Osteoarthritis: Weltweit könnte die Zahl der Betroffenen bis 2050 auf eine Milliarde steigen
Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 13:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie weltweite Belastung durch Gelenkerkrankungen nimmt drastisch zu. Einer Untersuchung unter Beteiligung der Curtin University in 18 LÀndern zufolge, die in der Fachzeitschrift The Lancet erschien, wird die Zahl der Menschen mit Osteoarthritis bis zum Jahr 2050 auf rund eine Milliarde anwachsen.
Im Jahr 2023 litten weltweit noch etwa 600 Millionen Personen an dieser Erkrankung. Gleichzeitig steht der Medizin weiterhin weder ein Heilmittel noch eine krankheitsmodifizierende Therapie zur VerfĂŒgung.
Massive Zunahme der Krankheitslast und wirtschaftliche Folgen
Die globale Krankheitslast durch Arthrose stieg laut Daten der Global Burden of Disease (GBD) Studie zwischen 1990 und 2023 um 65 Prozent. Dies stellt einen der gröĂten ZuwĂ€chse unter 350 untersuchten Krankheiten dar. Als wesentliche Treiber dieser Entwicklung gelten Adipositas, die fortschreitende Alterung der Bevölkerung sowie vorangegangene Gelenkverletzungen.
Die ökonomischen Auswirkungen sind betrÀchtlich: Der wirtschaftliche Schaden durch Arthrose belÀuft sich nach Berechnungen von Briggs auf etwa 1 bis 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
Neben den direkten Kosten im Gesundheitswesen geraten auch die ArbeitsmĂ€rkte unter Druck. Eine Untersuchung der Cardiff-UniversitĂ€t auf Basis des Annual Population Survey (ONS, 2013â2023) zeigt, dass muskuloskelettale Erkrankungen durchschnittlich 13,8 Prozent der Erwerbsbevölkerung im Vereinigten Königreich betreffen.
Der Anteil der BeschĂ€ftigten mit einer Langzeiterkrankung kletterte dort von 33,3 Prozent im Jahr 2013 auf 40,7 Prozent im Jahr 2023. Die Wahrscheinlichkeit einer BeschĂ€ftigung liegt bei Vorliegen muskuloskelettaler Probleme um rund 23,1 Prozentpunkte niedriger als bei Personen ohne chronische Leiden; die BeschĂ€ftigungslĂŒcke betrĂ€gt 19,4 Prozentpunkte und wĂ€chst bei gleichzeitiger psychischer Erkrankung auf 36,1 Prozentpunkte an.
Auch eine im Fachjournal Scientific Reports veröffentlichte Auswertung aus dem Jahr 2025 ĂŒber 204 LĂ€nder verzeichnete fĂŒr den Zeitraum von 1990 bis 2021 einen Anstieg der ArthrosefĂ€lle bei Personen im erwerbsfĂ€higen Alter um 116,16 Prozent.
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Regionale Entwicklungen und Defizite in der Versorgung
In Deutschland leben nach Angaben der Deutschen Arthrose-Hilfe rund fĂŒnf Millionen Betroffene â mit weiterhin steigender Tendenz. Auch international sind die Zahlen hoch: Laut der Sociedade Brasileira do Quadril (SBQ) verzeichnet Brasilien etwa zehn Millionen Menschen mit HĂŒftarthrose.
Trotz der Verbreitung weist die Versorgung teils erhebliche LĂŒcken auf. Daten von Australian Caretrack ergaben, dass in Australien in den Jahren 2009 und 2010 lediglich 43 Prozent der Arthrose-Versorgung den geltenden Leitlinien entsprachen.
Forscher fordern daher, Arthrose formell als chronische Erkrankung anzuerkennen, den Zugang zu evidenzbasierter Behandlung sicherzustellen und gezielt in die PrĂ€vention von Ăbergewicht und Gelenkverletzungen zu investieren.
Risikofaktoren im Fokus: Geschlechtsspezifische Unterschiede und Lebensstil
Medizinische Untersuchungen heben spezifische Risikogruppen hervor. Nach Erkenntnissen der UT Southwestern haben Frauen ein höheres Kniearthroserisiko als MÀnner.
Die Mechanismen reichen ĂŒber Alterungsprozesse oder hormonelle VerĂ€nderungen in den Wechseljahren hinaus; Unterschiede im Knorpelgewebe hinsichtlich mechanischer Eigenschaften, Mikrostruktur und GenaktivitĂ€t bestehen bereits vor der Menopause.
Zudem tragen junge Athletinnen ein zwei- bis achtfach höheres Risiko fĂŒr Verletzungen des Kreuzbands, was das Risiko fĂŒr eine spĂ€tere Arthrose deutlich erhöht.
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OrthopĂ€den verweisen darauf, dass die Erkrankung zunehmend jĂŒngere Altersgruppen betrifft, darunter Frauen ab etwa 40 Jahren sowie junge Patienten mit HĂŒftproblemen, unter anderem infolge einer avaskulĂ€ren Nekrose.
Neben Alter, Genetik und metabolischen Störungen gelten Bewegungsmangel und Gewichtszunahme als wesentliche Treiber. Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr OrthopĂ€die und Unfallchirurgie stuft zudem das Rauchen als Risikofaktor fĂŒr Gelenk- und Knochenerkrankungen ein.
Die GBD-Studie 2023, veröffentlicht im Fachjournal Lancet Public Health, verdeutlicht den allgemeinen Trend: Der globale MorbiditÀtsabstand stieg von 8,8 Jahren (1990) auf 10,7 Jahre (2023), was einem Zuwachs von 21,9 Prozent entspricht.
In Deutschland wuchs dieser Abstand von 10,1 Jahren (1990) auf 11,9 Jahre im Jahr 2023. Ăber die HĂ€lfte der in Krankheit verbrachten Lebensjahre entfiel 2023 auf fĂŒnf nicht-tödliche Leiden, angefĂŒhrt von muskuloskelettalen Erkrankungen wie Kreuzschmerzen. Als zentrale Ansatzpunkte zur EindĂ€mmung gelten die Kontrolle von Risikofaktoren wie hoher Body-Mass-Index, erhöhte NĂŒchternglukose und Tabakkonsum.
