Hefepilze, Grad

Ötzi-Mumie: Hefepilze bleiben bei minus 6 Grad aktiv

Veröffentlicht am: 03.06.2026 um 05:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Forscher weisen aktive Hefepilze auf der 5.300 Jahre alten Mumie nach. Die Mikroben überleben selbst bei Minusgraden und verändern sich langsam.

Ötzi-Mumie: Hefepilze bleiben bei minus 6 Grad aktiv Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de
Ötzi-Mumie: Hefepilze bleiben bei minus 6 Grad aktiv Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Selbst nach 5.300 Jahren ist Ötzi biologisch nicht tot. Eine neue Studie zeigt: Auf der Gletschermumie leben Mikroorganismen – und sie sind stoffwechselaktiv.

Forscher von Eurac Research und der LMU München haben das Erbgut und die Mikroben der Gletschermumie untersucht. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie am Mittwoch im Fachmagazin Microbiome. Demnach weisen Teile des Mikrobioms der Mumie selbst bei extremer Kälte Anzeichen von Aktivität auf.

Hefepilze arbeiten bei minus sechs Grad

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Im Fokus der Analyse standen kälteangepasste Hefepilze der Gattungen Phenoliferia, Glaciozyma, Goffeauzyma und Mrakia. Diese Organismen kommen natürlicherweise in Gletscherumgebungen vor. Die Forscher um Mohamed Sarhan und Frank Maixner wiesen nach: Die Hefen überdauerten nicht nur auf der Mumie – sie blieben teils metabolisch aktiv.

Ein Vergleich von Proben aus den Jahren 2010 und 2019 zeigte eine Verschiebung in der Zusammensetzung der Mikroben. Besonders die Art Glaciozyma nahm zu. Das deutet darauf hin, dass sich die Organismen trotz Lagerung bei konstanten -6 °C im Südtiroler Archäologiemuseum langsam vermehren. Ötzi fungiert laut den Autoren als dynamisches biologisches System.

Den Forschern gelang es zudem, lebensfähige Hefekolonien aus Körperproben zu züchten. Dafür gewannen sie Rückstände nach kontrolliertem Auftauen auf 4 °C über fünf Stunden. Albert Zink von der LMU München bestätigte per DNA-Analyse: Es handelt sich um uraltes Erbgut, das seit Jahrtausenden mit der Mumie verbunden ist.

Darmflora verrät Ernährungsgewohnheiten

Neben den Hefen untersuchte das Team die bakterielle Zusammensetzung von Ötzis Verdauungstrakt. Sie identifizierten Stämme wie Romboutsia hominis, Clostridium moniliforme und Ruminococcus bromii. Diese Funde geben Einblick in die Ernährung der Kupferzeit und bestätigen eine fettreiche Diät.

Ötzis Darmflora ähnelt der heutiger, nicht-industrialisierter Populationen. Im Gegensatz zum modernen Menschen finden sich in der Mumie Bakterien wie Treponema und Kineothrix – in industrialisierten Gesellschaften sind sie weitgehend verschwunden.

Ein besonderes Merkmal der identifizierten Hefepilze: Drei der vier Arten können Phenol abbauen. Diese Substanz wurde in der Vergangenheit zur Desinfektion und Konservierung der Mumie eingesetzt. Die Forscher vermuten, dass diese Behandlung das Wachstum bestimmter kälteresistenter Mikroben begünstigt haben könnte.

Risiko für die Konservierung?

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Bisher stellten die Forscher keine strukturellen Schäden am Gewebe durch die mikrobielle Aktivität fest. Dennoch betonen sie die Notwendigkeit einer kontinuierlichen Überwachung. Die Fähigkeit der Hefen, Proteine oder Kollagen abzubauen, könnte ein Risiko für die langfristige Erhaltung darstellen.

Frank Maixner von Eurac Research bezeichnet die Eismumie als dynamische biologische Schnittstelle. Die Erkenntnisse zeigen: Biologische Prozesse kommen selbst nach Jahrtausenden im Eis und unter kontrollierten Lagerbedingungen nicht vollständig zum Erliegen. Elisabeth Vallazza, Koordinatorin am Museum, betonte: Die Konservierungsbedingungen seien derzeit stabil. Die neuen Daten könnten jedoch künftige Strategien zur Probenentnahme und Lagerung beeinflussen.

Die Studie unterstreicht die Komplexität der Wechselwirkungen zwischen einem antiken Wirt und seinem Mikrobiom – über 5.300 Jahre in einer extremen ökologischen Nische.

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