Ospedale Niguarda: Nach Knochenbruch beginnt die Betreuung binnen 3 bis 4 Tagen
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 15:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deFragilitÀtsfrakturen infolge von Osteoporose stellen das Gesundheitswesen vor erhebliche Herausforderungen, da auf einen ersten Knochenbruch ohne gezielte Nachsorge hÀufig weitere Verletzungen folgen.
Das Ospedale Niguarda in Mailand setzt auf ein spezialisiertes Versorgungsmodell, um diesen Teufelskreis zu durchbrechen: Mit einem sogenannten Fracture-Liaison-Service-Modell (FLS) organisiert die Klinik die systematische Identifikation, Behandlung und langfristige Begleitung von Betroffenen.
Wie aus einem Bericht des Ospedale Niguarda vom 19. Oktober 2026 hervorgeht, zielt das Konzept darauf ab, Folgefrakturen bei Ă€lteren Patienten durch eine lĂŒckenlose Vernetzung zwischen Akutmedizin und ambulanter Versorgung einzudĂ€mmen.
Strukturierte ĂbergĂ€nge zwischen Notaufnahme und Nachsorge
Die Notaufnahme des MailĂ€nder GroĂklinikums verzeichnet ĂŒber 105.000 ZugĂ€nge pro Jahr und registriert dabei monatlich rund 150 FragilitĂ€tsfrakturen. Um eine kontinuierliche Weiterbehandlung zu garantieren, setzt das Haus auf automatisierte Prozesse bei der Entlassung.
Alle Patienten ab einem Alter von 50 Jahren, die mit einer FragilitÀtsfraktur behandelt wurden, werden bei Verlassen der Klinik direkt digital an das Pflegepersonal der territorialen Einsatzzentralen gemeldet.
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Dieser standardisierte Informationsfluss verhindert, dass Betroffene nach der PrimÀrversorgung im hÀuslichen Umfeld ohne spezialisierte Weiterbehandlung bleiben. Nach der Meldung erfolgt die Kontaktaufnahme durch das Fachpersonal binnen 3 bis 4 Tagen.
Im Rahmen dieses Erstkontakts wird ein strukturierter Telefonfragebogen eingesetzt, um den aktuellen Zustand und die Risikofaktoren systematisch zu erfassen. Daran anschlieĂend wird ein persönlicher Folgetermin in einem Gemeinschaftshaus vereinbart, der den Einstieg in die ambulante Betreuung markiert.
MultidisziplinÀre Diagnostik und Risikostratifizierung
Ein zentrales Element des MailĂ€nder FLS-Ansatzes bildet die fachĂŒbergreifende Zusammenarbeit. Das interdisziplinĂ€re Netzwerk am Ospedale Niguarda bĂŒndelt die Expertise verschiedener medizinischer und therapeutischer Disziplinen. Beteiligt sind:
- Rheumatologen und Endokrinologen zur medikamentösen Knochenstoffwechseltherapie,
- Physiater und Physiotherapeuten zur funktionellen Wiederherstellung und SturzprÀvention,
- DiÀtassistenten zur Optimierung der knochenrelevanten ErnÀhrung,
- Gemeindepfleger fĂŒr die Betreuung und Begleitung im hĂ€uslichen Umfeld.
Im Rahmen der Begutachtung durchlaufen die Patienten eine standardisierte Risikostratifizierung, bei der sie in die Kategorien niedrig, mittel oder hoch eingestuft werden. Dieser Pfad stellt sicher, dass diagnostische MaĂnahmen und therapeutische Interventionen exakt an die individuellen GefĂ€hrdungsfaktoren angepasst werden.
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Messbare Reduktion von FolgebrĂŒchen
Die Auswertung der klinischen Verlaufsdaten belegt den praktischen Nutzen dieses integrierten Vorgehens. Ein strukturiertes Follow-up ĂŒber einen Zeitraum von 6 bis 9 Monaten ergab einen signifikanten RĂŒckgang der erneuten KnochenbrĂŒche. In der untersuchten Patientenkohorte des Jahres 2023 lag die Quote von Folgefrakturen bei 27 %.
Fachkreise sehen in dem MailĂ€nder Modell ein wegweisendes Beispiel dafĂŒr, wie geriatrische und traumatologische VersorgungsbrĂŒche ĂŒberwunden werden können. Der koordinierte Ăbergang vom Akutkrankenhaus in wohnortnahe Strukturen schlieĂt eine therapeutische LĂŒcke, die bei isolierter Frakturversorgung hĂ€ufig unberĂŒcksichtigt bleibt, und setzt auf eine langfristige Stabilisierung der Knochengesundheit.
