Osteosarkopenie, Therapie

Osteosarkopenie: Gemeinsame Therapie soll Knochenbrüche wirksamer verhindern

Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 11:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Fachleute empfehlen, Knochen- und Muskelschwund gemeinsam zu behandeln; Bewegung kann das Frakturrisiko laut Evidenz um 40 bis 50 Prozent senken.
Ein heller, minimalistischer Untersuchungsraum in einer modernen geriatrischen Klinik mit einer leeren Untersuchungsliege. Illustration mit AI erstellt.

In der geriatrischen Medizin gewinnt die Erkenntnis an Bedeutung, dass Knochen- und Muskelschwund nicht isoliert betrachtet werden dürfen. Experten der Clínica Universidad de Navarra um Dr. Miguel Germán Borda regen in einem Beitrag im Journal of Bone and Mineral Research an, Osteoporose und Sarkopenie bei älteren Menschen künftig gemeinsam zu therapieren.

Ziel dieses integrierten Ansatzes ist es, das Risiko schwerer Knochenbrüche deutlich wirksamer zu verringern, als es getrennte Behandlungsansätze bisher vermögen.

Erhöhte Risiken durch das Zusammenspiel von Knochen- und Muskelabbau

Das gleichzeitige Auftreten von Knochenschwund und Muskelverlust, in der Fachwelt als Osteosarkopenie bezeichnet, birgt erhebliche Gefahren. Eine Auswertung mehrerer Studien belegt, dass Betroffene ein um 50 Prozent höheres Sturzrisiko und ein mehr als doppelt so hohes Frakturrisiko aufweisen wie Personen ohne diesen doppelten Abbau.

Muskelkontraktionen stimulieren natürlicherweise den Knochenstoffwechsel; schwindet die Muskelmasse, beschleunigt dies wiederum den Knochenschwund und schwächt die motorische Stabilität.

Die Dimension des Problems verdeutlichen epidemiologische Erhebungen. Im Rahmen des Projekts OsteoSER zeigte sich für Spanien, dass 54,4 Prozent der über 50-Jährigen von Osteopenie und 10,7 Prozent von Osteoporose betroffen sind. Eine Untersuchung an 686 Personen ab einem Alter von 60 Jahren ergab zudem, dass etwa jeder Achte unter Sarkopenie leidet.

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Weltweit beläuft sich die Zahl der Hüftfrakturen auf jährlich 1,7 Millionen Fälle, begleitet von einer Sterblichkeitsrate von 12 bis 35 Prozent im ersten Folgejahr. Nach einem ersten Wirbelbruch steigt die Wahrscheinlichkeit weiterer Brüche um das Sieben- bis Zehnfache.

Mangel an kombinierten Therapien und neue Ansätze zur Früherkennung

Bislang fehlen pharmazeutische Lösungen, die beide Erkrankungen simultan adressieren, da derzeit keine gemeinsamen Medikamente zur Verfügung stehen. Umso wichtiger bewerten Fachleute diagnostische Fortschritte: Als besonders vielversprechend für die Früherkennung gilt der Einsatz künstlicher Intelligenz bei der computergestützten Auswertung von Schnittbildern und Röntgenaufnahmen.

Die gezielte Vorbeugung richtet sich vor allem an Frauen ab 65 Jahren sowie Männer ab einem Alter von 70 Jahren, insbesondere wenn zusätzliche Faktoren wie vorangegangene Stürze, Gebrechlichkeit, Mangelernährung, Bewegungsmangel oder eine langfristige Therapie mit Kortison vorliegen.

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Dass Knochendichteverlust schmerzfrei verläuft, erschwert die rechtzeitige Diagnose: Bei 80 Prozent der Patienten mit Fragilitätsfrakturen lag laut Studien im Vorfeld keine gesicherte Osteoporose-Diagnose vor, und mindestens die Hälfte aller Brüche ereignet sich bei Messwerten im osteopenischen Bereich.

Gezielte Prävention vor dem ersten Knochenbruch

Fachmediziner weisen darauf hin, dass die Vorbeugung zwingend vor dem ersten Bruch einsetzen muss, da ein solches Ereignis das Risiko für Folgefrakturen in den anschließenden zwei Jahren drastisch erhöht. Eine reine Gabe von Kalzium und Vitamin D ohne spezifische Medikation reicht nach ärztlicher Einschätzung nicht aus, um Stürze und Brüche abzuwenden.

Stattdessen gilt körperliche Aktivität als entscheidender Hebel: Gezielte Bewegung kann das Frakturrisiko der vorliegenden Evidenz zufolge um 40 bis 50 Prozent senken.

Erforderlich ist dafür ein über mindestens zwölf Wochen angelegtes Programm, das Ausdauer mit Kraft-, Stoß- und Gleichgewichtsübungen kombiniert. Damit lässt sich dem biologischen Muskelabbau entgegenwirken, der bereits um das 30. Lebensjahr einsetzt und sich ab dem 60. Lebensjahr merklich beschleunigt.

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