Chandrayaan, Mondflug

Indiens zweiter Versuch einer Mondlandung: Rakete gestartet

14.07.2023 - 11:44:18

Nur wenigen LÀndern gelang bislang eine Mondlandung. Indien will auch in diesen illustren Kreis. Der erste Versuch war gescheitert - doch nun ist wieder eine Rakete auf dem Weg zum Erdtrabanten.

  • Im Jahr 2019 war ein erster Versuch misslungen. Bei der Mission Chandrayaan-2 krachte das Landemodul auf die OberflĂ€che des Erdtrabanten. - Foto: Indian Space Research Organization/AP/dpa

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  • Das indische Raumschiff Chandrayaan-3 startet vom Satish Dhawan Space Centre. - Foto: Aijaz Rahi/AP/dpa

    Aijaz Rahi/AP/dpa

Im Jahr 2019 war ein erster Versuch misslungen. Bei der Mission Chandrayaan-2 krachte das Landemodul auf die OberflÀche des Erdtrabanten. - Foto: Indian Space Research Organization/AP/dpaDas indische Raumschiff Chandrayaan-3 startet vom Satish Dhawan Space Centre. - Foto: Aijaz Rahi/AP/dpa

Nach einem gescheiterten Versuch einer Mondlandung im Jahr 2019 versucht es Indien ein zweites Mal: Die Weltraumbehörde ISRO schickte wie geplant um 14.35 Uhr Ortszeit (11.05 Uhr deutscher Zeit) von der Satish Dhawan Space Station im Bundesstaat Andhra Pradesh eine Rakete mit einer Mondsonde an Bord in Richtung des Erdtrabanten.

«Start lĂ€uft normal», hieß es, wĂ€hrend die weiße Rakete in den bewölkten Himmel stieg. Und: «Jeder Inder, der dem Start live zuschaut, ist froh zuzuschauen, wie Geschichte geschrieben wird.»

Mit der unbemannten Mission «Chandrayaan-3» will Indien die kaum untersuchte SĂŒdseite des Mondes rund zwei Wochen lang erforschen. ZunĂ€chst muss aber die Landung klappen, die nach Plan am 23. oder 24. August erfolgen soll. Eine sanfte Landung schafften bislang nur die USA, die Sowjetunion und China. «Chandrayaan» bedeutet «Mondfahrzeug» auf Sanskrit.

Erster Mondlandeversuch 2019 gescheitert

Der erste Versuch Indiens war 2019 misslungen. Bei der Mission Chandrayaan-2 krachte das Landemodul auf die OberflĂ€che des Erdtrabanten. SpĂ€ter teilte die Weltraumbehörde dem Parlament in Neu Delhi mit, dass es wĂ€hrend der AnnĂ€herung an den Mond Probleme mit dem Bremsen gab. Zuvor hatte Indien bereits eine andere Mission zum Mond: Die Sonde «Chandrayaan-1» war 2008 gestartet und hatte den Mond umkreist, ohne auf ihm zu landen. Bei der aktuellen Mission soll die Mondumlaufbahn nach rund 15 bis 20 Tagen erreicht werden, hieß es. «Chandrayaan-3» wird auch UnterstĂŒtzung von Bodenstationen rund um den Globus erhalten, auch von der europĂ€ischen Weltraumorganisation Esa, wie diese mitteilte.

Vor dem zweiten Versuch besuchten Mitarbeiter der Weltraumbehörde den hinduistischen Tempel in der Stadt Tirupati im Bundesstaat Andhra Pradesh und baten um göttlichen Beistand. Der Chef der Behörde, Sreedhara Panicker Somanath, sagte Reportern dort am Donnerstag mit Blick auf das Weltraumfahrzeug: «Wir hoffen, dass alles gut geht und die Sonde am 23. August auf dem Mond landet.» In Indien ist Religion fĂŒr viele Menschen wichtig. Die meisten sind Hindus.

Indien verfolgt ehrgeizige Ziele

Indiens Weltraumprogramm begann in den 1960er Jahren. In den ersten Jahrzehnten lag der Fokus vorwiegend darauf, bestimmte Satelliten gĂŒnstig ins All zu befördern. Das Land schaffte sich
so einen Ruf, vergleichsweise gĂŒnstig Satelliten ins All zu bringen -
auch fĂŒr andere LĂ€nder.

Inzwischen hat Indien ehrgeizigere Ziele. Zuletzt wurde bei einem Besuch von Indiens Premierminister Narendra Modi bei US-PrĂ€sident Joe Biden eine verstĂ€rkte Zusammenarbeit in Sachen Raumfahrt angekĂŒndigt.

Neben der jetzigen Mondmission sind weitere Projekte geplant, die voraussichtlich ab Ende 2024 starten sollen. So soll es Missionen zur Venus («Shukrayaan-1») und zum Mars («Mangalyaan-2») geben. Zudem sollen Astronauten ins All geschickt werden («Gaganyaan»). Die Regierung möchte auch zunehmend auf den Privatsektor setzen, Privatfirmen dĂŒrfen die Infrastruktur der Weltraumbehörde nutzen. KĂŒrzlich schoss diese erstmals eine von einem einheimischen privaten Unternehmen entwickelte Rakete ins Weltall.

Einige Experten kritisieren, dass das Schwellenland mit seinen 1,4 Milliarden Einwohnern viel Geld fĂŒr große Weltraumprojekte ausgibt, wĂ€hrend noch viele Menschen in Armut leben.

@ dpa.de