Parkinson, Punkte

NR bei Parkinson: 2,72 Punkte Unterschied zugunsten der Placebo-Gruppe

Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 17:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die NOPARK-Studie fand für NR bei früher Parkinson-Erkrankung keinen klinischen Nutzen; weitere Langzeitdaten zu NMN fehlen.
Laborumgebung mit Glasgefäßen und einer klaren Flüssigkeitsprobe bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Die Moleküle Nicotinamid-Mononukleotid (NMN) und Nicotinamid-Ribosid (NR) stehen im Zentrum des wissenschaftlichen Interesses an zellulären Alterungsprozessen. Beide Substanzen leiten sich biochemisch von Vitamin B3 ab und dienen als wesentliche Bausteine für die Bildung von Nicotinamidadenindinukleotid (NAD+).

Während NMN als direkter Vorläufer fungiert und im Organismus rasch zu NAD+ konvertiert wird, durchläuft NR einen Zwischenschritt: Es wird zunächst in NMN und erst danach in NAD+ überführt.

Erste wissenschaftliche Daten deuten darauf hin, dass NMN den NAD+-Spiegel besonders schnell und wirksam anheben kann, während für NR möglicherweise zusätzliche neuroprotektive Eigenschaften in Betracht kommen. Beide Stoffe sind frei verkäuflich in Form von Pulvern oder Kapseln erhältlich.

Stoffwechselwege der zellulären NAD+-Synthese

Zellen greifen auf zwei Hauptpfade zurück, um NAD+ zu generieren: die De-novo-Biosynthese aus Tryptophan oder Nicotinsäure sowie sogenannte Salvage-Wege zur Wiederverwertung. Innerhalb dieses Wiederverwertungswegs wandeln spezifische NRK-Enzyme das als CAS 1341-23-7 gelistete NR in NMN um, welches anschließend zu NAD+ weiterverarbeitet wird.

Nicotinamid wiederum wird über das Enzym NAMPT direkt zu NMN umgesetzt. NR zeichnet sich als Vitamin-B3-Form dadurch aus, dass es bestimmte Stoffwechselschritte umgehen und effizient verstoffwechselt werden kann.

Gleichzeitig unterliegt NAD+ einem kontinuierlichen Verbrauch durch Sirtuine, Poly(ADP-Ribose)-Polymerasen (PARPs) und das Enzym CD38. Gerät dieser Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht, wird dies mit metabolischen Syndromen, neurodegenerativen Erkrankungen und allgemeinen biologischen Alterungsprozessen verknüpft.

Neben den klassischen Vorstufen kann auch Deazaflavin (CAS 26908-38-3) die biologische Aktivität von NAD+-Vorläufern nachahmen. Es kann als Förderer oder Vorläufer der NAD+-Synthese wirken und fungiert zugleich als Antioxidans, das reaktive Sauerstoffspezies neutralisiert.

Biologische Effekte und präklinische Beobachtungen

Mit einer gezielten Supplementierung von NR werden in Fachartikeln vor allem drei Mechanismen verbunden: eine zügige Umwandlung in NAD+ nach der Einnahme, eine gesteigerte ATP-Produktion über die Mitochondrienaktivität sowie die Unterstützung der DNA-Reparatur über das zelluläre PARP-System.

Ausreichende NAD+-Werte werden zudem mit Vorteilen für die Herz-Kreislauf-Gesundheit und die kognitiven Fähigkeiten assoziiert. Klinische Studien liefern diesbezüglich positive Hinweise auf den Erhalt der Kognition sowie eine verbesserte Regulation des Zucker- und Fettstoffwechsels.

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NMN wiederum wird primär herangezogen, um altersbedingt sinkende NAD+-Konzentrationen wiederaufzufüllen, was unter anderem über die Aktivierung NAD+-abhängiger Sirtuine vermittelt wird.

In präklinischen Tierstudien führte die Gabe von NMN bei Nagetieren zu einer optimierten Mitochondrienfunktion, einer gesteigerten Insulinsensitivität, höherer körperlicher Ausdauer und einer verlängerten Lebensdauer. Erste Untersuchungen am Menschen weisen auf eine gute Sicherheit und Verträglichkeit hin, wenngleich größere Langzeitstudien noch ausstehen.

Klinische Evidenz und Grenzen: Die NOPARK-Studie

Trotz theoretischer Schutzmechanismen zeigen klinische Untersuchungen auch methodische Grenzen auf. In der norwegischen NOPARK-Studie unter der Leitung von Fachleuten der Universität Bergen wurden 410 Personen mit früher Parkinson-Erkrankung an elf Zentren untersucht. Die Teilnehmenden erhielten über einen Zeitraum von 52 Wochen randomisiert entweder Nicotinamid-Ribosid in einer Dosierung von zweimal täglich 500 mg oder ein Placebo.

Nach Ablauf der 52 Wochen verschlechterte sich der MDS-UPDRS-Score in der Verum-Gruppe um 2,45 Punkte. Die berechnete Differenz lag bei 2,72 Punkten zugunsten der Placebo-Gruppe; dieser Unterschied war zwar statistisch signifikant, erreichte jedoch nicht die Schwelle für klinische Relevanz.

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Schwere unerwünschte Ereignisse traten bei 17 Personen (8,3 Prozent) unter Ribosid auf, verglichen mit 29 Betroffenen (14,1 Prozent) in der Placebo-Gruppe. Die Studienautoren kamen zu dem Schluss, dass NR keinen klinischen Nutzen bei früher Parkinson-Krankheit bietet und außerhalb kontrollierter Studien nicht empfohlen werden sollte.

Verfügbarkeit am Markt

Ungeachtet der differenzierten Studienlage existiert ein breites Angebot an Nahrungsergänzungsmitteln. Eine Expertenauswahl des Magazins Fortune führte mehrere Präparate auf, die durch unabhängige Prüfstellen zertifiziert sind und in Kapselform angeboten werden.

Dazu zählen Produkte wie Wonderfeel Youngr NMN mit 900 mg NMN (Bewertung 4 von 5), PartiQlar Pure NMN (500 mg NMN, 4,5 von 5), Omre NMN+Resveratrol (500 mg NMN, 4,5 von 5) sowie Healthletic Tri-Active Cellular Longevity Complex (500 mg NMN, 4,5 von 5).

Ebenfalls gelistet sind Innerbody Labs NAD+ Support (700 mg NMN, 4 von 5), Nutricost NAD+ (1.000 mg NAD, 4 von 5) sowie Tru Niagen mit 1.000 mg Niagen (4,3 von 5).

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