Omega-3 gegen Demenz: ZweijĂ€hrige Studie findet keinen Schutz fĂŒrs Gehirn
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 00:14 Uhr | Redaktion boerse-global.deNahrungsergĂ€nzungsmittel mit Omega-3-FettsĂ€uren erfreuen sich anhaltender Beliebtheit, doch wissenschaftliche Belege fĂŒr einen messbaren Schutz vor kognitivem Verfall fehlen weiterhin. Eine zweijĂ€hrige randomisierte Doppelblindstudie der Keck Medicine of USC unter der Leitung von Hussein Naji Yassine untersuchte die Wirkung von hochdosiertem DHA auf Ă€ltere Menschen mit erhöhtem Demenzrisiko.
Die im Fachjournal eBioMedicine veröffentlichte PreventE4-Studie (NCT03613844) zeigt, dass das PrĂ€parat trotz nachweisbarer Aufnahme im Nervensystem keine messbaren Vorteile fĂŒr GedĂ€chtnis oder Hirnsubstanz bringt.
Keine messbaren Effekte auf Kognition und Hirnvolumen
An der Untersuchung nahmen 365 Erwachsene im Alter zwischen 55 und 80 Jahren teil, die selten Fisch verzehrten und mindestens einen Risikofaktor fĂŒr Demenz aufwiesen. Ăber 24 Monate hinweg erhielt die Interventionsgruppe tĂ€glich 2.000 mg DHA in Form von Algen-Triglyceriden, wĂ€hrend die Kontrollgruppe ein Placebo einnahm.
Zwar stieg das VerhÀltnis von DHA zu ArachidonsÀure im Nervenwasser (Liquor) nach sechs Monaten um 0,17 Punkte an, wÀhrend es unter Placebo um 0,02 Punkte sank (Cohen's d 1,64). Dennoch zeigten sich nach zwei Jahren keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen hinsichtlich der Kognition oder des Hirnvolumens.
Auch bei der Betrachtung spezifischer Hirnareale blieben signifikante Effekte aus: Der jĂ€hrliche Schwund des linken Hippocampus betrug 0,75 Prozent in der DHA-Gruppe gegenĂŒber 0,63 Prozent unter Placebo, wĂ€hrend der rechte Hippocampus um 0,55 Prozent beziehungsweise 0,67 Prozent schrumpfte.
Der Omega-3-Index in den roten Blutkörperchen stieg in der Interventionsgruppe um 6,18 Punkte im Vergleich zu 0,21 Punkten in der Kontrollgruppe. Beim explorativ erhobenen RBANS-Kognitionstest erreichte die DHA-Gruppe ein Plus von 2,76 Punkten gegenĂŒber 2,67 Punkten unter Placebo, was einer statistisch unbedeutenden Differenz von 0,09 Punkten entspricht.
Rund 47 Prozent der Teilnehmenden trugen das Risikogen APOE4; die Wirkung auf das Liquor-VerhÀltnis erwies sich mit einem p-Wert von 0,71 als unabhÀngig von diesem genetischen Status.
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Studienverlauf und wirtschaftliche Dimension
Der Studienverlauf war von einer Ausfallquote von 38 Prozent geprĂ€gt, da lediglich 225 der 365 Probanden die Nachbeobachtung abschlossen, was die Forschenden ĂŒberwiegend auf die COVID-19-Pandemie zurĂŒckfĂŒhrten.
UnerwĂŒnschte Ereignisse traten bei 40,3 Prozent in der DHA-Gruppe und bei 40,9 Prozent unter Placebo auf. Schwerwiegende Ereignisse betrafen fĂŒnf Personen (2,8 Prozent) unter DHA und 13 Teilnehmende (7,2 Prozent) unter Placebo, wobei keine der schweren Komplikationen auf das StudienprĂ€parat zurĂŒckgefĂŒhrt wurde.
Finanziert wurde die Forschungsarbeit durch das National Institute on Aging (unter anderem RF1AG076124, R01AG055770, P30AG066530) sowie die Alzheimer's Drug Discovery Foundation (GC-201711-2014197).
Die wirtschaftliche Relevanz des Themas ist erheblich: Nach Angaben der Forschenden der Keck Medicine of USC geben Verbraucher in den USA jĂ€hrlich ĂŒber 1 Milliarde US-Dollar fĂŒr Omega-3-Produkte aus. Studienleiter Yassine hielt fest, dass Fischöl-PrĂ€parate keine Wunderpille darstellten und die Hirngesundheit wahrscheinlich nicht schĂŒtzten.
FĂŒr die PrĂ€vention seien regelmĂ€Ăige Bewegung, ausreichender Schlaf, eine ausgewogene ErnĂ€hrung wie die mediterrane DiĂ€t sowie die Kontrolle kardiovaskulĂ€rer Risikofaktoren weiterhin die entscheidenden MaĂnahmen.
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Das Ergebnis gelte streng fĂŒr die geprĂŒfte Dosierung, Formulierung und Hochrisikopopulation. Ein direkter Vergleich zwischen Kapseln und regelmĂ€Ăigem Fischkonsum lasse sich daraus nicht ableiten; kĂŒnftige Projekte sollten primĂ€r den genauen DHA-Stoffwechsel im Gehirn analysieren.
Risiken bei Ăberdosierung und unklare PrĂ€ventionsnutzen
Gleichzeitig mahnen experimentelle Daten zur Vorsicht bei bestimmten FettsĂ€uren. An der Medical University of South Carolina zeigte eine im Journal Cell Reports publizierte Untersuchung an MĂ€usen, dass eine ErnĂ€hrung mit der Omega-3-FettsĂ€ure EPA nach leichten SchĂ€del-Hirn-Traumata zu schlechteren Leistungen im rĂ€umlichen GedĂ€chtnis fĂŒhrte.
EPA reicherte sich im Gehirn an und behinderte ĂŒber StoffwechselverĂ€nderungen die Reparatur von BlutgefĂ€Ăen, was mit einer Ansammlung toxischer Tau-Proteine einherging. Menschliches Gewebe von Patienten mit chronischer traumatischer Enzephalopathie (CTE) wies vergleichbare Stoffwechselmuster auf.
Auch bei anderen Wirkstoffen bleibt die Bilanz komplex. Eine Analyse genetischer Daten von 13.541 Probanden der ASPREE-Studie durch die Monash University, veröffentlicht in Alzheimer's & Dementia, ergab bei den 20 Prozent mit den höchsten genetischen Werten fĂŒr die Thrombozytenzahl ein relatives Demenzrisiko von 1,0 Prozent unter Aspirin gegenĂŒber 3,3 Prozent unter Placebo.
Allerdings verdoppelte sich das Risiko schwerer Blutungen auf 4,4 Prozent gegenĂŒber 2,1 Prozent. Die Autoren stufen die Daten als explorativ ein und raten von einer prĂ€ventiven Einnahme ohne Ă€rztliche Begleitung ab.
DemgegenĂŒber zeigt sich auch bei VitaminprĂ€paraten oft ein MissverhĂ€ltnis zwischen Dosierung und Nutzen. In einer ĂberprĂŒfung von 25 Vitamin-D-PrĂ€paraten erwiesen sich nur zwei Produkte als geeignet: die Tabletten âVitamin D compactâ von GSE mit einer Tagesdosis von 200 Internationalen Einheiten (i.E.) sowie der Saft âVital Vitamin Dâ von RotkĂ€ppchen mit 400 i.E. FĂŒnf Produkte wurden wegen drohender NierenschĂ€den als nicht geeignet eingestuft.
Das Bundesinstitut fĂŒr Risikobewertung empfiehlt maximal 20 Mikrogramm beziehungsweise 800 i.E. tĂ€glich ĂŒber NahrungsergĂ€nzungsmittel, wĂ€hrend laut Robert Koch-Institut 44 Prozent der Erwachsenen in Deutschland bereits ausreichend mit Vitamin D versorgt sind.
