Olivenöl vor Glukose: MÀuse zeigen gedÀmpfte Blutzuckerspitzen nach 15 Minuten
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 18:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die zeitliche Abfolge der Nahrungsaufnahme beeinflusst den Blutzuckerverlauf. Neue physiologische Untersuchungen an Tiermodellen und Auswertungen klinischer Daten beleuchten die Mechanismen und Grenzen dieses Effekts.
Eine am 8. Oktober 2026 in der Fachzeitschrift âDiabetesâ veröffentlichte Untersuchung der Kyoto-UniversitĂ€t zeigt an MĂ€usen, dass die Gabe von Fetten vor Glukose frĂŒhe Blutzuckerspitzen dĂ€mpfen kann. Parallel dazu liefert eine Ăbersichtsarbeit des Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ) zur Vorwegnahme von GemĂŒse bei Menschen neue Einordnungen.
Fettgabe verzögert Magenentleerung im Tiermodell
Im Rahmen der Tierversuche an der Kyoto-UniversitĂ€t verabreichten die Forschenden MĂ€usen Olivenöl in einer Dosis von 5 mL/kg exakt 15 Minuten vor einer Glukosegabe. Dies fĂŒhrte zu einer verzögerten Magenentleerung.
Der Blutzuckerspiegel fiel 15 und 30 Minuten nach der Zufuhr von Glukose niedriger aus. Auch die FlĂ€che unter der Blutzuckerkurve (AUC) ĂŒber das Zeitfenster von 0 bis 60 Minuten verringerte sich. Ăber den Zeitraum von 0 bis 120 Minuten zeigte sich hingegen kein Unterschied mehr.
FrĂŒhe Effekte stellten sich der Untersuchung zufolge auch bei Diabetes- sowie Insulinmangel-ModellmĂ€usen ein. Vergleichbare Resultate traten beim Einsatz von Leinöl und Schmalz auf, wobei Olivenöl unter den getesteten Fetten die stĂ€rkste Wirkung entfaltete.
Beteiligung von Hormonsignalen und Vagusnerv
Auf hormoneller Ebene registrierte das Forschungsteam der Kyoto-UniversitĂ€t einen Anstieg bei der frĂŒhen AusschĂŒttung von Glukagon, GIP und GLP-1. Dabei wirkten die Signale von Glukagon und GLP-1 teilweise redundant. Wurde nur eines der beiden Hormone blockiert, hob dies den dĂ€mpfenden Effekt nicht auf; erst eine kombinierte Blockade beider Botenstoffe setzte die Wirkung auĂer Kraft. Zudem bezog der beobachtete Mechanismus den Vagusnerv ein.
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Das Team um die Autoren der unter der DOI 10.2337/db26-0531 publizierten Arbeit betont, dass es sich um prĂ€klinische Resultate handelt. Eine Ăbertragbarkeit auf den Menschen sei derzeit ungeklĂ€rt, weshalb sich daraus keine klinischen Empfehlungen ableiten lassen. Die Daten böten jedoch eine Grundlage fĂŒr weiterfĂŒhrende Studien zur Mahlzeitenreihenfolge beim Menschen.
Ergebnisse des DDZ zu GemĂŒseverzehr vor Kohlenhydraten
Auf Ebene humaner Studien analysierte das DDZ in einer in âClinical Nutritionâ (DOI 10.1016/j.clnu.2026.106775) erschienenen systematischen Ăbersichtsarbeit insgesamt 18 randomisierte kontrollierte Studien an Erwachsenen.
Wurde GemĂŒse vor Kohlenhydraten verzehrt, sank der Blutzucker nach 30 Minuten im Mittel um 1,21 mmol/l und nach 60 Minuten um 0,52 mmol/l. Nach etwa 120 Minuten lag der Wert jedoch um 0,24 mmol/l höher als in der Vergleichsgruppe. Auch der Insulinspiegel zeigte dieses Muster: Er fiel anfangs niedriger aus und lag nach 120 Minuten höher.
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Hinsichtlich lĂ€ngerfristiger Parameter wie dem NĂŒchternblutzucker und dem HbA1c-Wert bei Typ-2-Diabetes stĂŒtzt sich die Datenlage laut dem DDZ lediglich auf einzelne, methodisch eingeschrĂ€nkte Untersuchungen.
In einer einzelnen Studie zu Typ-2-Diabetes sank der HbA1c ĂŒber einen Zeitraum von 24 Monaten zwar von durchschnittlich 8,3 auf 6,8 Prozent. Da die Gruppen jedoch unterschiedliche Mengen an GemĂŒse verzehrten, bleibt der spezifische Effekt der Reihenfolge unklar.
Zudem merkte das DDZ am 8. Oktober 2026 an, dass die berĂŒcksichtigten Studien hĂ€ufig klein waren und ĂŒberwiegend mit jungen, gesunden Teilnehmenden in Japan durchgefĂŒhrt wurden. Wegen der sehr unsicheren Evidenz existiert auch hier bislang keine allgemeine Handlungsempfehlung.

