NS-Raubkunst, Köln

NS-Raubkunst: Köln restituiert Rottenhammer-Werk an Berolzheimer-Erben

Veröffentlicht: 07.07.2026 um 16:10 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Die Aufarbeitung künstlerischer Nachlässe verbindet klassische Archivarbeit mit moderner Digitalisierung und Provenienzforschung.

Kunstnachlässe: Digitalisierung und Restitution im Fokus
NS-Raubkunst - Nahaufnahme von behandschuhten Händen, die ein altes, zerbrechliches Dokument prüfen, mit unscharfen Bücherregalen und digitaler Ausrüstung im Hintergrund. 07.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Im Fokus stehen klassische Archivarbeit, moderne Digitalisierungstechnik und die kritische Auseinandersetzung mit der Provenienz der Werke. Aktuelle Projekte in Deutschland, Österreich und der Schweiz zeigen den hohen finanziellen und wissenschaftlichen Aufwand für die Erhaltung des kulturellen Erbes.

Systematische Erschließung und Förderung

Ein wesentlicher Aspekt der Nachlassverwaltung ist die wissenschaftliche Verzeichnung. So erschließt die Staats- und Universitätsbibliothek Bremen gemeinsam mit dem Heimatmuseum Scheeßel den Nachlass von Ernst Müller-Scheeßel (1863–1936). Die VGH-Stiftung fördert das Vorhaben mit einem Volumen von über 420.000 Euro. Der rund 5.500 Einheiten umfassende Bestand aus Briefen, Fotos und Plakaten wird in der Kalliope-Datenbank verzeichnet.

Parallel zur klassischen Archivierung gewinnen technologische Ansätze an Bedeutung. Das Forschungsprojekt „A Mimeo Archaeology“ (AMA) erforscht die Mimeographie – ein KI-gestütztes Tool namens MAID soll mimeographierte Dokumente automatisiert identifizieren. Die Ergebnisse werden auf einer Open-Access-Plattform bereitgestellt.

Auch in der Schweiz schreitet die Digitalisierung voran. Die Stiftsbibliothek St. Gallen und die Kantonsbibliothek Vadiana digitalisieren über 1.000 historische Drucke aus der Zeit vor 1805. Darunter finden sich seltene Einblattdrucke und Trachtenbücher. Die ETH-Bibliothek bereitet die Dokumente auf – künftig sind sie über die Plattform e-rara.ch im Volltext durchsuchbar.

Provenienzforschung und rechtliche Restitution

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Die Aufarbeitung von Kunstsammlungen umfasst zunehmend die Klärung rechtmäßiger Eigentumsverhältnisse – besonders bei NS-Raubkunst. Der Rat der Stadt Köln beschloss am 2. Juli 2026 die Restitution der Federzeichnung „Venus und Amor“ von Johann Rottenhammer d. Ä. an die Erben des Sammlers Michael Berolzheimer. Das Werk war 1939 unter nationalsozialistischem Druck versteigert worden.

Einen differenzierten Umgang mit Stifterpersönlichkeiten zeigt das Linzer Schlossmuseum. Vom 10. Juli bis 11. Oktober 2026 präsentiert es grafische Werke der Sammlung Kastner – darunter Arbeiten von Egon Schiele und Gustav Klimt. Die Ausstellung thematisiert auch den Stifter Walther Kastner kritisch. Dem Juristen und ehemaligen Semperit-Vorstand war 2023 das Ehrendoktorat aberkannt worden, wegen seiner Beteiligung an Arisierungen.

Wiederentdeckungen und öffentliche Sichtbarkeit

Dass selbst systematisch erfasste städtische Sammlungen Überraschungen bergen, zeigt ein Fund in Frankfurt am Main. In einer Schule wurde das Gemälde „Schloss und Reich des Lirad“ von Ursula Schultze-Bluhm wiederentdeckt. Das Werk aus dem Jahr 1963 befand sich seit 1970 in dem Gebäude. Im März 2027 soll es als Leihgabe für eine Retrospektive in Bern dienen. Die Stadt Frankfurt hatte erst vor einigen Jahren begonnen, ihre Kunstbestände im öffentlichen Raum systematisch neu zu katalogisieren.

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Auch private Funde können historische Kontexte klären. Ein aktueller Tresorfund in Gera gibt Aufschluss über das Wirken eines lokalen Unternehmers und Mäzens, der eine bedeutende Sammlung von Werken des 19. Jahrhunderts zusammengetragen hatte.

Neben der Archivierung bleibt die Präsentation zentral. In Düsseldorf startete am 5. Juli 2026 die Verkaufsausstellung „DIE GROSSE“ im Kunstpalast – 170 künstlerische Positionen sind bis zum 9. August zu sehen. In Gmunden präsentierte die Messe „Potentials OÖ“ zeitgenössische Werke in Verbindung mit einer Sonderausstellung zur barocken Bildhauerfamilie Schwanthaler. Diese Formate verdeutlichen den Kreislauf von der privaten Sammlung über die wissenschaftliche Erschließung bis zur musealen oder marktbezogenen Verwertung.

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