Online-Handel unter Druck: Umsatz fÀllt von 35 auf 28 Mrd. Euro
Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 00:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Branchenberichte verdeutlichen Mitte September 2026 eine grundlegende Transformation der digitalen Suche. Der klassische Standard der Suchmaschinenoptimierung (SEO) verschiebt sich zunehmend hin zu einem durch KĂŒnstliche Intelligenz beeinflussten SEO.
Da Nutzer vermehrt KI-Plattformen und Chatbots fĂŒr ihre Anfragen verwenden, gewinnen kontextbezogene und maschinenlesbare Inhalte an Bedeutung. WĂ€hrend technisches SEO, etwa die Indexierbarkeit und Seitenarchitektur, weiterhin als Basis gilt, rĂŒcken neue Kennzahlen wie die MarkenprĂ€senz in KI-Antworten in den Fokus der Marketingabteilungen.
Millionenschwere Investitionen in Tracking-Plattformen
Der strukturelle Wandel wird durch umfangreiche KapitalflĂŒsse in Analysetools untermauert. Wie Berichte vom 15. September 2026 zeigen, hat das in New York ansĂ€ssige Unternehmen Profound in einer Finanzierungsrunde (Series D) 180 Mio. US-Dollar eingesammelt. Die Bewertung des 2024 gegrĂŒndeten Start-ups wird auf 1,8 Mrd. US-Dollar beziffert.
Unter der FĂŒhrung von Sequoia Capital und Kleiner Perkins stieg das Gesamtkapital des Unternehmens damit auf ĂŒber 335 Mio. US-Dollar. Die Plattform von Profound ermöglicht es Konzernen, die PrĂ€senz ihrer Marken innerhalb von Systemen wie ChatGPT, Perplexity, Gemini und den Google AI Overviews zu verfolgen.
Ein prominenter Anwender dieser Technologie ist die Estée Lauder Cos. Das Unternehmen ist eine Partnerschaft mit Profound eingegangen, um eine einheitliche Sicht auf die MarkenreprÀsentation in verschiedenen KI-Modellen zu erhalten.
Ziel sei die Umsetzung von Generative Engine Optimization (GEO) und KI-Marketing in groĂem MaĂstab. Dabei optimiere der Konzern unter anderem Produktbeschreibungen, Blogs und Video-Inhalte gezielt fĂŒr Large Language Models (LLMs).
Marktdynamik und verÀndertes Konsumentenverhalten
Die Relevanz dieser Entwicklung spiegelt sich in den Prognosen des Branchenverbands IAB wider. Dieser hob die Erwartung fĂŒr das US-Werbewachstum im Jahr 2026 von 9,5 % auf 12,3 % an. Laut IAB sehen 44 % der WerbeeinkĂ€ufer die Anpassung an das neue Suchverhalten als zentrale Herausforderung fĂŒr Investitionen.
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Eine Umfrage unter 2.600 Konsumenten stĂŒtzt diese EinschĂ€tzung: Demnach nutzten 61 % der US-Verbraucher in den letzten drei Monaten KI-Assistenten fĂŒr die Recherche vor EinkĂ€ufen. In Singapur prĂ€sentierte Geolix.ai zudem Daten einer Studie, laut der bereits 51 % der B2B-EinkĂ€ufer KI-Modelle befragen, bevor sie klassische Suchmaschinen nutzen.
Das Istanbuler Unternehmen Indexa hat vor diesem Hintergrund eine Plattform lanciert, die unter anderem den sogenannten âAI Share of Voiceâ misst. Der CEO von Indexa, BĂŒnyamin Saraç, erklĂ€rte hierzu, dass die ReprĂ€sentation in KI-Antworten nicht nur das Marketing, sondern auch PR, Personalwesen und Investor Relations betreffe. Laut Analysen der BCG aus dem Jahr 2026 stelle die LLM-Sichtbarkeit mittlerweile den neuen digitalen Regalplatz dar.
Sinkende Klickraten fordern Publisher und Handel
Die Integration von KI-Zusammenfassungen direkt in die Suchergebnisseite fĂŒhrt jedoch zu messbaren Verlusten beim herkömmlichen Website-Traffic. Ein Experiment der Forscher Agarwal und Sen mit ĂŒber 1.000 Nutzern ergab, dass bei Einblendung eines AI Overviews die organischen Klicks um 39,8 % sinken. Die Wahrscheinlichkeit einer Suche ohne Klick (Zero-Click) steige um 34,5 %.
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Besonders deutlich wird dies im deutschen Online-Handel. Eine Untersuchung von Sistrix und LEAP bei 2.500 Top-Shops verzeichnete einen RĂŒckgang der organischen Sichtbarkeit um 16,7 % im Vergleich zum Vorjahr. Der organische Umsatz dieser HĂ€ndler sank demnach von rund 35 Mrd. Euro auf 28 Mrd. Euro.
WĂ€hrend AI Overviews bereits bei ĂŒber 14 % der Keywords erscheinen, werden HĂ€ndler darin nur in 5,3 % der FĂ€lle zitiert. Auch Publisher sind betroffen: Laut einer Umfrage von Digiday unter 85 Verlagen beobachten 61 % weniger Direktbesuche auf ihren Seiten.
Neue Strategien fĂŒr die KI-Sichtbarkeit
Unternehmen wie Freshpet demonstrieren, wie eine gezielte Anpassung erfolgreich sein kann. Durch das Tracking von 475 tÀglichen Anfragen an KI-Modelle konnte Freshpet seine Erscheinungsrate in Google AI Overviews innerhalb von sechs Monaten um 645 % steigern.
Der Traffic von KI-Suchplattformen wuchs um 46 %. Experten empfehlen hierfĂŒr Frameworks wie den 5C-Test (clear, credible, citable, consistent, connected) oder das RASE-Modell (relevance, authority, structure, engagement).
Zudem zeigen Studien, dass spezifische Zitate und Statistiken die Wahrscheinlichkeit einer KI-Nennung erhöhen. So konnte in einem Test die Zitationsrate in ChatGPT durch gezielte Artikel von 9,7 % auf 26,7 % gesteigert werden.
Branchenexperten raten zudem zu einer serverbasierten Analyse von Bot-Crawls, da etwa 12 % der Unterseiten einer Website rund die HĂ€lfte aller Impressionen durch KI-Bots wie den GPTBot absorbieren. Eine StĂ€rkung dieser âPower Pagesâ durch strukturierte Daten gilt als wesentlicher Faktor fĂŒr die zukĂŒnftige Sichtbarkeit.
