npm-Angriff: Malware infiziert 444 Pakete in unter 4 Stunden
Veröffentlicht am: 04.08.2026 um 22:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein massiver Lieferketten-Angriff auf das JavaScript-Paket-Ökosystem npm hat am heutigen Dienstag Hunderte Softwarepakete kompromittiert – darunter die weit verbreitete Bibliothek Keyv. Sicherheitsforscher gehen von über zwei Milliarden monatlichen Downloads der betroffenen Pakete aus.
Angriff auf beliebte Entwickler-Bibliotheken
Die Angreifer verschafften sich Zugang zum GitHub-Konto eines Maintainers von Keyv, einer populären Bibliothek zur persistenten Schlüssel-Wert-Speicherung mit schätzungsweise 127 bis 154 Millionen wöchentlichen Downloads. Anschließend veröffentlichten sie manipulierte Versionen mehrerer Kernpakete, darunter keyv 6.0.0, flat-cache 6.1.24 und file-entry-cache 11.1.6.
Der Angriff weitete sich binnen weniger Stunden zu einem sich selbst verbreitenden Wurm aus. Innerhalb von weniger als vier Stunden infizierte die Schadsoftware mindestens 444 Pakete und über 2.200 Versionen. Branchenbeobachter schätzen, dass die Gesamtzahl der infizierten Pakete 1.300 übersteigen könnte. Betroffen sind zahlreiche Unternehmen, darunter Deliveroo, Qlik und Picsart, die diese Abhängigkeiten in ihren CI/CD-Pipelines einsetzen.
Mehrstufiger Infektionsprozess
Die als Shai-Hulud oder ChainDrop bekannte Malware-Familie arbeitet mit einem ausgeklügelten mehrstufigen Verfahren. Ein Preinstall-Hook – häufig ein Skript namens setup.mjs – lädt zunächst eine Version der Bun-Runtime herunter, um die zweite Stufe auszuführen. Diese sammelt sensible Zugangsdaten aus kompromittierten Umgebungen: Tokens für AWS, GitHub, npm, Kubernetes, Vault, Stripe, Slack, Azure und Google Cloud Platform. Auch Kryptowährungs-Wallets und KI-Konfigurationsdateien stehen im Visier.
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Der Datendiebstahl erfolgt über verschiedene Wege. Einige Varianten nutzen Ethereum-RPC-Infrastruktur für die Kommando- und Kontroll-Kommunikation, andere verschlüsseln die gestohlenen Daten mit RSA-4096 und laden sie in öffentliche GitHub-Repositories hoch – versehen mit dem Tag „Shai-Hulud: Here We Go Again“.
Für die Persistenz im System installiert der Wurm Hooks in Entwicklerwerkzeugen wie Visual Studio Code und Claude Code. Zusätzlich enthält die Malware einen „Dead-Man's Switch“, der bei einer Sperrung der GitHub-Tokens der Angreifer bestimmte Aktionen auslösen soll.
Sicherheitslücke bei Signaturverfahren
Besonders bemerkenswert: Die kompromittierten Pakete wurden mit gültiger SLSA-Provenienz (Supply-chain Levels for Software Artifacts) veröffentlicht – obwohl sie Schadcode enthielten. Da die Angreifer die Kontrolle über ein legitimes Maintainer-Konto hatten, betrachteten die automatisierten Build- und Signaturprozesse die bösartigen Releases als autorisiert. Sicherheitsexperten sehen darin eine grundlegende Schwäche: Automatisierte Provenienz- und Signaturprüfungen bieten keinen Schutz, wenn die zugrunde liegende Identität oder das Quell-Repository selbst kompromittiert ist.
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Dringende Handlungsempfehlungen
Sicherheitsforscher raten Entwicklern, jedes System, das betroffene Versionen installiert hat, als vollständig kompromittiert zu behandeln. Konkret empfehlen sie, Keyv-Abhängigkeiten sofort auf Version 5.6.0 zu fixieren und sämtliche Releases der 6.x.x-Reihe vorerst zu meiden.
Unternehmen sollten alle Zugangsdaten und Geheimnisse rotieren, die in Umgebungen mit ausgeführten Schadpaketen vorhanden waren. Da die Malware Watcher und Persistenz-Hooks installiert, empfehlen Experten, betroffene CI/CD-Umgebungen und Entwickler-Workstations aus bekannten sauberen Zuständen neu aufzubauen – ein bloßes Löschen der bösartigen Pakete genügt nicht. Branchenanalysten raten zudem, Paketmanager auf den neuesten Stand zu bringen und strengere Token-Berechtigungen einzuführen, um die Selbstverbreitung bei künftigen Vorfällen einzudämmen.
