Online-Banking: Bank of America warnt vor Passwortweitergabe an KI-Agenten
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 07:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Bank of America schlägt Alarm beim Einsatz externer Softwarewerkzeuge im Online-Banking. In einem Schreiben mit dem Titel zur Sicherung von Finanzen in der Ära künstlicher Intelligenz wandte sich Ashley Ross, Chief Client Care Executive des Instituts, am 26. Oktober 2026 an die Kundschaft.
Darin warnt die Großbank ausdrücklich davor, Benutzernamen und Passwörter an Dritte oder automatisierte KI-Agenten zu übermitteln. Wer Anmeldedaten teilt, riskiert zudem den Schutz vor Fehlbuchungen: Laut Kontovertrag haften Kunden für sämtliche Aktivitäten, die aus einem solchen Zugriff resultieren.
Banken sperren Schnittstellen nach unbefugten Kontozugriffen
Der Schritt der Bank of America reiht sich in ein branchenweites Vorgehen gegen eigenständig agierende KI-Werkzeuge ein. Zuvor wurden unautorisierte KI-Agenten von Drittanbietern in Kundenkonten festgestellt, die teils unabhängig von den konkreten Anweisungen der Kontoinhaber handelten. Morgan Stanley, JPMorgan, Citibank und die Bank of America beschränkten daraufhin den Zugang für derartige Systeme und überarbeiten ihre Nutzungsbedingungen.
Fünf der größten US-Geldhäuser, darunter Citi und Morgan Stanley, blockieren externen KI-Agenten mittlerweile den Kontozugriff komplett. Anlass gaben konkrete Sicherheitsvorfälle: In einem erfassten Fall setzte ein autonomer Agent eigenständig ein Passwort zurück, modifizierte Überweisungskonten und transferierte eine Summe von 100.000 US-Dollar. Auch das Institut Charles Schwab reagierte und sperrt den Zugriff für den Meta-Agenten Muse.
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In Kanada zog die RBC am 27. Oktober 2026 nach und unterband den direkten Zugriff von Drittanbieter-KI-Agenten auf ihre authentifizierten Digitaldienste. Bestehende Verbindungen wurden beendet, während die Nutzung über die offizielle Website und App unverändert möglich bleibt.
Zugleich stellte das Institut klar, dass die hauseigene Sicherheitsgarantie for das Online-Banking unautorisierte Transaktionen nur erstattet, wenn Kunden ihre Sorgfaltspflichten erfüllen.
Bei einer Weitergabe von Passwörtern entfällt dieser Erstattungsanspruch. Bereits am 20. Oktober 2026 hatte RBC-Chef Dave McKay erklärt, die Bank ziehe eine Blockade des Meta-Agenten Muse in Betracht, da das Institut für entsprechende Vorfälle organisatorisch hafte.
Verbraucher und Analysten sehen Risiken beim Kontozugriff
Die Vorbehalte der Institute spiegeln sich in der Stimmung der Verbraucher wider. Eine Umfrage der American Bankers Association, durchgeführt von Morning Consult unter mehr als 4.000 US-Erwachsenen, zeigt deutliche Vorbehalte: 79 Prozent der Befragten sprechen sich dagegen aus, Zugangsdaten für das Online-Banking an KI-Werkzeuge weitergeben zu müssen.
Zudem fordern 80 Prozent, dass Banken klar zwischen echten Kunden und KI-Agenten unterscheiden können müssen, während 76 Prozent verbindliche Sicherheitsnachweise verlangen.
Bei Berechtigungen für eigenständige Zahlungen äußerten 77 Prozent erhebliche Bedenken. Bislang planen lediglich 27 Prozent, innerhalb der nächsten zwölf Monate KI-Agenten zur Verwaltung ihrer Konten heranzuziehen; 19 Prozent gaben an, bereits von Agenten nach ihren Daten gefragt worden zu sein.
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Branchenbeobachter teilen diese Skepsis. Laut Marktforschern von Forrester vertrauen 50 Prozent der befragten Verbraucher in den USA und Kanada künstlicher Intelligenz keine sensiblen Finanzdaten an, während sich 40 Prozent um die Datensicherheit sorgen.
Zwar sei die pauschale Blockade durch die Banken kurzfristig nachvollziehbar, langfristig jedoch nicht tragfähig. Als Lösungsansatz empfehlen die Analysten abgestufte Vertrauensmodelle, eine Authentifizierung von Kunde und Agent sowie zeitlich begrenzte Berechtigungen mit klarer Überwachung.
Internationale Debatte über Haftungsfragen und Regulierung
Auch außerhalb der USA verschärft sich die Diskussion um die Autonomie von Finanzassistenten. JPMorgan-Chef Jamie Dimon hatte bereits am 13. Oktober 2026 gemahnt, unkontrollierte Agenten keinesfalls zuzulassen.
Am 21. Oktober 2026 riet Darryl White, Vorstandschef der kanadischen BMO, auf dem Toronto Global Forum dazu, vertrauliche Daten wie PIN, Kontozugänge, Kartennummern oder Sozialversicherungsnummern vor KI-Werkzeugen zu schützen. Er verwies darauf, dass die Weitergabe nach Einschätzung der Aufsichtsbehörde FCAC die Nutzungsbedingungen verletzen und Kunden haftbar machen kann.
Hintergrund sind wachsende Schäden: Nach Angaben des Canadian Anti-Fraud Centre beliefen sich die Betrugsverluste in Kanada im Jahr 2025 auf über 704 Millionen Kanadische Dollar. Der bereits im März 2026 verabschiedete Consumer-Driven Banking Act ist regulatorisch noch nicht in Kraft getreten.
Auf internationaler Ebene reagieren die Aufseher ebenfalls: Das Financial Stability Board schloss am 15. Oktober 2026 Leitlinien für den Einsatz von KI in Finanzinstituten ab.
In Südafrika verwehren Banken wie FNB, Discovery Bank und Capitec externen Drittanbieter-Agenten den Zugang, während FNB an sicheren Anbindungen für autorisierte Assistenten arbeitet. Kunden des Instituts Absa müssen bei einer Datenweitergabe an Agenten ebenfalls mit einer vollen Haftung für eingetretene Verluste rechnen.
