Notfallkosten: 37 Prozent geraten bei einer Ausgabe von 3.000 Euro in Schwierigkeiten
Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 23:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie finanzielle Belastung durch Wohnen und grundlegende Lebenshaltungskosten greift tief in den Alltag vieler BĂŒrger in Deutschland ein. Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des Sozialverbands Deutschland (SoVD) unter rund 2.500 Mieterinnen und Mietern verdeutlicht den Druck auf die Budgets: Mehr als die HĂ€lfte der Befragten schrĂ€nkt sich wegen Miete und Nebenkosten stark finanziell ein, rund 20 % tun dies sehr stark. Im Detail gaben 53 % eine starke und 18 % eine sehr starke finanzielle EinschrĂ€nkung an.
Junge Generationen passen Lebensplanung an
Besonders ausgeprĂ€gt sind die Belastungen bei jĂŒngeren Menschen. In der Altersgruppe der 18- bis 29-JĂ€hrigen gaben rund zwei Drittel an, sich stark einzuschrĂ€nken; bei den 30- bis 39-JĂ€hrigen liegt der Anteil bei 60 %.
Fast die HÀlfte aller befragten Mieter hat wegen der Wohnkosten bereits LebensplÀne modifiziert. Mehr als ein Viertel verÀnderte die Wohnungswahl, rund 20 % passten den Wohnort an und 10 % die Familienplanung.
Bei den 18- bis 29-JĂ€hrigen Ă€nderten 40 % die Wohnungswahl und 30 % die Wohnortwahl, wĂ€hrend 20 % den Auszug aus dem Elternhaus verschoben. Unter den 30- bis 39-JĂ€hrigen passte fast jede vierte Person die Familienplanung an. Insgesamt hĂ€lt fast die HĂ€lfte der Befragten die eigene Miete fĂŒr zu hoch â bei den unter 40-JĂ€hrigen sind es rund sechs von zehn.
Eine Besserung sehen die wenigsten: 61 % erwarten keine bezahlbareren Mieten. Der SoVD fordert daher eine wirksamere Mietbegrenzung und mehr sozialen Wohnungsbau, wĂ€hrend Kommentare vor weiteren KĂŒrzungen beim Wohngeld warnen.
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Schwindende RĂŒcklagen und eingeschrĂ€nkte ZahlungsfĂ€higkeit
Dass die finanzielle Lage vieler Haushalte angespannt bleibt, untermauern weitere Erhebungen. Nach einer YouGov-Umfrage im Auftrag von Postbank und Deutscher Bank, die vom 2. bis zum 5. Oktober 2026 unter 2.117 Personen durchgefĂŒhrt wurde, nutzen 42,6 % der Befragten Ersparnisse zur Deckung der Lebenshaltungskosten. Rund 13,8 % verfĂŒgen ĂŒber keinerlei RĂŒcklagen.
Bei Haushalten mit einem Monatsnettoeinkommen von höchstens 2.500 Euro können lediglich 21,4 % die laufenden Kosten decken. In dieser Einkommensgruppe können 15,2 % die Lebenshaltungskosten kaum noch bezahlen, was einem Zuwachs von 2,4 Prozentpunkten gegenĂŒber der Vergleichsumfrage aus dem MĂ€rz entspricht (damals 12,8 %).
Insgesamt fĂŒhlen sich 66,8 % nicht ausreichend rĂŒcklagenfĂ€hig; lediglich 28 % halten ihre Sparleistung fĂŒr ausreichend. Ulrich Stephan, Chefanlagestratege bei Deutscher Bank und Postbank, erklĂ€rte hierzu, dass die Reallöhne zwar gestiegen seien, sich die Lage jedoch nicht fĂŒr alle Haushalte entspanne.
Auch eine Civey-Umfrage fĂŒr die Debeka vom 9. bis 15. September 2026 zeigt Verwundbarkeiten auf: 37 % der Befragten gerieten bei einer unerwarteten Ausgabe von 3.000 Euro in finanzielle Schwierigkeiten. Bei den 18- bis 29-JĂ€hrigen betrifft dies 63 %, bei Haushalten mit Kindern 46 % und bei kinderlosen Haushalten 34 %.
Bei einem vollstĂ€ndigen Einkommensausfall könnten 51 % der Nicht-RuhestĂ€ndler ihre laufenden Ausgaben höchstens drei Monate decken, 22 % sogar weniger als einen Monat und 23 % lĂ€nger als ein halbes Jahr. Zur Kompensation wĂŒrden 54 % zuerst Alltagsausgaben einschrĂ€nken, wĂ€hrend 14 % SparbeitrĂ€ge oder Vorsorge reduzieren wĂŒrden.
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Anhaltender Druck im wirtschaftlichen Umfeld
Das Konsumklima des Marktforschungsinstituts NIM wird fĂŒr November 2026 bei -30,8 Punkten erwartet (nach -22,5 Punkten im November 2025; der historische Tiefstwert lag im Oktober 2022 bei -42,8 Punkten). Laut vorlĂ€ufigen Daten des Statistischen Bundesamtes lag die Inflationsrate im Oktober 2026 bei 2,8 % nach 3,3 % im September, wobei sich Energie im Vorjahresvergleich um 12,2 % verteuerte.
Zwar stiegen die Reallöhne im zweiten Quartal 2026 um 1,5 % gegenĂŒber dem Vorjahreszeitraum, doch wies der Risiko- und Kreditkompass 2026 der Schufa fĂŒr das Jahr 2025 bereits einen Anstieg des Anteils von Verbrauchern mit Zahlungsstörungen von 7,9 auf 8,1 % aus.
