DĂ€nemark, Frankreich

Kampf gegen Krebs - WHO wirbt fĂŒr konsequente Alkoholpolitik

14.10.2025 - 12:19:16

Nirgends auf der Welt trinken die Menschen so viel Alkohol wie in der EU. Das hat erhebliche gesundheitliche Folgen. Die WHO hat daher eine klare Botschaft an die zustÀndigen Regierungen.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO wirbt im Kampf gegen Zehntausende Krebserkrankungen in Europa fĂŒr entschiedene politische Maßnahmen gegen Alkohol. «Eine konsequente Alkoholpolitik gehört zu den klĂŒgsten Investitionen, die man tĂ€tigen kann», teilten das WHO-RegionalbĂŒro Europa und die Internationale Agentur fĂŒr Krebsforschung (IARC) anlĂ€sslich der Veröffentlichung eines umfassenden Berichts zur KrebsprĂ€vention mit. Eine solche Politik rette Leben, spare Geld und zeige zudem schon innerhalb weniger Jahre ihre Wirkung.

Die EuropĂ€ische Union ist nach WHO-Angaben die Subregion mit dem höchsten Alkoholkonsum der Erde und noch dazu eine, in der Krebs mittlerweile als die hĂ€ufigste Todesursache gilt. Im Vergleichsjahr 2020 hat Alkohol in der EU demnach schĂ€tzungsweise 111.300 neue KrebsfĂ€lle verursacht, darunter Zehntausende FĂ€lle von Darm-, Brust- und Mundhöhlenkrebs. In fast sieben von zehn FĂ€llen sind MĂ€nner davon betroffen. Hinzu kĂ€men Milliardenkosten fĂŒr die EU-LĂ€nder.

Alkoholbesteuerung und weniger Werbung 

In dem neuen Bericht wirft die in Lyon ansĂ€ssige WHO-Einrichtung IARC nun erstmals einen genaueren Blick auf die Vorbeugung von alkoholbedingten Krebserkrankungen, zu denen die Experten mindestens sieben verschiedene Krebsarten zĂ€hlen. Die Ergebnisse des Berichts ließen keine Zweifel, hieß es von der in Kopenhagen ansĂ€ssigen WHO Europa: «Alkoholbesteuerung, eingeschrĂ€nkte VerfĂŒgbarkeit und strenge Vermarktungsverbote verringern den Alkoholkonsum auf Bevölkerungsebene und verringern damit wiederum die Krebsbelastung.» 

Zu den geeigneten Maßnahmen zĂ€hlten die Experten auch die Anhebung des Mindestalters fĂŒr den Kauf und den Konsum alkoholischer GetrĂ€nke sowie staatliche Monopole zur Kontrolle des Alkoholverkaufs. Trotz wachsender Belege fĂŒr die EffektivitĂ€t solcher Maßnahmen werde davon in Europa nach wie vor zu wenig Gebrauch gemacht.

Alkohol als «Kulturerbe»?

Die WHO zĂ€hlt mehr als 50 LĂ€nder zur Region Europa, darunter die EU und Staaten östlich davon bis hinein nach Zentralasien. Diese Region und davon insbesondere die LĂ€nder der Subregion EU zahlten einen zu hohen Preis fĂŒr Alkohol in Form von vermeidbaren Krebserkrankungen, zerrĂŒtteten Familien sowie Milliardenkosten fĂŒr die Steuerzahler, monierte Gundo Weiler, der Direktor fĂŒr PrĂ€vention und Gesundheitsförderung bei der WHO Europa.

«Manche bezeichnen Alkohol als "Kulturerbe", aber Krankheit, Tod und Behinderung sollten nicht als Teil der europÀischen Kultur normalisiert werden», kritisierte Weiler. «Die WHO-Region Europa kann sich nicht die Illusion leisten, dass Alkoholkonsum harmlos sei.»

@ dpa.de