Omega-3-Studie, Fischöl-Kapseln

Omega-3-Studie: Fischöl-Kapseln verzögern kognitiven Abbau nicht

20.06.2026 - 05:21:08 | boerse-global.de

Langzeitstudie zeigt keine signifikante Verzögerung des kognitiven Abbaus durch isolierte Omega-3-PrÀparate bei Risikogruppen.

Omega-3-Studie: Fischöl-Kapseln schĂŒtzen Gehirn nicht
Omega-3-Studie - Eine durchsichtige Fischölkapsel liegt auf einem wissenschaftlichen Papier mit verschwommenem Text und einem Gehirnscan im Hintergrund. 20.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Doch eine aktuelle Langzeitstudie zeigt: Die isolierte Einnahme von Fischöl-Kapseln kann den kognitiven Abbau bei Risikogruppen nicht signifikant verzögern.

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365 Probanden, zwei Jahre, kein Effekt

Eine Studie der Keck Medicine of USC hat die Wirkung von Omega-3-PrĂ€paraten auf Ă€ltere Erwachsene untersucht. Veröffentlicht wurde sie am 18. Juni 2026 im Fachjournal eBioMedicine. An der placebokontrollierten Doppelblindstudie nahmen 365 Personen zwischen 55 und 80 Jahren teil. Alle Probanden wiesen Risikofaktoren fĂŒr Alzheimer auf – etwa geringen Fischkonsum oder das APOE4-Gen.

Die tĂ€gliche Dosis: 2.000 Milligramm DocosahexaensĂ€ure (DHA). Das Ergebnis: keine signifikanten Verbesserungen des GedĂ€chtnisses, der allgemeinen Kognition oder des Hippocampus-Volumens. Dabei kamen die NĂ€hrstoffe durchaus im Gehirn an. Nach sechs Monaten stieg der DHA-Spiegel in der GehirnflĂŒssigkeit um 17 Prozent, der Omega-3-Index im Blut kletterte von 4,9 auf 11 Prozent.

Der Healthy-User-Effekt als ErklÀrung

Die aktuellen Daten bestĂ€tigen Meta-Analysen aus dem Jahr 2023, die ebenfalls keinen Schutz vor Demenz durch Fischöl-Kapseln fanden. Wissenschaftler vermuten: FrĂŒhere positive Beobachtungen gehen auf den sogenannten Healthy-User-Effekt zurĂŒck. Personen, die freiwillig zu Supplementen greifen, leben oft insgesamt gesundheitsbewusster – das verzerrte die Ergebnisse.

Mediziner betonen zunehmend: Die Wirkung von Omega-3 hÀngt offenbar stark von der Aufnahmeform ab. In einer mediterranen ErnÀhrung oder der MIND-DiÀt könnten die NÀhrstoffe effektiver wirken als in hochverarbeiteten Kapseln. Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener ErnÀhrung, Bewegung, Schlaf, kognitiven AktivitÀten und Stressreduktion gilt weiterhin als wirksamste PrÀvention.

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Milliardenmarkt trotz fragwĂŒrdiger Wirkung

Die Skepsis der Wissenschaft hĂ€lt die Industrie nicht auf. In den USA geben Verbraucher jĂ€hrlich ĂŒber eine Milliarde US-Dollar fĂŒr Fischöl-PrĂ€parate aus. Der Industrieverband GOED verweist auf andere Studien, die durchaus schĂŒtzende Effekte nahelegen wĂŒrden.

Doch Forscher warnen auch vor Risiken: Eine ĂŒbermĂ€ĂŸige Zufuhr von Omega-3 könnte die Immunfunktion verĂ€ndern und das Risiko fĂŒr Vorhofflimmern sowie bestimmte Krebserkrankungen erhöhen. Das zeigen Untersuchungen der Oregon State University.

Glucosamin: Warnsignal fĂŒr Alzheimer-Patienten

Eine weitere Studie der University of Florida Health liefert zusĂ€tzliche Daten zu Supplementen im Kontext von Alzheimer. Die Analyse von rund 800.000 Erwachsenen zeigt: Bei bereits erkrankten Alzheimer-Patienten korreliert die Einnahme von Glucosamin mit einem um 25 Prozent erhöhten Sterberisiko innerhalb von fĂŒnf Jahren. Bei Personen mit leichten kognitiven BeeintrĂ€chtigungen steigt die Wahrscheinlichkeit, tatsĂ€chlich an Alzheimer zu erkranken, ebenfalls um 25 Prozent.

de | wissenschaft | 69587272 |