Omega-3-Mangel, Menschen

Omega-3-Mangel: Drei Viertel der Menschen in Deutschland sind unterversorgt

Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 07:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Forschung beleuchtet Fettsäurestoffwechsel, Immunzellen und Darmmikrobiom; Ernährungsempfehlungen und Therapiedaten ergänzen die Befunde.

Ernährung und Entzündungen: Neue Studien zu Omega-3 und Mikrobiom
Laborausstattung mit Zentrifuge und Glasgefäßen für biochemische Analysen in einer sterilen Forschungsumgebung. Illustration mit AI erstellt.

Fachbeiträge und Ernährungsratgeber widmen sich derzeit verstärkt der Frage, wie Omega-3-Fettsäuren die Gelenkschmierung beeinflussen und welche Rolle das Darmmikrobiom bei entzündlichen Prozessen im Zusammenhang mit degenerativen Erkrankungen spielt. Mehrere aktuelle Studien und Übersichtsarbeiten liefern dazu neue Ansatzpunkte – von molekularen Mechanismen bis zu praktischen Ernährungsempfehlungen.

Neue Messmethode für Fettsäuren

Eine im Fachjournal Nature Communications vorgestellte Methode namens „LC=CL" ermöglicht es, die genaue Position von Omega-Bindungen in Lipiden aus Gewebe und Blutplasma per Chromatographie-gekoppelter Massenspektrometrie zu bestimmen. Entwickelt wurde das Verfahren von Forschenden der Universität Graz und der University of California San Diego.

Laut Erstautorin Leonida Lamp ist die Methode deutlich sensitiver als bisherige Verfahren und erlaubt Untersuchungen selbst bei sehr geringen Lipidkonzentrationen. Mit dem Verfahren konnte gezeigt werden, dass das Enzym cPLA2 gezielt Mead'sche Säure, eine Omega-9-Fettsäure, umsetzt – ein Befund, der das Verständnis der Fettsäurestoffwechselwege in Geweben erweitert.

Fettgewebe, Immunzellen und EntzĂĽndung

Wie Entzündungsprozesse im Fettgewebe entstehen, haben Forschenden des Universitätsklinikums Bonn und der Universität Bonn an Mäusen mit Adipositas untersucht. Im Fokus stand das Enzym Acetyl-CoA-Carboxylase 1 (ACC1), das sich als entscheidender Regulator für Erhalt und Funktion sogenannter ILC2-Immunzellen im Fettgewebe erwies.

Bei fettreicher Ernährung wird ACC1 in diesen Zellen unterdrückt, was zu einer Vergrößerung und Entzündung des Fettgewebes führt und Mäuse für Diabetes anfälliger macht. Die Forschenden führen dies auf eine bislang unbekannte Rolle von ACC1 beim sogenannten Citrat-Shuttle über die innere Mitochondrienmembran zurück, dessen Störung die Energiegewinnung in den Mitochondrien beeinträchtigt.

Die im Fachjournal Cell Metabolism veröffentlichte Studie wurde durch den DFG-Sonderforschungsbereich SFB 1454 „Metaflammation und Zelluläre Programmierung" sowie den Exzellenzcluster ImmunoSensation 3 gefördert.

Omega-3 im Alltag: Fisch, Nährstoffbedarf und Unterversorgung

Praktische Relevanz gewinnen diese Erkenntnisse durch den Blick auf die tatsächliche Nährstoffversorgung. Fachärztin Constanze Lohse aus Norderstedt weist darauf hin, dass Omega-3-Fettsäuren entzündungshemmend wirken und für das Gehirn wichtig sind – nach ihrer Einschätzung sind rund drei Viertel der Menschen in Deutschland unterversorgt.

Da EPA und DHA nur in Fisch und Algen vorkommen, rät die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) zu zwei Fischportionen pro Woche, alternativ zu Kapseln aus Fisch- oder Algenöl.

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Auch der verzehr von Hering, der in Norddeutschland traditionell zu Matjes verarbeitet wird, liefert EPA und DHA sowie Vitamin D, B12 und Eiweiß; die positive Wirkung von EPA/DHA auf die normale Herzfunktion wird bereits bei einer täglichen Aufnahme von 250 mg erreicht.

Ernährung und rheumatische Erkrankungen

Rheumatoide Arthritis und verwandte Erkrankungen betreffen laut einem Bericht vom 24. September 2026 rund 1 Prozent der deutschen Erwachsenen, wobei Frauen zwei- bis dreimal häufiger und im Schnitt rund zehn Jahre früher betroffen sind.

Als gesicherte Risikofaktoren gelten neben familiärer Veranlagung und Rauchen auch Veränderungen des Mikrobioms, wie neuere Studien nahelegen. Eine antientzündliche mediterrane Ernährung kann die Symptome den Angaben zufolge verringern.

Ergänzend zeigt eine Übersichtsarbeit zur Glukokortikoid-Therapie vom 25. September 2026, dass bei rheumatoider Arthritis, systemischem Lupus erythematodes und Polymyalgia rheumatica eine Dosisreduktion auf höchstens 5 Milligramm Prednisonäquivalent pro Tag angestrebt wird – häufig unterstützt durch die Kombination konventioneller Immunsuppressiva mit frühzeitiger biologischer Therapie.

Weitere Ernährungsfaktoren mit Entzündungsbezug

Auch alltägliche Lebensmittel rücken in den Fokus: Zwiebeln enthalten laut DGE Flavonoide und Sulfide, die antioxidativ, blutdrucksenkend und entzündungshemmend wirken sollen; eine Literaturanalyse aus dem Jahr 2021 verweist zudem auf positive Effekte gegen oxidativen Stress und auf das Immunsystem.

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Eine im September 2026 veröffentlichte Untersuchung des Universitätsklinikums Minden zeigte zudem, dass eine Synbiotika-Therapie bei Patientinnen und Patienten mit chronischer Pankreatitis die Beschwerdehäufigkeit signifikant reduzierte, wenngleich die Lebensqualität davon unbeeinflusst blieb.

Eine im Jahr 2026 im Fachjournal Nature Communications erschienene Studie des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) fand darüber hinaus, dass zehn verschiedene gesunde Ernährungsstile – darunter mediterrane, pflanzliche und nordische Kost – jeweils mit einem verlangsamten biologischen Altern einhergehen. Studienleiterin Monique Breteler beschrieb die gemessenen Effekte als nicht riesig, aber messbar; besonders ausgeprägt zeigten sie sich bei Rauchern.

Insgesamt deuten die verschiedenen Forschungsstränge darauf hin, dass Ernährung über mehrere Mechanismen – von der Fettsäurezusammensetzung über das Mikrobiom bis zu epigenetischen Prozessen – auf Entzündungsgeschehen und Gelenkgesundheit einwirkt, auch wenn viele Wirkzusammenhänge weiterhin Gegenstand laufender Forschung sind.

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