NSAR, Pille

NSAR und Pille: Studie mit 3 Millionen Frauen stellt Thromboserisiko infrage

Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 08:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Daten von über drei Millionen Frauen sprechen für einen Einfluss der Grunderkrankung; einen direkten NSAR-Effekt schließen die Forschenden nicht aus.
Ein minimalistischer, heller Behandlungsraum in einer Arztpraxis mit einem leeren Stuhl und einer Untersuchungsliege. Illustration mit AI erstellt.

Die gleichzeitige Einnahme von nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) und hormonellen Verhütungsmitteln galt in der Medizin lange als potenzieller Verstärker für venöse Thromboembolien.

Eine im Fachjournal The Lancet Obstetrics, Gynaecology, & Women's Health publizierte Untersuchung kommt nun zu dem Ergebnis, dass Wirkstoffe wie Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen bei Frauen unter hormoneller Kontrazeption wahrscheinlich nicht die primäre Ursache für das Auftreten von Blutgerinnseln sind.

Zeitlicher Verlauf deutet auf Einfluss der Grunderkrankung

Die Untersuchung stützt sich auf Datensätze von über 3 Mio. Frauen im Alter von 15–49 Jahren aus Dänemark, Norwegen, Spanien und Großbritannien, die den Zeitraum von 2014–2024 abdecken.

Bei der Analyse des zeitlichen Auftretens von Gefäßverschlüssen zeigte sich ein auffälliges Muster: Das Risiko für Blutgerinnsel stieg bereits in den 2 Wochen vor Beginn der NSAR-Einnahme an, erreichte genau am Tag des Behandlungsstarts seinen Höchststand und ging nach dem Absetzen der Medikation wieder zurück.

Anzeige

Wer regelmäßig auf Schmerzmittel angewiesen ist, sorgt sich oft um langfristige Folgen oder Fehldiagnosen der Ursachen. Dieser kostenlose Report hilft Ihnen, wichtige Laborwerte selbst zu interpretieren und so die eigene Gesundheit gezielter zu schützen. Kostenlosen Laborwerte-Selbstcheck jetzt anfordern

Dasselbe Muster trat auch bei Paracetamol auf, das im Rahmen der Untersuchung als Negativkontrolle herangezogen wurde. Die Studienautoren führen dieses Phänomen darauf zurück, dass die jeweilige Grunderkrankung, die den Einsatz des Schmerzmittels überhaupt erst erforderlich machte, mindestens teilweise zum Risiko beiträgt.

Ein direkter Effekt durch die NSAR-Präparate sei damit zwar nicht vollständig auszuschließen, die Schmerztherapie allein scheine jedoch nicht der ausschlaggebende Treiber zu sein. Da es sich um eine observationelle Beobachtungsstudie handelt, liefert die Arbeit keinen formalen Kausalitätsbeweis.

Einordnung bestehender Vergleichsdaten

Die Ergebnisse ergänzen die bisherige Datenlage zu Wechselwirkungen bei der Empfängnisverhütung. Eine frühere dänische BMJ-Studie von 2023, die 2 Mio. Frauen umfasste, hatte ein erhöhtes Aufkommen von Blutgerinnseln bei der Kombination hormoneller Kontrazeption mit NSAR festgestellt, insbesondere bei neueren Pillenpräparaten.

Laut Angaben von Medicin.dk liegt das Basisrisiko für eine Thromboembolie bei Frauen im Alter von 15–49 Jahren ohne hormonelle Kontrazeption bei etwa 2 von 10.000 pro Jahr. Bei der Einnahme einer Pille der 2. Generation steigt der Wert auf 5–7 pro 10.000 pro Jahr, während er bei Präparaten der 3./4. Generation 9–12 pro 10.000 pro Jahr erreicht.

Generell kommen statistisch bei Anwenderinnen kombinierter Kontrazeptiva je nach Formulierung etwa 5 bis 12 Thrombosen pro 10.000 Frauen im Jahr vor. Treffen mehrere Risikofaktoren zusammen, steigt die Wahrscheinlichkeit für Gefäßverschlüsse deutlich an.

Anzeige

Viele Menschen suchen nach Wegen, ihre Gesundheit ohne ständige Tabletteneinnahme zu unterstützen und Risikofaktoren besser zu verstehen. Erfahren Sie in diesem 25-seitigen Leitfaden, welche Werte wirklich wichtig sind und wie Sie Ihre Vitalstoff-Versorgung optimieren können. Gratis-Report: Laborwerte richtig verstehen

Risikofaktoren und medizinische Alternativen

Statt pauschal von einer kurzzeitigen NSAR-Anwendung abzuraten, empfehlen die Autoren der aktuellen Analyse, die individuellen Thromboserisikofaktoren von Patientinnen zu prüfen. Zu den relevanten Faktoren zählen frühere venöse Thromboembolien, Immobilisierung, Adipositas sowie Gerinnungsstörungen.

Auch anatomische Besonderheiten spielen eine Rolle, wie der Fall von Carolina Lopes veranschaulicht, bei der ein May-Thurner-Syndrom – eine Kompression der linken Beckenvene durch eine Arterie – diagnostiziert wurde. Da die Fallzahlen in einigen Untergruppen der Untersuchung klein ausfielen, weisen die Forscher darauf hin, dass weitere Studien notwendig seien.

Als Warnzeichen für eine akute Thromboembolie gelten plötzliche Atemnot, Brustschmerz, Schwindel, Herzrasen sowie Blässe an Nägeln und Lippen. Sofern Kontraindikationen gegen Estrogene bestehen, stehen Betroffenen alternative Verhütungsoptionen offen, darunter reine Gestagen-Methoden sowie Intrauterinpessare.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70379783 |