Nvidia DSX AI Factories: 210.000 GPUs per Kredit statt Kauf
Veröffentlicht: 05.07.2026 um 13:42 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Statt nur Hardware zu verkaufen, finanziert das Unternehmen jetzt KI-Cloud-Anbieter und Startups – im Gegenzug für künftige Umsatzbeteiligungen.
Neues Erlösmodell für KI-Infrastruktur
Anfang Juli 2026 startete Nvidia ein Programm namens DSX AI Factories. Es erlaubt KI-Cloud-Anbietern und Startups, hochwertige Infrastruktur per Kredit zu beziehen. Dafür zahlen sie einen Teil ihrer künftigen Cloud-Umsätze sowie laufende Lizenzgebühren an Nvidia.
Das Modell senkt die hohen Anfangsinvestitionen für KI-Betreiber erheblich. Nvidia erhält den Hardware-Erlös sofort beim Verkauf – plus eine Beteiligung an der späteren Nutzung. Das Programm enthält zudem Rückkaufoptionen für ungenutzte Kapazitäten und Gutschriften für Startups.
Zwei Unternehmen haben bereits zugesagt: Sharon AI schloss einen Sechs-Jahres-Vertrag über den Einsatz von bis zu 40.000 GB300-GPUs ab. Das Unternehmen hatte nach seinem Börsengang im Februar 2026 rund 1,6 Milliarden Euro eingesammelt. Firmus Technologies nutzt das Programm für einen 360-Megawatt-Standort im indonesischen Batam – mit Ausbauplänen auf 170.000 GPUs. Zusammen kommen die beiden Deals auf rund 210.000 GPUs.
Zur Finanzierung dieser Kreditvergabe nahm Nvidia am 15. Juni 2026 über eine Anleihe 25 Milliarden Euro auf. Finanzvorständin Colette Kress zeichnet für die Deals verantwortlich, die an frühere Vereinbarungen mit Firmen wie CoreWeave und Lambda aus dem Jahr 2025 anknüpfen.
Führungswechsel und Rekordzahlen
Am 3. Juli 2026 holte Nvidia Nick Parker von Microsoft als neuen Chef der weltweiten Vertriebsorganisation. Sein Paket: eine Million Euro Grundgehalt, fünf Millionen Euro Handgeld und 40 Millionen Euro in Aktien. Der Schritt unterstreicht Nvidias wachsendes Engagement im Unternehmens-KI-Geschäft.
Die Zahlen des Konzerns bleiben beeindruckend. Im ersten Quartal 2026 erzielte Nvidia einen Umsatz von 81,61 Milliarden Euro – ein Plus von 85,2 Prozent im Jahresvergleich. Der Gewinn pro Aktie lag mit 1,87 Euro über den Erwartungen der Analysten. Die Marktkapitalisierung bewegte sich Anfang Juli zwischen 4,7 und 4,8 Billionen Euro. Ein neu genehmigtes Aktienrückkaufprogramm über 80 Milliarden Euro und eine erhöhte Quartalsdividende von 0,25 Euro untermauern die Stärke.
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Strategischer Schwenk zu „Weltmodellen"
Nvidia investiert zunehmend in sogenannte Weltmodelle – KI-Systeme, die physikalische Realität simulieren. Neben der Entwicklung eigener „Cosmos"-Modelle beteiligt sich der Konzern an mehreren führenden Startups.
Das Nvidia-geförderte Startup Runway sammelte im Februar 2026 in einer Finanzierungsrunde 315 Millionen Euro ein – bei einer Bewertung von 5,3 Milliarden Euro. Runway expandierte kürzlich nach London und investiert dort 200 Millionen Euro in die Simulation physikalischer Welten. Weitere Großinvestitionen: eine Milliarden-Seed-Runde für Yann LeCuns AMI Labs im März 2026 sowie rund 1,2 Milliarden Euro für Fei-Fei Lis World Labs.
Breites Beteiligungsportfolio
Nvidias Investmentstrategie umfasst die größten Namen der Branche. Der Konzern beteiligte sich im Februar 2026 an einer 30-Milliarden-Finanzierungsrunde für OpenAI und unterstützte xAI mit einer 20-Milliarden-Runde. Weitere Engagements: zwei Milliarden Euro für Nebius im März 2026 und 50 Millionen Euro für Legora im April 2026.
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Über die Finanzierung hinaus trägt Nvidia zur technischen Basis bei – etwa durch Linux-Patches für die nächste Hardware-Generation Vera Rubin OpenBMC. Das Zusammenspiel aus Hardware, Software und Finanzierung macht Nvidia zur fundamentalen Schicht für die gesamte KI-Branche.
Branchenbeobachter weisen darauf hin, dass das Umsatzbeteiligungsmodell Nvidia zwar regelmäßige Einnahmen sichert, aber auch Betriebsrisiken auf den chipkonzern verlagert – eine Entwicklung, die an frühere Technologiezyklen erinnert. Dennoch zieht das Programm weiterhin große Partner an, darunter IREN, Crusoe und Yotta Data Services.
