Olivenöl vor Kohlenhydraten: MÀuseversuch zeigt gedÀmpften Blutzuckeranstieg
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 00:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die zeitliche Abfolge bei der Nahrungsaufnahme rĂŒckt zunehmend in den Fokus der Stoffwechselforschung. Eine prĂ€klinische Untersuchung der Kyoto-UniversitĂ€t liefert nun detaillierte Einblicke in die physiologischen Mechanismen des sogenannten Meal-Sequencing.
Die in der Fachzeitschrift Diabetes veröffentlichte Untersuchung an MĂ€usen zeigt, dass die Verabreichung von Olivenöl 15 Minuten vor einer Glukosegabe den frĂŒhen Anstieg des Blutzuckerspiegels dĂ€mpft und zugleich die Magenentleerung verlangsamt.
Zusammenspiel von Hormonen und Nervenbahnen
Im Versuchsaufbau untersuchten die Wissenschaftler nĂŒchterne Tiere unter verschiedenen Bedingungen: Eine Gruppe erhielt Wasser und Glukose, eine weitere Olivenöl gefolgt von Glukose nach 15 Minuten, wĂ€hrend einer dritten Gruppe erst Glukose und 15 Minuten spĂ€ter Olivenöl verabreicht wurde.
Ein Schutzeffekt zeigte sich dabei ausschlieĂlich bei der Gabe des Ăls unmittelbar vor den Kohlenhydraten. Wurde das Olivenöl erst nach der Glukose zugefĂŒhrt, blieb die blutzuckersenkende Wirkung vollstĂ€ndig aus.
Auf biochemischer Ebene fĂŒhrte die vorangehende Gabe von Olivenöl zu einer gesteigerten frĂŒhen AusschĂŒttung der Hormone Glucagon, GIP und GLP-1. Nach Angaben der Forscher hob eine isolierte Hemmung von Glucagon oder GLP-1 den schĂŒtzenden Effekt nicht auf.
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Erst die gleichzeitige Blockade beider Botenstoffe setzte die Wirkung auĂer Kraft, was auf einen partiell redundanten Mechanismus hindeutet. Zudem verweist eine durchgefĂŒhrte bilaterale subdiaphragmatische Vagusnerv-Ligatur darauf, dass auch vagale und damit neurale Signalwege an der Vermittlung dieser Reaktion beteiligt sind.
Korrespondenzautor Daisuke Yabe von der Kyoto-UniversitĂ€t erklĂ€rte hierzu, dass die Reihenfolge, in der NĂ€hrstoffe den Darm erreichen, eine koordinierte Hormon-Nerven-Reaktion in Gang setzen könne. Diese Erkenntnisse böten einen physiologischen Rahmen fĂŒr kĂŒnftige Untersuchungen zur Mahlzeitenreihenfolge bei Personen mit und ohne Diabetes.
Fettarten und Ăbertragbarkeit auf den Menschen
Bemerkenswert ist zudem der Befund, dass der dÀmpfende Effekt auf die Blutzuckerspitze auch in Mausmodellen mit Typ-2-Diabetes sowie mit schwerem Insulinmangel erhalten blieb. Hinsichtlich der Fettzusammensetzung zeigte die Untersuchung, dass einfach ungesÀttigte Fette wie Olivenöl eine signifikante Verringerung des Glukosepeaks bewirkten.
GesĂ€ttigte Fette zeigten diesen Effekt hingegen nicht und fĂŒhrten teilweise sogar zu höheren Spitzenwerten, wĂ€hrend andere Nahrungsfette in der Untersuchung vergleichbare Reaktionen hervorriefen.
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FrĂŒhere Arbeiten lieferten bereits Hinweise auf Ă€hnliche ZusammenhĂ€nge: So thematisierte eine Studie in Nature aus dem Jahr 2019 Olivenöl im Kontext der Diabeteskontrolle, und ein Team der Virginia Tech wies im Jahr 2024 auf das Potenzial bestimmter SĂ€uren in Oliven gegen Adipositas und Diabetes hin. Zudem beobachtete die Hebrew University of Jerusalem, dass auch gemeinsames Essen Blutzuckerspitzen entgegenwirken könnte.
Das Team der Kyoto-UniversitĂ€t betont jedoch die methodischen Grenzen der aktuellen Ergebnisse: Da es sich um reine Tierversuche handelt, lassen sich die Daten nicht direkt auf den menschlichen Organismus ĂŒbertragen. Es existieren derzeit weder konkrete Dosierungsempfehlungen noch klinische Richtlinien fĂŒr den Alltag. Als nĂ€chster Forschungsschritt sind klinische Studien mit prĂ€diabetischen Personen sowie Patienten mit Typ-2-Diabetes vorgesehen.
