Osteoporose, Wirbelbrüche

Osteoporose: 70 Prozent der Wirbelbrüche bleiben ohne klare Symptome

Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 07:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Viele Wirbelfrakturen bleiben symptomarm; DEXA-Messung und ergänzende VFA können Knochenabbau und Wirbelveränderungen aufdecken.
Nahaufnahme der porösen, schwammartigen Struktur von menschlichem Knochengewebe unter klinischer Beleuchtung. Illustration mit AI erstellt.

Osteoporose entwickelt sich bei vielen Betroffenen über Jahre hinweg unbemerkt. Mediziner weisen darauf hin, dass subtile körperliche Veränderungen wichtige Warnsignale darstellen können: Ein schleichender Verlust an Körpergröße oder die Entstehung eines Rundrückens deuten häufig auf bereits eingetretene, unentdeckte Wirbelkörperbrüche hin. Da das Knochengewebe fortlaufend an Substanz verliert, führt oft erst ein scheinbar harmloser Sturz zur Diagnose.

Unbemerkte Frakturen und klinische Warnzeichen

Nach Einschätzung der Rheumatologin Leysan Glebova und der Ärztin Elena Konovalova gehören eine schrumpfende Körpergröße, eine zunehmende Buckelbildung und neu auftretende Rückenschmerzen zu den wesentlichen Anzeichen osteoporotischer Prozesse. Wirbelbrüche können dabei so beschwerdearm verlaufen, dass sie im Alltag zunächst kaum auffallen.

Internationale Richtlinien und Fachgesellschaften stützen diese Beobachtung. Laut der brasilianischen Fachgesellschaft FEBRASGO sowie niederländischen Leitlinien verlaufen rund 70 Prozent der Wirbelfrakturen ohne eindeutige Symptome. Ein Größenverlust von mehr als 4 Zentimetern gelte laut FEBRASGO als deutlicher Hinweis auf das Vorliegen solcher Frakturen.

Konkrete Schwellenwerte nennt auch das Bethesda Spital Basel: Ein Verlust an Körpergröße von mehr als 2 Zentimetern innerhalb von drei Jahren oder von insgesamt über 4 Zentimetern sei ebenso verdächtig wie plötzlich auftretende Rückenschmerzen über einen Zeitraum von vier bis sechs Wochen oder Frakturen nach einem Sturz aus dem Stand.

Risikogruppen und der Verlauf des Knochenabbaus

Der Neurochirurg Dr. Steffen Sola von den Sana Kliniken Niederlausitz am Standort Senftenberg betont, dass es kaum verlässliche Frühwarnzeichen gebe. Sichtbare Folgen wie eine Abnahme der Körpergröße, schrumpfende Wirbel und ein Rundrücken machten sich meist erst spät bemerkbar.

Der Knochenaufbau finde bis etwa zum 30. Lebensjahr statt, woraufhin der natürliche Abbau einsetze. Neben Wirbelkörpern zählten der Oberschenkelhals, das Handgelenk und der Oberarm zu den besonders bruchgefährdeten Stellen.

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Dr. Dragana Pravilovi? Lutovac, Rheumatologin am Klinischen Zentrum von Montenegro, hebt hervor, dass die Erkrankung jahrelang unbemerkt voranschreiten könne, bevor es durch ein leichtes Trauma zu schweren Verletzungen komme.

Zu den primären Risikogruppen zählen laut Lutovac Frauen nach den Wechseljahren und ältere Männer. Gefährdet seien jedoch auch jüngere Menschen mit Vorerkrankungen der Schilddrüse, Nebenschilddrüse oder Nieren sowie Personen mit rheumatischen Leiden oder langfristiger Hormontherapie.

Diagnostik mittels Knochendichtemessung und VFA

Zur Feststellung des Knochenzustands dient standardmäßig eine Knochendichtemessung per DEXA-Scan. Eine ergänzende Wirbelkörperfraktur-Analyse (VFA) kann direkt im Anschluss an die Messung durchgeführt werden, um bestehende Deformitäten sichtbar zu machen.

Bislang wird dieses Potenzial nicht flächendeckend ausgeschöpft: Laut einer Umfrage der Osteoporose Vereniging erhält lediglich etwa die Hälfte der Betroffenen einen solchen VFA-Scan. Unentdeckte Wirbelbrüche bergen erhebliche Risiken, da sie zu Fehlhaltungen, chronischen Schmerzen, Instabilität und in der Folge zu weiteren Stürzen führen können.

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Dass eine strukturierte Versorgung Verbesserungen bringt, zeigte ein niederländisches Implementierungsprojekt: Dort stieg der Anteil untersuchter Frakturpatienten ab 50 Jahren nach der systematischen Einführung von 4 auf 97 Prozent.

Bausteine für Prävention und Therapie

Wird ein Knochenschwund frühzeitig erkannt, lassen sich medikamentöse Therapien zur Hemmung des Abbaus einleiten. Bei bestehenden Brüchen kann laut Sola unter anderem spezieller Knochenzement zur Stabilisierung eingesetzt werden.

Begleitend spielt die Lebensführung eine zentrale Rolle. Elena Konovalova betont die Bedeutung einer ausreichenden Nährstoffzufuhr: Die meisten Erwachsenen benötigen täglich etwa 1000 Milligramm Kalzium, Frauen nach der Menopause sowie ältere Personen bis zu 1200 Milligramm, vorzugsweise über die Nahrung.

Ebenso wichtig seien Magnesium, Protein und Vitamin K. Experten empfehlen zudem regelmäßige Bewegung: Neben gemüsereicher Ernährung, Stoßbelastung und gezieltem Krafttraining für Rücken und Beine rät Lutovac zu täglichen Einheiten von etwa 40 bis 50 Minuten mäßigem Gehen. Auf Risikofaktoren wie Rauchen, Alkohol und phosphathaltige Cola sollte verzichtet werden.

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