Nokia plant Nvidia-GPUs für 6G: Strategischer Bruch mit eigenen Chips
Veröffentlicht am: 28.07.2026 um 12:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der finnische Telekomausrüster plant einen radikalen Umbau seiner Funktechnik. Statt eigener Prozessoren sollen künftig Grafikchips von Nvidia die Basis für die sechste Mobilfunkgeneration liefern.
KI statt klassischer Signalverarbeitung
Nokia erwägt den Einsatz von Nvidia-Grafikprozessoren (GPUs) in seinen künftigen 6G-Funkmodulen. Das wäre ein strategischer Bruch mit der traditionellen Funkarchitektur. Ziel ist es, die spektrale Effizienz durch KI-basierte Funkzugangsnetze (AI-RAN) bis 2028 zu verdoppeln.
Die bisher genutzten digitalen Signalprozessoren (DSPs) von Anbietern wie CEVA sollen durch GPU-Lösungen ersetzt werden. Diese kommen mit den komplexen Berechnungen für 6G-Netze besser zurecht. Nokias Führungskräfte Hotard und Atkinson haben die Pläne bestätigt.
Der Rivale Ericsson setzt dagegen weiterhin auf eigene Spezialchips für die Funkverarbeitung. Nokia testet seine KI-gesteuerte Funktechnologie bereits mit Netzbetreibern wie T-Mobile US und Indosat.
Hybride Architektur mit mehreren Partnern
Ganz aufgeben will Nokia die eigene Chipentwicklung nicht. Für die Layer-2-Verarbeitung und höhere Ebenen setzt das Unternehmen weiterhin auf Marvell-Prozessoren. Die hauseigenen ABIP-Chips bleiben für Layer-1-Operationen erste Wahl.
Die mögliche Integration von Nvidia-GPUs für rechenintensive KI-Aufgaben zeigt jedoch einen klaren Trend: Die Branche bewegt sich hin zu softwaredefinierter, KI-nativer Infrastruktur.
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KI-Boom beschert Nokia Rekordaufträge
Die neuen Hardware-Pläne kommen zu einem günstigen Zeitpunkt. Nokia verzeichnet eine starke Nachfrage nach KI-Infrastruktur. Ende Juli 2026 stieg der Aktienkurs in Helsinki auf 8,01 Euro – ausgelöst durch einen sprunghaften Anstieg der Auftragseingänge.
Die Zahlen für das zweite Quartal 2026 sprechen eine deutliche Sprache:
- KI-Cloud-Aufträge in Höhe von 2,8 Milliarden Euro – mehr als das Sechsfache des Quartalsumsatzes in diesem Segment
- Gesamtumsatz von 4,815 Milliarden Euro (plus 8 Prozent)
- Vergleichbarer operativer Gewinn von 434 Millionen Euro (Analysten hatten 382 Millionen erwartet)
- Negativer freier Cashflow von 732 Millionen Euro
Den Ausblick für das Gesamtjahr hält Nokia aufrecht: Der operative Gewinn soll zwischen 2,1 und 2,6 Milliarden Euro liegen. Die Ergebnisse für das dritte Quartal erscheinen am 22. Oktober 2026.
Nvidia erobert die Telekommunikation
Nvidias möglicher Einstieg in Nokias 6G-Lieferkette ist Teil einer massiven Expansion des Chipriesen. Erst kürzlich stellte Nvidia den Spectrum-6-Ethernet-Switch vor – mit einer Durchsatzleistung von 102,4 Terabit pro Sekunde. Entwickelt wurde er speziell für die "Vera-Rubin"-GPU-Umgebungen. Zu den ersten Kunden zählen Microsoft, Tesla und SpaceX AI.
In Südkorea ist Nvidia an einer 500-Milliarden-Dollar-Initiative für KI-Infrastruktur mit der SK Group beteiligt. Das Projekt umfasst KI-Fabriken von SK Telecom und Naver, die ab 2027 und 2028 mit 100.000 Vera-Rubin-GPUs und HBM4-Speicher betrieben werden sollen.
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KI beschleunigt Chipdesign
Nvidia nutzt seine eigenen "Vera"-Prozessoren zudem, um das Design künftiger Halbleiter zu beschleunigen. Mit KI-Agenten und speziellen Bibliotheken wie PhysicsNeMo und CUDA-X haben Nvidia und Partner wie Cadence, Synopsys und Siemens die Simulations- und Verifikationszyklen von Wochen auf Tage verkürzt. Branchenanalysten erwarten, dass diese Fortschritte bis 2030 eine weltweite Produktion von zwei Billionen Chips ermöglichen.
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