Osteosarkopenie, Kombinierte

Osteosarkopenie: Kombinierte Erkrankung erhöht Sturzrisiko um 50 Prozent

Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 12:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Forschungsergebnisse verbinden Osteosarkopenie mit mehr StĂŒrzen und BrĂŒchen; Fachleute setzen auf kombinierte Therapie und PrĂ€vention.
Heller, minimalistischer Rehabilitationsraum mit TrainingsgerÀten in einer Klinik. Illustration mit AI erstellt.

Internationale Wissenschaftler drĂ€ngen auf einen grundlegenden Paradigmenwechsel bei der Versorgung Ă€lterer Menschen: Osteoporose und Muskelschwund (Sarkopenie) dĂŒrfen nicht lĂ€nger isoliert betrachtet werden.

In einer im Fachblatt Journal of Bone and Mineral Research veröffentlichten Arbeit fordern Forscher unter Beteiligung von Dr. Miguel GermĂĄn Borda von der Geriatrie der ClĂ­nica Universidad de Navarra, die kombinierte Erkrankung – die sogenannte Osteosarkopenie – kĂŒnftig gemeinsam zu therapieren.

Die Notwendigkeit eines solchen Schritts belegen die klinischen Daten deutlich. Laut der Analyse mehrerer Studien ist bei Betroffenen mit Osteosarkopenie das Risiko fĂŒr StĂŒrze um 50 % erhöht, wĂ€hrend sich die Gefahr von KnochenbrĂŒchen mehr als verdoppelt. Dennoch existieren bislang keine Medikamente, die beide Beschwerdebilder gleichzeitig abdecken.

Hohe Dunkelziffer und drastische Sturzfolgen

Die Verbreitung von Knochen- und Muskelerkrankungen im Alter ist erheblich. In Spanien schĂ€tzt das OsteoSER-Projekt der Sociedad Española de ReumatologĂ­a den Anteil von Osteopenie bei den ĂŒber 50-JĂ€hrigen auf 54,4 % und jenen von Osteoporose auf 10,7 %. Eine spanische Untersuchung an 686 Personen ab 60 Jahren identifizierte zudem bei etwa jedem Achten eine Sarkopenie.

Gleichzeitig treten 80 % der FragilitĂ€tsfrakturen ohne eine vorherige Osteoporose-Diagnose auf, und mindestens die HĂ€lfte davon entfĂ€llt auf Betroffene mit osteopenischen Knochendichtewerten. Weltweit belĂ€uft sich die Zahl der HĂŒftfrakturen auf jĂ€hrlich 1,7 Millionen bei einer 1-Jahres-MortalitĂ€t zwischen 12 und 35 %.

Folgefrakturen sind hĂ€ufig: Nach einer ersten Wirbelfraktur liegt das Risiko weiterer Frakturen 7- bis 10-fach und das HĂŒftfrakturrisiko 2,8- bis 4,5-fach höher. FĂŒr das Jahr 2030 wird weltweit eine Zahl von 263 Millionen Betroffenen prognostiziert, darunter 154 Millionen Frauen.

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Vor diesem Hintergrund fordern Borda und sein Forschungsteam gezielte PrĂ€ventionsmaßnahmen. Besonders im Fokus stehen Frauen ab 65 Jahren, MĂ€nner ab 70 Jahren sowie Personen nach StĂŒrzen, mit Gebrechlichkeit (Frailty), MangelernĂ€hrung, langfristiger Kortikoidbehandlung oder ausgeprĂ€gter InaktivitĂ€t.

Bei der FrĂŒherkennung setzen Fachleute zunehmend auf kĂŒnstliche Intelligenz, die Computertomografie- (TAC) und Röntgenbilder automatisiert analysieren soll.

Muskeln als Schutzfaktor: Fachleute warnen vor isolierter Kalziumtherapie

Auch international teilen FachĂ€rzte den Ruf nach einer ganzheitlichen Strategie. Dr. Xiao Lili, ChefĂ€rztin fĂŒr Knochenerkrankungen am Zweiten Volkskrankenhaus Fuzhou, hob am 20. Oktober 2026 hervor, dass eine Therapie bei Osteoporose keinesfalls auf KalziumprĂ€parate beschrĂ€nkt bleiben dĂŒrfe, da zwingend auch die Muskulatur gekrĂ€ftigt werden mĂŒsse.

Warnzeichen fĂŒr einen beginnenden Abbau seien eine verringerte Gehgeschwindigkeit, sinkende Griffkraft, dĂŒnnere Waden, chronische MĂŒdigkeit, MuskelkrĂ€mpfe und ein messbarer GrĂ¶ĂŸenverlust. Dr. Xiao verweist auf Risikofaktoren wie Untergewicht, Bewegungsmangel, Vitamin-D-Defizite und postmenopausale Hormonumstellungen.

Dieser EinschĂ€tzung schloss sich am selben Tag Dr. Blanca Mur, Rehabilitationsmedizinerin am spanischen Hospital Universitario RamĂłn y Cajal in Madrid, an. Eine alleinige Gabe von Kalzium und Vitamin D ohne osteoporosespezifische Medikamente verhindere weder Frakturen noch StĂŒrze.

Nach einer ersten Fraktur steige das Risiko weiterer BrĂŒche in den folgenden zwei Jahren signifikant; zudem stĂŒrze ein Drittel der postmenopausalen Frauen ab dem Alter von 65 Jahren. Körperliches Training könne Frakturen jedoch um 40 bis 50 % reduzieren, sofern mindestens 12 Wochen lang Ausdauer, Kraft, Stoßbelastung und Gleichgewicht geschult werden.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt wöchentlich 150 bis 300 Minuten moderate oder 75 Minuten intensive AusdaueraktivitĂ€t, ergĂ€nzt durch KraftĂŒbungen an mindestens zwei Tagen.

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Der OrthopĂ€de Ni Guohua von der UniversitĂ€tsklinik Henan bezeichnete Muskulatur treffend als einen schĂŒtzenden Panzer gegen StĂŒrze. Bei Senioren mit Schenkelhals- oder HandgelenkbrĂŒchen sei die gemessene Knochendichte oft besser als erwartet – der entscheidende Schwachpunkt liege hĂ€ufiger in der MuskelschwĂ€che.

Da der Muskelabbau frĂŒher und unbemerkter verlaufe als der Knochenschwund, empfiehlt er unter anderem tĂ€gliche kurze KraftĂŒbungen wie Wandkniebeugen, Sitzheben und Zehenstand sowie eine gezielte Eiweißzufuhr.

Multimodale AnsÀtze zeigen klinische Erfolge

Dass ein gemeinsames Management beider Systeme wirkt, demonstrieren klinische Fallberichte und Studien. Dr. Hu Yongxin vom Institut fĂŒr Endokrinologie und Stoffwechsel des Integrierten Krankenhauses der Provinz Jiangsu berichtet von Patientinnen mit Frakturen, deren Schmerzen trotz verbesserter Knochendichte erst durch ein interdisziplinĂ€res Muskel- und ErnĂ€hrungsprogramm nachließen.

In einer im chinesischen Journal fĂŒr Pflege publizierten Untersuchung an 80 Senioren mit HĂŒftfraktur und Sarkopenie nach Implantation einer HĂŒftendoprothese fĂŒhrte ein 12-wöchiges progressives Widerstandstraining zu signifikanten Verbesserungen bei Griffkraft, Beinkraft, Reha-Selbstwirksamkeit und GehfĂ€higkeit.

Auf der Pekinger Konferenz zur Knochengesundheit am 20. Oktober 2026 betonten Fachleute wie Xia Weibo und Zhang Zhenlin ebenfalls die enge Wechselwirkung beider Gewebe.

Li Mei vom Peking Union Medical College Hospital empfahl standardisierte Selbsttests zur FrĂŒherkennung: Eine Griffkraft von unter 18 Kilogramm bei Frauen beziehungsweise unter 28 Kilogramm bei MĂ€nnern sowie ein Wadenumfang von unter 33 Zentimetern bei Frauen und unter 34 Zentimetern bei MĂ€nnern gelten ebenso als Warnsignale wie das Unvermögen, fĂŒnfmaliges Aufstehen vom Stuhl in unter 12 Sekunden zu absolvieren.

Experten raten Ă€lteren JahrgĂ€ngen deshalb eindringlich von rigorosen DiĂ€ten ab und plĂ€dieren fĂŒr den frĂŒhzeitigen Erhalt der funktionellen Muskelmasse.

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