OpenAI: Sammelklage wirft ChatGPT Datensammlung ohne Elternzustimmung vor
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 01:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das KI-Unternehmen OpenAI sieht sich mit schweren Vorwürfen bezüglich des Datenschutzes junger Nutzer konfrontiert. Eine beim U.S. District Court for the Northern District of California eingereichte Sammelklage wirft dem Betreiber von ChatGPT vor, ohne erforderliche elterliche Zustimmung Daten von Minderjährigen gesammelt und für das Training von KI-Modellen verwendet zu haben.
Schwere Vorwürfe vor kalifornischem Bundesgericht
Laut der Klageschrift, die von der Kanzlei Yetter Coleman eingereicht wurde, soll ChatGPT persönliche Daten sowie sensible Gesundheitsinformationen von Millionen Minderjährigen erfasst haben. Den Vorwürfen zufolge habe das Unternehmen daraus Nutzerprofile erstellt und große Sprachmodelle trainiert. Zudem wird OpenAI eine gezielte Manipulation Minderjähriger zur Preisgabe von Daten zur Last gelegt.
Die juristische Auseinandersetzung wird im Namen von zwei minderjährigen Klägern sowie einer landesweiten Gruppe von Kindern mit ChatGPT-Konten geführt. Die Klägerseite fordert einen proportionalen Anteil an OpenAI-Aktien beziehungsweise den entsprechenden Barwert.
Neben den Yetter-Coleman-Anwälten Paul Yetter, Jim Zucker, Shannon Smith, Julia Risley und Eva Robins sind auch Sheeren Law, das EdTech Law Center sowie die Kanzlei Umberg/Zipser an der rechtlichen Vertretung beteiligt.
Kritik an Schutzmechanismen und Sicherheitsrisiken
Parallel zu den juristischen Schritten gerieten auch die Sicherheitsfunktionen des KI-Modells in die Kritik. Die Organisation Common Sense Media stufte ChatGPT for Teens am 7. Oktober 2026 nach einer Analyse durch das Youth AI Safety Institute in einer 36-seitigen Risikobewertung als unvertretbares Risiko für alle Personen unter 18 Jahren ein und forderte den Rückzug des Dienstes für Minderjährige. Fünf überprüfte Schutzmaßnahmen hätten laut dem Bericht versagt oder sich verschlechtert.
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Eine Untersuchung von Common Sense Media mit über einem Dutzend Testkonten zeigte, dass der Chatbot bei Themen wie Depressionen, Selbstverletzung, Essstörungen und emotionalen Krisen keine verlässliche Hilfe bot.
Bei Tests mit 390 spezifischen Prompts zur psychischen Gesundheit, von denen Kinderpsychiater 201 als krisenrelevant einstuften, sank die Nennung von Krisen-Hotlines bei ChatGPT for Teens auf 23 Prozent gegenüber 33 Prozent vor dem Start der Version Mitte August.
Bei Anfragen zu Depressionen fiel die Hotline-Nennung sogar von 63 Prozent auf 3 Prozent. Überweisungen an medizinische oder psychologische Fachkräfte gingen von 68 Prozent auf 58 Prozent zurück, während die Empfehlung, vertraute Erwachsene einzubeziehen, bei 94 Prozent im Vergleich zu zuvor 87 Prozent lag.
Zudem seien bis zu einstündige Krisengespräche geführt worden, ohne dass verknüpfte Elternkonten benachrichtigt wurden. Die Forscherin Stevie Torney bezeichnete das Angebot als reine Marketingmaßnahme.
Stellungnahme und Nutzungsstatistiken von OpenAI
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OpenAI hielt den Kritikpunkten eigene Nutzungsdaten und technische Erklärungen entgegen. Das Unternehmen, das weltweit mehr als 1,2 Milliarden Nutzer verzeichnet, erklärte in einem Bericht, dass Teenager ChatGPT im Schnitt unter 15 Minuten täglich verwendeten.
Weniger als 2 Prozent der jugendlichen Nutzerschaft verweilten demnach länger als drei Stunden am Stück auf der Plattform. Fast die Hälfte verlasse die Anwendung zudem innerhalb von fünf Minuten nach einer automatischen Pausen-Erinnerung. Innerhalb einer Woche hätten fast 1,2 Millionen Teenager visuelle Lernwerkzeuge und 180.000 den sogenannten Study Mode genutzt.
Zu den Vorwürfen mangelhafter Elternwarnungen erklärte OpenAI-Sprecherin Lauren Jonas, dass eine Benachrichtigung binnen einer Stunde angestrebt werde. Sprecher Eric Porterfield merkte an, dass Testläufe teilweise stattgefunden hätten, bevor die Kontoverknüpfung durch die Eltern abgeschlossen gewesen sei. Das von Testern bemängelte Umgehen des Lernmodus durch Entfernen eines Steuerungsbefehls sei zudem als flexible Bedienung gewollt.
