Rückfallquote, Jahren

Österreichs Rückfallquote: 31,1 Prozent werden binnen vier Jahren erneut verurteilt

Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 17:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Projekte verbinden Bewegung mit Beratung – von sozialen Hilfsangeboten und Gefängnissen bis zu Profifußball und digitalen Plattformen.
Ein leerer Fußballplatz bei Morgengrauen, der als Sinnbild für sozialen Zusammenhalt und sportliche Integration steht. Illustration mit AI erstellt.

Körperliche Bewegung und gezielte Begleitprogramme gewinnen bei der Bewältigung psychischer und sozialer Krisen zunehmend an Bedeutung. Verschiedene Initiativen setzen auf die Verbindung von sportlicher Aktivität und Coaching, um Betroffene bei der Überwindung persönlicher Blockaden zu unterstützen, soziale Isolation abzubauen und die seelische Widerstandskraft nachhaltig auszubauen. Die Einsatzbereiche reichen dabei von der Wohnungslosenhilfe über den Justizvollzug bis hin zum Profisport.

Niederschwellige Sportangebote gegen soziale Ausgrenzung

Sportliche Teamstrukturen dienen in vielen Projekten als Brücke in die gesellschaftliche Teilhabe. In Belgien fungiert etwa Younited Sporting Hasselt als Fußballplattform für Erwachsene, die von Armut, Obdachlosigkeit, psychischen Problemen oder sozialer Ausgrenzung betroffen sind. Getragen von der Stadt Hasselt, der Organisation SAAMO Limburg und dem Sozialhilfezentrum OCMW, bringt das Programm Menschen regelmäßig zusammen.

Wie aus einem Bericht vom 29. Oktober 2026 hervorgeht, holt ein SAAMO-Aufbauhelfer wöchentlich Wohnungslose aus einer Anlaufstelle zum gemeinsamen Training ab. Die Sportdezernentin der Stadt, Tine Jans, unterstrich dabei die verbindende Kraft des Fußballs im Rahmen von landesweiten Turnieren.

Auch bei der Integration von Menschen mit Flucht- und Migrationsgeschichte greifen Verbände auf sportbezogene Ausbildungsformate zurück. Das seit knapp zehn Jahren von Hamburger Sportbund und Hamburger Fußball-Verband getragene Programm „Coaches Welcome“ bildete am 17. Oktober 2026 beim SC Vorwärts-Wacker 04 Billstedt unter Leitung von Christoph Kroll acht Teilnehmende aus verschiedenen Vereinen weiter. Eine Folgeveranstaltung ist für den 13. und 14. November 2026 beim Harburger Turnerbund angesetzt.

In internationalen Krisenregionen bildet Bewegung ebenfalls einen Anker für psychosoziale Stabilität. Die 2010 gegründete Organisation Palestine: Sports for Life, die seit 2016 auch im Gazastreifen tätig ist und von der International Sport and Culture Association ausgezeichnet wurde, nutzt Sport für Bildung und mentale Hilfen.

Trotz extremer Einschränkungen führen dort Gruppen wie die 2020 gegründete Initiative Gaza Boxing Women ihr Training notdürftig weiter, um Betroffenen inmitten prekärer Bedingungen Halt zu bieten.

Gezielte Interventionen im Justizvollzug

Ein weiteres zentrales Anwendungsfeld für strukturierte Bewegungskonzepte ist der Strafvollzug. In Österreich setzt der Wiener Verein Phönix das zehnwöchige Programm „Trainings for Life“ um, das wöchentlich 90 Minuten Basketball, Kraft- und Ausdauereinheiten sowie Reflexions- und Einzelgespräche kombiniert.

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Das Format existiert seit zwei Jahren auch für inhaftierte Frauen in der Justizanstalt Korneuburg mit Schwerpunkten auf Volleyball und Tanz. Seit September 2026 läuft ein sechsmonatiges, durch die Initiative „Licht ins Dunkel“ gefördertes Angebot in der Wiener Sonderanstalt für Jugendstrafvollzug Münnichplatz.

Der vom Justizministerium geförderte „Comeback Club“ pausiert 2026 und soll 2027 neu starten. Hintergrund dieser Bemühungen ist die Rückfallquote in Österreich: Von den 22.442 Personen, die im Jahr 2021 verurteilt oder entlassen wurden, wurden 31,1 Prozent innerhalb von vier Jahren erneut verurteilt.

Der Wiener Sportsoziologe Johannes Müller verweist dabei auf eine bislang noch lückenhafte Forschungslage zu den genauen Wirkungsmechanismen von Gefängnissport.

In Deutschland gastierte am 27. Oktober 2026 der ehemalige Fußballnationalspieler Uli Borowka in der Jugendstrafanstalt Schifferstadt. Im Rahmen der Initiative „Anstoß für ein neues Leben“ der DFB-Stiftung Sepp Herberger berichtete er vor rund 40 inhaftierten Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 14 bis 24 Jahren über seinen Ausstieg aus der Alkoholsucht.

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Die von Sozialarbeiterin Sina Riegel koordinierte und von Vertretern des Südwestdeutschen Fußballverbands begleitete Veranstaltung zielte darauf ab, den Gefangenen Vorbilder für Verhaltensänderungen aufzuzeigen.

Mentale Begleitung im Leistungsbereich und Alltag

Auch im professionellen Umfeld setzt sich die Einsicht durch, dass mentale Stärke systematischer Förderung bedarf. Beim Fußball-Bundesligisten SV Werder Bremen arbeitet seit Sommer 2026 der 51-jährige Axel Zehle als Mental-Coach.

Cheftrainer Daniel Thioune hob den spürbaren Einfluss von Zehles Angebot auf die Stressresistenz und Comeback-Qualitäten der Spieler hervor, das auch von Thioune selbst in Anspruch genommen wird. Zehles Beratungen erfolgen dabei streng vertraulich und unabhängig von direkten Trainerabsprachen.

Auf digitale Zugangswege setzt der ehemalige italienische Abwehrspieler Andrea Ranocchia mit der Plattform Athletics Mind, an der unter anderem die Fußballer Andrea Pirlo und Alessandro Bastoni beteiligt sind. Das Projekt bietet Sportlern psychologische Beratung und Ernährungsunterstützung per App an.

Ranocchia verwies darauf, dass 82 Prozent der Profifußballer innerhalb von zehn Jahren nach ihrem Karriereende ihr Vermögen verlieren, weshalb frühzeitige seelische und strategische Begleitung unerlässlich sei.

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