung

In der norwegischen Untersuchung wiesen 165 Patienten (8 Prozent) wĂ€hrend der Vorbereitung auf die Transplantation mindestens einen Messwert im Diabetesbereich auf. Dabei zeigten sich erhebliche Unterschiede zwischen den Diagnosemethoden: Lediglich 48 dieser 165 Betroffenen erfĂŒllten das Kriterium fĂŒr das glykierte HĂ€moglobin mit einem HbA1c von mindestens 48 mmol/mol.

Eine NĂŒchternplasmaglukose von mindestens 7,0 mmol/L lag bei nur 23 Patienten vor. DemgegenĂŒber erreichten 122 Personen den Grenzwert fĂŒr den 2-Stunden-Wert von mindestens 11,1 mmol/L.

Insgesamt wurden 74 Prozent der FĂ€lle ausschließlich ĂŒber diesen 2-Stunden-Wert des OGTT identifiziert. Ohne den Test wĂ€ren lediglich 65 Patienten (39 Prozent) erkannt worden – rund sechs von zehn DiabetesfĂ€llen wĂ€ren damit unentdeckt geblieben. Zudem fielen von den 1.887 Patienten ohne Befund im Diabetesbereich 976 Personen (52 Prozent) in den PrĂ€diabetesbereich.

Methodische Einflussfaktoren und Grenzwerte

Die Notwendigkeit genauer Testverfahren wird auch durch bekannte EinschrĂ€nkungen einzelner Laborwerte gestĂŒtzt. Einer Übersicht von Takao Kimura zufolge gelten als allgemeine Diagnosegrenzen fĂŒr einen manifesten Diabetes ein HbA1c von mindestens 6,5 Prozent (48 mmol/mol), eine NĂŒchternplasmaglukose von mindestens 126 mg/dL (7,0 mmol/L) sowie ein 2-Stunden-OGTT-Wert von mindestens 200 mg/dL (11,1 mmol/L).

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FĂŒr den PrĂ€diabetes unterscheiden sich die Richtlinien im Detail: Die American Diabetes Association definiert ihn ĂŒber einen HbA1c von 5,7 bis 6,4 Prozent (39 bis 46 mmol/mol) und eine NĂŒchternplasmaglukose von 100 bis 125 mg/dL (5,6 bis 6,9 mmol/L).

Die Weltgesundheitsorganisation setzt Grenzwerte von 6,0 bis 6,4 Prozent (42 bis 46 mmol/mol) beim HbA1c und 110 bis 125 mg/dL (6,1 bis 6,9 mmol/L) bei der NĂŒchternplasmaglukose an. Beide Organisationen stufen einen 2-Stunden-Wert im OGTT zwischen 140 und 199 mg/dL (7,8 bis 11,0 mmol/L) ĂŒbereinstimmend als PrĂ€diabetes ein.

Die Serumglukose ohne Glykolysehemmer liegt bei Glukosemessungen etwa 4 mg/dL niedriger als in Plasma mit entsprechendem Inhibitor, zudem wird der HbA1c-Wert durch Eisenmangel, HĂ€molyse, HĂ€moglobinvarianten und die Analysemethode beeinflusst.

Physiologische ZusammenhÀnge der Insulin-Clearance

Über die reine Diagnosestellung hinaus liefert der OGTT physiologische Kennzahlen zur Stoffwechselfunktion. Eine retrospektive Querschnittsstudie an 166 Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes, die vor ihrer Aufnahme kein exogenes Insulin erhielten, untersuchte ZusammenhĂ€nge zwischen Fettverteilung und Stoffwechsel. Dabei war jede Zunahme des computertomografisch gemessenen Leberfetts um eine Standardabweichung (1-SD) mit einer um 8,44 Prozent niedrigeren OGTT-basierten Insulin-Clearance verbunden (95-Prozent-Konfidenzintervall: -12,69 bis -3,98 Prozent; Holm-adjustierter P-Wert unter 0,001).

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FĂŒr das viszerale Fett zeigte sich in derselben Untersuchung eine statistisch nicht signifikante Assoziation von -6,13 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall: -12,29 bis 0,46 Prozent; Holm-adjustierter P-Wert gleich 0,067) ohne Hinweis auf eine NichtlinearitĂ€t (P-Wert gleich 0,380).

Die Studienautoren ordnen diese Beobachtung als hypothesengenerierend ein; ein Nachweis dafĂŒr, dass Leberfett ein stĂ€rkeres Korrelat bildet als andere Fettdepots, liege damit nicht vor.

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