Osteoporose-Ambulanz in Güssing: Erste Anlaufstelle im Burgenland eröffnet
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 17:15 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die demografische Entwicklung stellt die medizinische und pflegerische Betreuung älterer Menschen vor wachsende Herausforderungen. Um nach akuten Erkrankungen oder Unfällen eine Rückkehr in den gewohnten Alltag zu ermöglichen, gewinnen interdisziplinäre Versorgungsmodelle zunehmend an Bedeutung.
Am Kreiskrankenhaus Demmin im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte arbeitet mit Martin Rumi der erste sogenannte Geri Nurse in Mecklenburg-Vorpommern. In dieser Funktion übernimmt er die gezielte Abstimmung zwischen Ärzten, Pflegepersonal und Therapeuten, damit ältere Patienten nach Verletzungen wieder die notwendige Selbstständigkeit für ein eigenständiges Leben erlangen.
Interdisziplinäre Betreuung am Kreiskrankenhaus Demmin
Das geriatrische Konzept am Kreiskrankenhaus Demmin verbindet medizinische Behandlungsansätze eng mit therapeutischen Angeboten. Neben der ärztlichen und pflegerischen Versorgung sind Physiotherapie sowie psychologische Betreuung feste Bestandteile des Ablaufs.
Im Mittelpunkt steht das Ziel, den Betroffenen nach einem stationären Aufenthalt den Weg zurück in das häusliche Umfeld zu ebnen und dauerhafte Pflegebedürftigkeit nach Möglichkeit abzuwenden. Die koordinierende Rolle der Pflegekraft soll Schnittstellenverluste zwischen den verschiedenen Fachdisziplinen minimieren.
Ähnliche Ansätze zur fächerübergreifenden Betreuung finden sich auch in anderen Regionen. Am Würzburger Zentrum für Altersmedizin erhalten geriatrische Patienten nach Stürzen umfassende Abklärungen. So durchlief dort beispielsweise eine 85-jährige Patientin zu Jahresbeginn eine 15-tägige Diagnostikphase.
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Das Spektrum vor Ort reicht von Ergo- und Physiotherapie über Logopädie und Massagen bis hin zu Ernährungsberatung und psychologischer Unterstützung. Einweisungen können dabei ohne langwierige Antragsverfahren direkt über den Hausarzt erfolgen.
Kommunale Initiativen und Quartiersversorgung
Parallel zu den Entwicklungen in den Kliniken rückt auch die sektorenübergreifende Versorgung im Wohnumfeld in den gesundheitspolitischen Fokus. Im Landtag von Nordrhein-Westfalen haben CDU und Grüne einen Antrag eingebracht, um Pflegeberatung, Nachbarschaftshilfe, soziale Arbeit und lokale Gesundheitsangebote enger miteinander zu verzahnen.
Die Kommunen sollen demnach Sozial-, Pflegebedarfs- und Gesundheitsplanungen besser aufeinander abstimmen und dabei digitale Werkzeuge wie KomMonitor zur kleinräumigen, datenschutzkonformen Verknüpfung von Daten nutzen.
Der parlamentarische Vorstoß in Nordrhein-Westfalen sieht zudem Prüfaufträge vor, um spezialisierte Pflegekräfte im Quartier einzubinden. Dabei soll geprüft werden, wie sogenannte Community Health Nurses in die Versorgung vor Ort integriert werden können und wie eine breitere Pflegebedarfsplanung unter Einschluss ambulanter und pflegeergänzender Hilfen gestaltet werden kann. Der Antrag sieht dafür keine neuen Förderprogramme oder Stellen vor, sondern setzt auf eine Umsetzung im Rahmen der bereits vorhandenen Mittel.
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Ergänzend dazu investieren Bundesländer in wohnortnahe Strukturen. In Bayern fördert das Programm PflegesoNah in Hohenfels im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz eine neue Tagespflege mit 20 Plätzen sowie eine Begegnungsstätte mit insgesamt 650.000 Euro. Betreiber der demenzsensiblen Tagespflege ist der BRK-Kreisverband Neumarkt in der Oberpfalz.
Nach Angaben von Bayerns Gesundheits- und Pflegeministerin Judith Gerlach wurden über das Programm seit 2020 mehr als 486 Millionen Euro investiert und über 10.400 Pflegeplätze modernisiert oder neu geschaffen; allein im laufenden Jahr wurden bisher rund 1.600 Plätze mit 76,6 Millionen Euro unterstützt.
Spezialisierte Ambulanzen zur Prävention von Folgeschäden
Neben stationären Koordinierungsstellen und kommunalen Konzepten entstehen spezialisierte ambulante Einrichtungen, um Risikofaktoren im Alter frühzeitig zu adressieren.
Die Abteilung für Innere Medizin an der Klinik Güssing eröffnete Anfang Oktober 2026 die erste Osteoporose-Ambulanz im Burgenland. Die Einrichtung widmet sich der Früherkennung, Behandlung und Verlaufsbeobachtung von Knochensubstanzverlusten sowie der Einschätzung von Knochenbruchrisiken.
Zu den Zielgruppen in Güssing zählen neben geriatrischen Patienten vor allem Personen mit erhöhtem Sturzrisiko, Frauen nach der Menopause sowie Betroffene mit chronischen Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus oder rheumatologischen Leiden.
Landeshauptmann Hans Peter Doskozil hob hervor, dass die spezialisierte Versorgung für Betroffene wohnortnah erreichbar sein müsse. Voraussetzung für die ambulante Vorstellung sind neben einer vorherigen Terminabsprache das Vorliegen einer Knochendichtemessung und aktueller Laborbefunde.
