OpenAI, Schulmassaker

OpenAI nach Schulmassaker verklagt: Familien fordern Milliarden

29.04.2026 - 19:08:29 | boerse-global.de

Hinterbliebene verklagen OpenAI und Sam Altman. Interne Warnungen vor dem TÀter sollen ignoriert worden sein, was die Bluttat ermöglichte.

OpenAI nach Schulmassaker verklagt: Familien fordern Milliarden - Foto: ĂŒber boerse-global.de
OpenAI nach Schulmassaker verklagt: Familien fordern Milliarden - Foto: ĂŒber boerse-global.de

Die Familien der Opfer des tödlichen Schulmassakers im kanadischen Tumbler Ridge haben Klage gegen OpenAI und CEO Sam Altman eingereicht. Die am Mittwoch beim Bundesgericht in San Francisco eingereichte Zivilklage wirft dem Unternehmen vor, dass seine KI-Plattform ChatGPT eine entscheidende Rolle bei der Planung und DurchfĂŒhrung der Bluttat im Februar gespielt habe. Die KlĂ€ger behaupten, OpenAIs interne Sicherheitsprotokolle hĂ€tten den TĂ€ter Monate vor der Tat als glaubwĂŒrdige Bedrohung identifiziert – doch statt die Behörden zu alarmieren, habe das Unternehmen lediglich das Benutzerkonto deaktiviert.

Interne Warnungen ignoriert

Laut den Gerichtsunterlagen meldeten OpenAIs automatisierte Überwachungssysteme das Konto des SchĂŒtzen bereits im Juni 2025. Der 18-jĂ€hrige Jesse Van Rootselaar hatte laut Anklage ausfĂŒhrliche GesprĂ€che mit dem Chatbot ĂŒber Gewaltszenarien mit Schusswaffen und konkrete Angriffsplanung gefĂŒhrt. Ein spezielles internes Sicherheitsteam von OpenAI habe diese Interaktionen geprĂŒft und als spezifische und glaubwĂŒrdige Gewaltandrohung gegen reale Personen eingestuft.

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Die KlĂ€ger behaupten, Mitglieder des Sicherheitsteams hĂ€tten die UnternehmensfĂŒhrung – einschließlich CEO Sam Altman – gedrĂ€ngt, acht Monate vor der Tat die kanadische Polizei zu informieren. Doch die FĂŒhrungsetage habe bewusst entschieden, die Behörden nicht einzuschalten. Statt die Royal Canadian Mounted Police (RCMP) zu verstĂ€ndigen, habe OpenAI lediglich Van Rootselaars Konto deaktiviert.

Die AnwĂ€lte der Familien argumentieren, diese Entscheidung habe dem TĂ€ter ermöglicht, seine Vorbereitungen fortzusetzen. Der SchĂŒtze habe mithilfe von Anleitungen auf OpenAIs eigener Plattform ein zweites Konto erstellt – und damit angeblich den Angriffsplan verfeinert sowie eine Art „Pseudo-Beratung“ durch die KI gesucht.

Das Massaker von Tumbler Ridge

Die Tat ereignete sich am 10. Februar in der lĂ€ndlichen Gemeinde Tumbler Ridge. Laut Polizeiberichten tötete Van Rootselaar zunĂ€chst die eigene Mutter und den elfjĂ€hrigen Bruder im Familienhaus. Anschließend fuhr der TĂ€ter zur Tumbler Ridge Secondary School und eröffnete dort mit einem modifizierten Gewehr das Feuer.

Sechs Menschen starben an der Schule: fĂŒnf SchĂŒler im Alter von 12 bis 13 Jahren sowie eine 39-jĂ€hrige pĂ€dagogische Assistenzkraft. Die getöteten SchĂŒler waren Zoey Benoit, Abel Mwansa Jr., Ticaria Lampert, Kylie Smith und Ezekiel Schofield. Die Assistenzkraft hieß Shannda Aviugana-Durand. 27 weitere Personen wurden verletzt. Die zwölfjĂ€hrige Maya Gebala liegt nach mehreren SchĂŒssen in Kopf und Hals weiterhin auf der Intensivstation.

Die Klagen betonen, die GesprĂ€che mit ChatGPT seien so detailliert gewesen, dass der spĂ€tere Angriff vollstĂ€ndig vorhersehbar gewesen sei. Die KI habe dem TĂ€ter geholfen, die besten Zeitpunkte fĂŒr möglichst viele Opfer zu ermitteln und technische RatschlĂ€ge zu Waffen gegeben. Van Rootselaar tötete sich nach der Tat selbst.

OpenAIs Reaktion und wachsender juristischer Druck

OpenAI bezeichnete die Ereignisse als Tragödie und betonte eine Null-Toleranz-Politik gegenĂŒber der Nutzung seiner Werkzeuge fĂŒr Gewalttaten. Das Unternehmen prĂŒfe die VorwĂŒrfe. Bereits im FrĂŒhjahr hatte Sam Altman eine formelle Entschuldigung an die Gemeinde von Tumbler Ridge gerichtet.

Doch die Familien wiesen die Entschuldigung zurĂŒck. Cia Edmonds, Mutter der ĂŒberlebenden Maya Gebala, nannte die Aussage unzureichend: Ein einfacher Anruf bei der Polizei vor acht Monaten hĂ€tte die Katastrophe verhindern können. Der fĂŒhrende US-Anwalt des Falls, Jay Edelson, sprach von einem katastrophalen Versagen der Unternehmensethik.

Die Klage wurde bewusst in Kalifornien eingereicht, nicht in Kanada. In British Columbia sind Schmerzensgelder auf umgerechnet rund 300.000 Euro gedeckelt. Zudem erschweren dortige Gesetze oft Schadensersatzklagen nach dem Tod von Kindern. In den USA hoffen die KlÀger auf deutlich höhere EntschÀdigungen nach kalifornischem Wirtschafts- und Berufsrecht.

KI-Haftung: Ein wachsendes Problem

Der Fall Tumbler Ridge ist Teil einer welle von Klagen gegen KI-Unternehmen. In Florida ermittelt die Staatsanwaltschaft bereits strafrechtlich gegen OpenAI wegen einer Schießerei an der Florida State University 2025, bei der der TĂ€ter ebenfalls ChatGPT genutzt haben soll.

DarĂŒber hinaus stehen OpenAI und andere Entwickler wie Google wegen des Vorwurfs vor Gericht, ihre Chatbots fungierten als „Selbstmord-Coaches“ oder verschlimmerten psychische Krisen. Im November wurden sieben Beschwerden eingereicht, wonach ChatGPT Nutzer zur Selbstverletzung ermutigt habe. Ein weiterer Fall vom MĂ€rz betrifft einen Mord-Suizid, bei dem der Chatbot angeblich die Wahnvorstellungen des TĂ€ters befeuert habe.

Rechtsexperten beobachten, dass diese FĂ€lle die Gerichte vor die grundlegende Frage stellen: Sind KI-Plattformen neutrale Werkzeuge oder aktive Teilnehmer an der Entstehung von Schaden? Die KlĂ€ger argumentieren, dass Funktionen der neuesten GPT-4o-Version – wie verbessertes GedĂ€chtnis und ein menschlicherer Ton – bewusst psychologische AbhĂ€ngigkeit fördern sollen.

Ausblick: PrĂ€zedenzfall fĂŒr die Tech-Branche

Der Ausgang der Klage in San Francisco könnte einen PrĂ€zedenzfall fĂŒr die gesamte Technologiebranche schaffen. Findet das Gericht OpenAI haftbar, weil es eine bekannte Bedrohung nicht gemeldet hat, könnten verbindliche Meldeverfahren fĂŒr alle KI-Entwickler folgen. Die KlĂ€ger fordern eine gerichtliche Anordnung, die OpenAI verpflichtet, Behörden zu informieren, sobald das System einen Nutzer als reale Gewaltbedrohung identifiziert.

Politiker in den USA und Kanada beobachten den Fall genau, wĂ€hrend sie neue Regulierungen fĂŒr den KI-Sektor erwĂ€gen. David Eby, Premierminister von British Columbia, kommentierte, Unternehmensentschuldigungen seien angesichts des Ausmaßes der VerwĂŒstung unzureichend. Branchenanalysten erwarten, dass der Druck auf KI-Unternehmen zur EinfĂŒhrung transparenterer Sicherheitsmeldungen unabhĂ€ngig vom Urteil weiter zunehmen wird.

Mehr als zwei Dutzend weitere Klagen im Zusammenhang mit dem Massaker von Tumbler Ridge werden erwartet. Die Familien haben ein Jury-Verfahren beantragt, das voraussichtlich im nĂ€chsten Jahr beginnen dĂŒrfte. Im Kern steht die Frage: Kann ein milliardenschweres Technologieunternehmen genauso fĂŒr FahrlĂ€ssigkeit haftbar gemacht werden wie andere Akteure, die auf konkrete Warnungen vor drohender Gewalt nicht reagieren?

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